OB-Wahl in Aalen: Vorstellung mit Applaus und Buhrufen

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Interessiert verfolgen die rund 250 Besucherinnen und Besucher in der Aalener Stadthalle die Reden von Frederick Brütting, Marcus Waidmann, Matthias Müller, Stefan Schmidt und Catherine Rommel, die alle OB in Aalen werden wollen.
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250 Aalenerinnen und Aalener verfolgen die Vorstellung der OB-Kandidaten in der Stadthalle. Ein Kandidat schießt gegen einen Mitbewerber, einer schießt gegen den amtierenden OB.

Der Höhepunkt im OB-Wahlkampf: die Kandidatenvorstellung, zu der die Stadt einlädt. Trotz Pandemie konnte sie am Dienstagabend in der Stadthalle stattfinden. Rund 250 genesene, geimpfte oder getestete Aalenerinnen und Aalener haben Einlasskarten bekommen. Alle fünf Kandidatinnen und Kandidaten, die zur Wahl zugelassen sind, stellten sich in einer zehnminütigen Rede vorgestellt und beantworteten Fragen.

Frederick Brütting (SPD): Der 37-Jährige sprach über die Geschichte. Die der Stadt Aalen und seine eigene. Als Jurist und Bürgermeister der Stadt Heubach, mittlerweile seit neun Jahren im Amt, bringe er die nötige Erfahrung mit. Anschließend ging der Blick in die Zukunft. Bürgerbeteiligung sei ihm wichtig. Mit ihm gebe es keine Politik von oben nach unten. Weitere wichtige Punkte für ihn: Eine lebendige Innenstadt, wachsende Wirtschaft, Klimaschutz, Zusammenhalt in der Flächenstadt mit allen Teilorten und der soziale Zusammenhalt. Brütting wünscht sich „ein Aalen, in dem man nicht gefragt wird, woher die Eltern kommen oder in welcher Straße man wohnt, sondern danach, was man kann und was man beiträgt“. Seine Rede beschloss Brütting mit „Glück auf!“ Anschließend gab es langanhaltenden Applaus. Ein Bürger fragte, ob er aus Aalen wegginge, wenn sich eine Chance in einer größeren Stadt ergebe. Brütting sagte zu, dass er sich in acht Jahren zur Wiederwahl stellen werde, wenn er im Juli zum OB gewählt werden würde.

Marcus Waidmann (AfD): „Den Bezug zu Aalen muss ich nicht herstellen, den habe ich“, sagte der 54-jährige Geschäftsführer. „Ich bin in Aalen geboren und aufgewachsen.“ Viel Zeit der Rede verwendet er auf seine Lebensgeschichte, verrät manches Detail. „Im ersten Semester kommt meine Freundin und sagt, sie ist schwanger“, erzählt er zum Beispiel. Direkte Demokratie ist ihm wichtig. „Ihr sollt Bürgerentscheide bekommen“, verspricht er. Die kommenden Jahre werden Waidmann zufolge wegen der Pandemie finanzielle Herausforderungen bringen. Es gelte, die Ausgaben den Einnahmen anzupassen. Kostenloses Parken würde seiner Meinung nach die Innenstadt stärken. Als eine Bürgerin nach dem Klimaschutz fragt, will sie anschließend noch nachhaken. OB Thilo Rentschler, der moderiert, lässt das nicht zu, da nur eine Frage pro Person und Kandidat zugelassen sind. „Eine Antwort muss man auch mal aushalten können“, sagt Rentschler. Waidmann bittet darauf um mehr Neutralität. „Wenn Sie hier irgendwas aushalten müssen, dann lassen Sie doch Bürgermeister Ehrmann moderieren.“ Waidmann wird mit Buhrufen verabschiedet.

Matthias Müller (parteilos): Zahlreiche Punkte, die ihm wichtig sind, nennt der 54-Jährige, der im Gemeindevollzugsdienst arbeitet: die Innenstadt, Förderung für Gründer, Spielflächen und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. „Die Skaterbahn an der Hochbrücke wird einer Stadt wie Aalen nicht gerecht.“ Außerdem möchte er sich für mehr Transparenz in der Arbeit der Verwaltung einsetzen und eine Stabsstelle für Wirtschaftsförderung schaffen. Dass der Gemeinderat ein hohes demokratisches Bewusstsein habe, lobte er. Sachlichkeit ginge aber vor vor politischen Querelen. Als er über Bildung sprechen will, ist die Redezeit zu Ende. Ein Bürger hielt ihm vor, dass andere Bewerber besser qualifiziert seien und fragte, warum er sich das Amt des OBs zutraue. Müller lobte die Beigeordneten und Amtsleiter im Rathaus, erwähnte den Gemeinderat und schloss: „Wir lösen das als Team zusammen.“

Stefan Schmidt (die Basis): „Wir leben aktuell in einer Scheindemokratie“, sagte der 55-Jährige Gastronom. Wünsche der Bürger würden nicht umgesetzt. Politiker fühlten sich mehr der Lobby und den Seilschaften verpflichtet. „Auch hier in Aalen“, sagte Schmidt. Als Beispiel nannte er die verhinderte Kandidatur von Inge Birkhold. Die Lösung aus seiner Sicht: Basisdemokratie, an der sich alle direkt beteiligen können. Als er auch Brütting scheinheilig nannte, weil er angeblich auf einem Foto zu nah bei anderen stand, gab es Buh-Rufe. Ein Bürger hielt ihm unter anderem vor, dass er in Gmünd Corona-Leugner-Demos organisiert habe, auf denen Nazis mitmarschiert seien und fragte. „Wie kommen Sie darauf, dass wir Aalener so jemanden als Oberbürgermeister haben möchten?“ Für diese Frage gab es kräftigen Applaus. Schmidts Antwort: „Weil ich als einziger die Situation erkenne.“

Catherine Rommel (CDU):  „Schön hier oben“, beginnt die 56-Jährige. Die Heimat und die Gemeinschaft zu stärken, ist ihr wichtig. „Besonders die Familien“, sagt sie und wirft ihren erwachsenen Kindern in der ersten Reihe eine Kusshand zu. Als Kommunalberaterin habe sie das nötige Rüstzeug dafür erworben. Es gelte den Wohlstand zu erhalten. Basis des Erfolgs sei die Bildung. Einen Teil ihrer Rede widmet sie daher der Hochschule, der dualen Ausbildung, den Schulen und Kindertagesstätten. Zur Gemeinschaft gehören ihr zufolge junge Menschen, ältere Menschen und auch Vereine. „Es gibt bei mir keine Kürzung der Übungsleiterpauschale“, sagte Rommel. Als weitere wichtige Punkte nannte sie eine lebendige Innenstadt, das Radverkehrskonzept und den Klimaschutz. 40 Prozent des CO2-Ausstoßes im Aalener Verkehr will sie einsparen. Eine Bürgerin fragte, warum Rommel gerade in Aalen Oberbürgermeisterin werden wolle. Die Antwort: „Ich wohne seit sechs Wochen in Wasseralfingen und würde gerne hier bleiben.“

Wann in Aalen gewählt wird und wie man gewinnt

Wahltermin ist am Sonntag, 4. Juli. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der Stimmen erhält. Entfällt auf keinen Bewerber mehr als die Hälfte der Stimmen, findet eine Neuwahl statt: am Sonntag, 25. Juli. Dann entscheidet die höchste Stimmenzahl.

Frederick Brütting
Matthias Müller
Stefan Schmidt
Catherine Rommel
Marcus Waidmann

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