Trotz Krise: Die Wohnungsbau Aalen baut weiter

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Michael Schäfer Foto: privat
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Bauen wird immer teurer. Geschäftsführer Michael Schäfer spricht darüber, wie die Wohnungsbau mit der Situation umgeht.

Aalen

Seit Anfang des Jahres hat die Aalener Wohnungsbau einen neuen Geschäftsführer: Michael Schäfer. Im Interview spricht der 35-Jährige über aktuelle Projekte, die allgemeine Baukostensteigerung und hohe Energiepreise.


Herr Schäfer, warum wollten Sie Geschäftsführer der Aalener Wohnungsbau werden?

Michael Schäfer: Schon seit meiner Kindheit habe ich eine Verbindung zu Aalen. Meine Großeltern haben hier gelebt. Ich komme aus der Region. Aalen ist eine wunderschöne Stadt mit ganz tollem Charme. Die Projekte, die in den kommenden Jahren anstehen, sind eine spannende Aufgabe. Die Stadt mitgestalten zu dürfen, ist ein Privileg. So sehen das auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das motiviert mich ungemein.

Was sind die wichtigsten Aufgaben, die in nächster Zeit anstehen?

Die Situation in der Immobilienwirtschaft ist sehr schwierig. Angefangen von der KfW-Förderung, die weggefallen ist. Darüber hinaus der Krieg in der Ukraine, der uns alle sehr belastet. Und natürlich damit verbunden die extreme Baukostensteigerung. Dennoch ist es die Aufgabe der Wohnungsbau, neuen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sei es durch Sanierung oder durch Neubau.

Wie steht es um die aktuellen Bauprojekte?

Aktuell setzen wir tolle Projekte um. Im Pelzwasen zum Beispiel realisieren wir 35 Wohnungen, die wir im August oder September übergeben wollen. Alle Wohnungen, die wir verkaufen wollten, haben wir verkauft, jetzt starten wir in die Vermietung. Außerdem bauen wir dort elf Reihenhäuser. Die befinden sich in der Endphase der Fertigstellung. Wir wollen sie Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres verkaufen.

Und im Baugebiet Schlatäcker?

Dort bauen wir 29 Wohnungen. Wann wir in die Vermarktung gehen, machen wir von der aktuellen Situation abhängig. Ursprünglich war geplant, dass wir im letzten Quartal in die Vermarktung gehen. Da wollen wir aber abwarten, wie sich das Thema Förderung und Baukosten weiterentwickelt, ob es demnächst eine Alternative zur KfW-Förderung gibt, auf die unsere potentiellen Käufer zugreifen können. Wenn nicht, werden wir sehr wahrscheinlich erst Anfang nächsten Jahres in die Vermarktung einsteigen.

Welche Bauprojekte sind in der Entwicklung?

Die Zehntscheuergasse in Unterkochen. Da sind wir gerade fleißig am Entwickeln. In der Schwester-Ingona-Straße, ehemals Maiergasse, in Wasseralfingen steigen wir gerade in die Rohbauverhandlungen ein und wollen dieses Jahr noch einen Spatenstich machen. Vielleicht schaffen wir das noch vor der Sommerpause, vielleicht aber auch erst im Herbst. Dies ist davon abhängig, wann die Rohbaufirma starten kann.

Sind die Projekte in der Entwicklung gefährdet wegen der aktuell so schwierigen Situation?

Manche Geschäftsführerkollegen anderer Wohnungsbaugesellschaften sind der Meinung, dass man Bauten einstellen muss. Ich sehe das aber anders. Wir können aufgrund der aktuellen Situation nicht aufhören, Wohnraum zu schaffen. Das wäre das falsche Zeichen. Wohnraum zu schaffen, ist unsere soziale Verpflichtung. Wir müssen strategisch vorgehen und überlegen, wann wir mit den Bauunternehmen und Handwerken sprechen, wie wir unseren Einkauf gestalten und wir müssen einen guten Zeitpunkt für die Ausschreibung erwischen. Meine persönliche Meinung und Hoffnung ist, dass sich der Markt demnächst auch wieder etwas beruhigen wird.

Wie schätzen Sie die Situation auf dem Energiemarkt ein?

Da sieht es anders aus. Ich denke nicht, dass sich der Energiemarkt so schnell wieder beruhigt. So hohe Energiepreise gab es noch nie. Das bedeutet, dass sich die Nebenkosten erhöhen.

Werden auch die Mieten teurer?

Wir werden versuchen, die Mieten stabil zu halten. Natürlich gibt es gewöhnliche Mietanpassungen. Die stimmen wir aber mit dem Aufsichtsrat ab. Die Durchschnittsmiete bei der Wohnungsbau liegt bei 5,80 Euro. Damit wirken wir in Aalen preisdämpfend auf die Miete. Das ist auch wichtig, dass wir das als Wohnungsbau tun, um günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Was bedeutet die Baukostensteigerung für Menschen, die von der Wohnungsbau eine Wohnung kaufen möchten?

Wir haben in den vergangenen Jahren auch hier eine Preissteigerung erlebt. Ich fürchte, wir sind noch nicht am Ende dieser Entwicklung angekommen, weil im Moment die Baukosten so sehr steigen.

Können Sie eine Zahl nennen?

Wir liegen in Aalen inzwischen bei 5000 Euro pro Quadratmeter oder teilweise sogar deutlich darüber.

Und in Wasseralfingen oder Unterkochen?

Weil dort die Grundstückspreise etwas günstiger sind, können wir die Wohnungen etwas günstiger anbieten als in der Kernstadt. Aber die Baukosten sind die gleichen – In Aalen und in den Teilorten. Es kommt somit am Ende des Tages sehr stark auf die weitere Entwicklungen der Baukosten an.

Wohnraum zu schaffen, ist unsere soziale Verpflichtung.“

Michael Schäfer, Geschäftsführer Wohnungsbau

Über die Aalener Wohnungsbau

Die Gesellschaft ist ein Tochterunternehmen der Stadt Aalen. Die Wohnungsbau vermietet rund 1500 Wohnungen. Das macht sie zum größten Anbieter im Stadtgebiet. Weitere 1200 Wohnungen verwaltet die Gesellschaft. Als Bauträger realisiert die Wohnungsbau Mehrfamilienhäuser.

Rötenberg und Heide aus der Luft betrachtet. Am Fuß des Rötenbergs (rechts unten im Bild) hat die Wohnungsbau vergangenes Jahr sieben Mehrfamilienhäuser fertiggestellt. Archivfoto: Oliver Giers

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