Türmer und Sagengestalten dem Aalener Spion auf der Spur

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Der zweite Gildemeister, Ralf Edler, bedankt sich bei der Stadt Aalen für den freundlichen Empfang
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Am Samstag sorgten jede Menge Nachtwächter, Türmer, Schultheiße, Herolde und Sagengestalten in der Kocherstadt für Aufmerksamkeit.

Aalen

Was war denn das für ein Auflauf am Samstag in den Gassen der Aalener Innenstadt? Mittelalterlich gewandete Menschen - Nachtwächter, Schultheiße, Herolde und Marktfrauen - zogen bei hellem Tageslicht durch die Innenstadt und haben mit ihren Hellebarden, Laternen und Hörnern für Aufmerksamkeit gesorgt. Und natürlich durfte auch die alte Weise„Hört ihr Leut und lasst euch sagen...“ nicht fehlen. Manch einer hat sich verblüfft umgeschaut angesichts dieser in mittelalterlich gekleideten Männer und Frauen.

Des Rätsels Lösung: Die „Deutsche Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren“ hat in Aalen getagt und am Nachmittag an Führungen mit den hiesigen Nachtwächtern und dem Aalener Spion teilgenommen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger schlossen sich den vier Gruppen an und haben neben Altbekanntem Neues von den hauptsächlich aus dem süddeutschen Raum angereisten Gewandeten und deren Städten und Gemeinden erfahren.

Diese deutsche Gilde, zu der allerdings auch Österreich gehört, will das traditionelle Brauchtum und das historische Figurenwesen bewahren und erhalten.

„Wir sind froh und glücklich, etwas über Aalen und seine bewegte Geschichte zu erfahren“, sagte Ralf Edler, der als Zweiter Gildemeister in der Figur des „Schwarzen Mannes“ mit schwarzem Gehrock und Zylinder auftritt. Mit seiner Hündin Sheila, die ihn auch zuhause in Schöneck im Vogtland begleitet, erzählt er in Aalen seine Geschichte.

Schön gruselig, was sich die Gruppe anhören darf. Edler erzählt vom „Schwarzen Mann“, der im 30-jährigen Krieg die feindliche Truppe statt zur nächsten Stadt, ins Moor führt. Dort bläst er seine Laterne aus und stürzt die Soldaten somit in die Dunkelheit und ins Verderben. Heute noch, so die Sage, solle man hier und da ein Heulen aus dem Moor hören, wo einst Wölfe lebten.

Und tatsächlich, als Ralf Edler vor der Stadtkirche in sein Horn stößt, beginnt auch seine Hündin zu heulen. „Doch das hat nichts mit der Geschichte von damals zu tun“, lacht Edler.

Währenddessen sitzen Heinz Wellman, als Nachtwächter zu Rees und zudem oberster Gildemeister, sowie Hans Peter Lindenbaum als „Geminner“ (Gmünder) Nachtwächter in der Bierhalle, Aalens ältester Wirtschaft, und gönnen sich einen kühlen Trunk. „Ich habe drei G, lacht Wellmann und prostet in die Kamera.“.

Weiter geht es durch Aalen. Die Bürgerfrau erzählt, die Gewandeten in der Gruppe klinken sich ein, erzählen aus ihrer Stadt und geben auch während des gemütlichen Rundgangs der Gruppe viele Anekdoten preis. Mit Leidenschaft verkörpern sie ihre Figuren. Nicht nur die Historie, die sie spiegeln, auch das Weitergeben der Geschichten ist ihnen wichtig. Eine gemeinsame Tradition verbindet den Nachtwächter aus Sommerhausen und den Herold aus Bad Windsheim. Beide erzählen von Franz Daniel Pastorius 1651 in Sommerhausen geboren, und zehn Jahre lang in Windsheim beheimatet, der schließlich „Germantown“ in Amerika gründete. Und wie die anderen, kamen die beiden ob dieser alten Geschichte ins Schwärmen. In der Bierhalle - dort, wo einst schon Christian Friedrich Daniel Schubart gesessen und philosophiert hat - fand der Abschluss des Gildetreffens statt.

Sicherlich hätte Aalens berühmter Sohn sie an seinen Tisch gebeten und an den vielen Geschichten seine Freude gehabt.

Mehr Bilder vom Gildetreffen in Aalen sehen Sie online unter www.schwaepo.de

Zwei Nachtwächter mit ihren Hellebarden (l.) und der "Schwarze Mann" aus dem Moor, Ralf Edler (MItte), lauschen der Erzählung der Aalener Bürgerfrau.
Der Nachwächter und Gildemeister, Heinz Wellmann (r.), und der Schultheiß zu "Geminne", Hans Peter Lindenbaum, erfrischen sich vor der Bierhalle.
Viele sogenannte Gewandete sorten in Aalen für einen Zeitsprung in die Vergangenheit.
Ralf Edler, zweiter Gildemeister, bedankt sich bei der Stadt Aalen für die freundliche Aufnahme
Viele Nachtwächter, Türmer und andere Figuren gaben sich am Samstag beim Regionaltreffen in Aalen ein Stelldichein.
Viele Nachtwächter, Türmer und andere Figuren gaben sich am Samstag beim Regionaltreffen in Aalen ein Stelldichein.
Viele Nachtwächter, Türmer und andere Figuren gaben sich am Samstag beim Regionaltreffen in Aalen ein Stelldichein.
Der Aalener Nachtwächter kann viele "Amtskolleginnen und Kollegen" begrüßen.
Viele Nachtwächter, Türmer und andere Figuren gaben sich am Samstag beim Regionaltreffen in Aalen ein Stelldichein.
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