Über Rommel heiß diskutiert

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Drei Stunden lang mit der Frage beschäftigt, ob der Name Erwin-Rommel-Straße beibehalten werden soll: Das haben am Mittwochabend diese Menschen im Aalener Rathaus getan.
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Soll die Erwin-Rommel-Straße umbenannt werden oder nicht? Darum geht es drei Stunden während einer Podiumsdiskussion im Rathaus.

Aalen

Soll die Erwin-Rommel-Straße im Hüttfeld umbenannt werden oder nicht? Die Frage sorgt 64 Jahre nach der Namensgebung für kontroverse Diskussionen in Aalen. War Rommel, der als Hitlers Lieblingsgeneral galt, ein Nazi, ein Kriegsverbrecher – oder ein Widerstandskämpfer? Bei der Erörterung solcher Fragen am Mittwochabend im prall gefüllten kleinen Sitzungssaal des Rathauses ging es mitunter heiß her. Mehr als 180 Menschen verfolgten dort drei Stunden lang die Podiumsdiskussion "Rommel: Mensch – Mythos – Militär", viele meldeten sich auch zu Wort.

Der Anlass: "Für die Vergabe von Straßennamen ist laut Gemeindeordnung unser Gemeinderat zuständig", erläuterte Kulturamtsleiter Dr. Roland Schurig am Mittwochabend. Gemäß Ehrenordnung der Stadt Aalen könne er sich dabei an menschlichen Verdiensten orientieren oder an Namen, die der Ermahnung dienen können. Seit Juli fordern Bürger die Umbenennung der Erwin-Rommel-Straße, nicht zuletzt zählen das Bündnis "Gegen Vergessen. Für Demokratie" sowie Gewerkschaften dazu. Der Gemeinderat habe daraufhin einen breit angelegten Informationskurs beschlossen, bevor das 54-köpfige Gremium dann in der Sache entscheiden muss.

Die Gäste auf dem Podium: "Es gibt gute Gründe zur Umbenennung der Straße", meint Matthias Pfeffer. "Aber dann besteht die Gefahr, dass die Erinnerung an die Geschichte einer ganzen Generation verblasst." Pfeffer war einer der drei geladenen Experten am Mittwochabend. Der stellvertretende Schulleiter des Werkgymnasiums Heidenheim stammt aus Aalen. Nach dem Studium schrieb er seine Zulassungsarbeit über Erwin Rommel: "Der Wüstenfuchs auf der Ostalb." Am Mittwoch beleuchtete Pfeffer vor allem das zunehmend persönliche Verhältnis zwischen dem damaligen Aalener Bürgermeister Dr. Karl Schübel, der NSDAP-Mitglied war, und Erwin Rommel. Schübel habe Generalmajor Rommel das Aalener Ehrenbürgerrecht verliehen, ihm Feldpostpäckchen nach Afrika geschickt und am Staatsakt nach Rommels Tod im Oktober 1944 in Ulm teilgenommen.

Wollten Sie in einer Straße wohnen, die nach Erwin Rommel benannt ist?

Jutta Schnizler wohnt in der Erwin-Rommel-Straße

Auf dem Podium im Rathaus diskutierten außerdem, moderiert von Stadtarchivar Dr. Georg Wendt: Dr. Peter Lieb, Historiker am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam. Und Dr. Cornelia Hecht, unter anderem Kuratorin der Sonderausstellung "Mythos Rommel" im Haus der Geschichte in Stuttgart. Gegen die Einstufung Rommels als Nazi spreche, dass er kein Antisemit gewesen sei, meinen Lieb und Hecht einvernehmlich. Rommel sei von Beruf Soldat gewesen. Aber er habe für weniger Blutvergießen gesorgt als manch vergleichbare Zeitgenossen im Militär. Für wahrscheinlich halten Lieb und Hecht, dass Rommel vom geplanten Attentat Stauffenbergs am 20. Juli 1944 auf Hitler wusste. "Neuere Quellen rücken ihn in die Nähe des Widerstands", so Lieb. Rommel sei dann vom Nazi-Regime zum Suizid gezwungen worden, als Unfall getarnt, um das Bild von Hitlers Lieblingsgeneral zu erhalten.

Das Publikum: Zwei Sprecher der Gruppe "Gegen Vergessen. Für Demokratie" reagieren entrüstet: "Wenn Rommel kein Kriegsverbrecher gewesen sein soll, wer dann überhaupt", so Rüdiger Walter. Er und Dr. Alfred Geisel sagen zum Beispiel, Rommel habe in Norditalien gegen "badogliohörige" Soldaten den "Gesindel-Befehl" erlassen, die Folge: auch 200 tote Zivilisten.

Sascha Lichter fragt nach: "Möchte man sich in Aalen mit einer Straße eines Mannes erinnern, der sich wissentlich vor das NS-Regime spannen ließ?" Herma Geiss wünscht sich stattdessen Straßennamen, die etwa an die Mütter des Grundgesetzes erinnern. Jutta Schnizler erklärt, sie wohne seit 22 Jahren in der Erwin-Rommel-Straße. "Würden Sie das auch wollen", fragt sie das Podium. Matthias Pfeffer: "Wir müssen wissen, dass der Gemeinderat 1955 damit den Militär Rommel ehren wollte."

Auf dem Podium (von links) die Rommel-Experten Matthias Pfeffer, Dr. Cornelia Hecht, Dr. Peter Lieb mit Stadtarchivar Dr. Georg Wendt.

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