Über Erdogan, türkische Gastfreundschaft und einen busfahrenden Straßenhund

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Zu Gast bei "Wortgewaltig" - die ARD-Hörfunkkorrespondentin Karin Senz.
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Wortgewaltig Die ARD-Hörfunkkorrespondentin Karin Senz spricht im Kulturbahnhof über die Kultur, Politik und Landschaft der Türkei. Von Dagmar Oltersdorf

Aalen. Am Ende sind es weit mehr als zwei Gesichter, die die ARD-Hörfunkkorrespondentin Karin Senz bei ihrem Vortag in der Reihe "wortgewaltig" im Kulturbahnhof Aalen zeigt. Das stellt einer der rund 30 Gäste zum Titel "Die zwei Gesichter der Türkei" nach rund zwei Stunden treffend fest.  So lang hat da die gebürtige Nördlingerin, die jetzt in Istanbul lebt, über die einfachen Menschen in ihrer neuen Heimat sehr emotional, über die Politik dort aber sehr sachlich berichtet.

Eingeladen wurde Senz als Journalistin, wie Schubart es war. In dessen Tradition steht die Reihe "Wortgewaltig", führt Uta Singer vom Kulturamt ein. Zunächst zeichnet deshalb Karin Senz auch ihre Karriere nach. Eine, die bei den Rieser Nachrichten begann. "Da wollte ich dann nicht mehr Journalistin werden, das Schreiben war mir zu mühsam", erzählt sie. Unter anderem über Radio 7 landet sie beim SWR. Das Radio hat sich da schon als ihr Medium erwiesen, um Geschichten über die Menschen zu erzählen. Über einen Job hinter dem Schreibtisch geht es für sie wieder nach draußen als "Krisenreporterin" und 2017 als Korrespondentin in die Türkei.

"Ich habe das nie bereut", sagt Karin Senz. "Es gibt viel Freiheit dort und viel Arbeit." Und eine aktuell "extrem angespannte Stimmung", wie sie sagt. Vor Corona sei die Türkei sehr häufig Thema bei den 66 Radiowellen gewesen, die sie mit Nachrichten und Berichten beliefere, so die Korrespondentin. Waldbrände, Proteste, Erdogan, der polarisiere, das seien beliebte Themen gewesen.  "Dann ging es in Deutschland nur noch um Corona." Angesichts einer Gastfreundschaft, die sie immer wieder rühre, sei es aber auch nicht wichtig, ob jemand Erdogan-Anhänger sei oder nicht. Rund die Hälfte der Türken hätten ihn nicht gewählt, so Senz. Die, die es getan hätten, hätten nachvollziehbare Gründe. Er habe die Korruption in den Ämtern abgeschafft, eine Krankenversicherung für alle geschaffen, es gab einen wirtschaftlichen Aufschwung. Heute liege die Inflationsrate in der Türkei bei offiziell 50 Prozent, "da hört der Spaß auch für Anhänger auf".

Während im Hintergrund eine Foto-Präsentation läuft, die mal wunderschöne Landschaftsaufnahmen aus Kappadokien, Blicke vom Berg Ararat und der Safranernte, dann wieder  Demonstrationen und Karin Senz bei der Arbeit zeigen, streift die Korrespondentin viele Themen. Tourismus, Abhängigkeit und das Verhältnis zu Russland, Erdogans Fähigkeit, sich "Situationen zunutze zu machen", Gülen-Bewegung, Säuberungen, Menschen, einstiger PKK-Terror, der die Menschen immer noch traumatisiere, Flüchtlinge, die seit Jahren im Osten des Landes leben und dort "auch versorgt werden." Vier Millionen allein seien Syrer, dazu weitere zwei Millionen aus anderen Ländern.

Viele Gesichter, zu denen für die Gäste im Kubaa nun auch das des Straßenhundes Boji gehört, der am liebsten Bus fährt und zum Medienstar wurde. "Welches Sie jetzt nach Hause mitnehmen, das bleibt ihnen überlassen", sagt Karin Senz.

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