Ukraine-Krieg: Helfer aus Westhausen berichtet aus Moldau

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Markus Taglieber (vorne links) und sein Kollege Tiemo Kummer aus der Bundesgeschäftstselle der Johanniter vor Ort in Moldau.
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Markus Taglieber von den Aalener Johannitern war 12 Tage lang in Moldau, um Hilfe für geflüchtete Ukrainer zu koordinieren. Was er dabei erlebt hat.

Aalen

Sich ein Bild von der Situation in Moldau nahe der ukrainischen Grenze machen. Rausfinden, wo und wie von Deutschland aus geholfen werden kann. Das war der Einsatz von Markus Taglieber, Ehrenamtsleiter bei den Johannitern in Aalen und Heidenheim, in Moldau und Rumänien. Als Mitglied der Johanniter-Auslandshilfe war der 44-Jährige zwölf Tage lang im Grenzland der Ukraine, um Hilfe für Geflüchtete einzurichten. Im Gespräch mit der Schwäbischen Post berichtet er von seinen Erfahrungen und wie eine Weihnachtsaktion zur Hilfe wurde.

Als Teil eines Erkundungsteams besuchte der Westhausener örtliche Krankenhäuser, sprach mit Helfern, privat wie staatlich, und mit Geflüchteten aus der Ukraine. „Ich war erstaunt, was die Menschen vor Ort auf die Beine gestellt haben.“ Moldau sei eines der ärmsten Länder in Europa, geprägt von Stillstand und Korruption in der Politik. Dennoch kommen rund 80.000 Geflüchtete in privaten und kirchlichen Verhältnissen oder bei Vereinen unter. Diese müsse man nun aber unterstützen. „Sie kämpfen auch mit den steigenden Energiepreisen.“ Ebenfalls sei es keine Seltenheit, dass Hilfsbereitschaft mit der Zeit abnimmt. „Um das abzufedern, muss man die Leute unterstützen.“

Ich habe allein reisende Kinder getroffen.“

Markus Taglieber, Ehrenamtsleiter Johanniter Aalen/Heidenheim

Die Johanniter vor Ort konnten bei ihrem Einsatz zum Teil auf bestehende Strukturen zurückgreifen. Mit der Aktion "Weihnachtstrucker" bringen die Johanniter seit 1993 Hilfspakete in die Region. „Die Aktion kommt uns jetzt richtig zugute.“ In Moldau sei man dadurch bereits bekannt. Umgekehrt kenne man die Menschen und die Region.

Beim Einsatz kommt er auch mit Menschen aus der Ukraine in Kontakt. „Die haben Rucksäcke gepackt - mitgenommen, was sie tragen können“, berichtet Taglieber, „und das war nicht viel“. Vor Ort wurde ihm schnell klar, dass es nicht nur Essen und warme Kleidung braucht. Auch Waschmaschinen und Trockner seien wichtig. „Da denkt ja erst einmal keiner dran“, gibt er zu bedenken. Da viele in Moldau auf Durchreise seien, brauche es die Geräte aber. „Die haben einen sehr schnellen Bettenwechsel.“ Entsprechend schnell müsse die Bettwäsche gewaschen werden. 

Beim Helfen gelte es zu unterscheiden, wer der Empfänger ist. Menschen in der Ukraine bräuchten durchaus Hilfsgüter. Unterkünfte in Nachbarländern hätten bereits andere Bedürfnisse. Als Beispiel nennt Taglieber etwa psychoziale Betreuung von Geflüchteten, die oft traumatisiert seien. Ebenso sei es wichtig, Hilfe gut zu koordinieren. Pakete mit Essen, Kleidung, Medikamenten, müssten gut beschriftet sein, um das Verteilen und Sortieren vor Ort zu erleichtern. 

„Ich habe allein reisende Kinder getroffen“, berichtet der hauptberufliche Projekleiter. Die sechs Geschwister seien im Alter von 16 Jahren bis etwa 18 Monate gewesen. „Die 16-Jährigen nimmt man ja noch irgendwo hin“, aber ein Kleinkind, das augenscheinlich krank ist, „das war schon ziemlich heftig“.  Die Kinder stammten aus Odessa in der Südukraine. „Wenn es dort einmal richtig losgeht“, fürchtet Taglieber, „wird Moldau überrannt“. 

So kann man an die Johanniter-Auslandshilfe spenden

Die Johanniter-Auslandshilfe, zu der Markus Taglieber seit rund 20 Jahren gehört, unterstützt mit 747 Ehrenamtlichen 42 laufende Projekte in 16 Projektländern. Die Helferinnen und Helfer kommen unter anderem bei humanitären Krisen und nach Katastrophen zum Einsatz. 

Wer den Einsatz der Johanniter an der ukrainischen Grenze finanziell unterstützen möchte, kann das über die IBAN DE94 3702 0500 0433 0433 00 bei der Bank für Sozialwirtschaft mit dem Stichwort Ukraine tun.

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