Ulrich Pfeifle sorgt sich um Limesthermen

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Haupteingang der Aalener Limesthermen
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In die Diskussion um Stadtwerke, Limesthermen mischt sich jetzt der ehemalige Aalener Oberbürgermeister mit deutlichen Worten in einem offenen Brief ein - Unterstützung für Brütting.

Aalen

Die Nachricht hatte in Aalen und in der gesamten Region für Aufregung gesorgt: als die Stadtwerke angekündigt hatten, dass sie den Betrieb der Limesthermen deutlich einschränken, die Außenbecken gar schließen wollten. Der Aalener Oberbürgermeister Frederick Brütting war darüber sauer, hat auf den Tisch gehauen und gesagt: „Die Limesthermen bleiben offen.“ Und angekündigt, dass der Gemeinderat in seiner Sitzung in der kommenden Woche, am Donnerstag, 20. Januar, über das Thema sprechen werden. Zwar steht das Thema nicht explizit auf der Tagesordnung, und es werde auch keine Vorlage dazu geben. Jedoch werde über die Thermen „im Rahmen der Antragsberatungen“ gesprochen, wie Stadtsprecherin Karin Haisch gegenüber der SchwäPo erklärte.

Rückenwind für den Kurs des Oberbürgermeisters kommt jetzt aus einer unerwarteten Richtung. Der Aalener Alt-OB Ulrich Pfeifle meldet sich deutlich zu Wort. In seine Amtszeit (1976 bis 2005) fiel der Bau der Limesthermen, die im Jahr 1985 eröffnet wurden. Er sei jetzt seit 16 Jahren im Ruhestand und habe sich seitdem immer an seinen Vorsatz gehalten, sich aus der aktuellen Kommunalpolitik herauszuhalten, schreibt Pfeifle in einem offenen Brief an die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sowie an die Stadtwerke. „Wenn ich mich jetzt zum ersten Mal doch zu einem in der Bevölkerung vieldiskutierten Thema zu Wort melde, dann tue ich dies aus tiefer Sorge um die Zukunft der Limesthermen“, so leitet er das Schreiben ein.

Pfeifle erinnert „an das Thermalbadfieber“, das nach der erfolgreichen Thermalbohrung im März 1980 in Aalen und um Aalen herum entstanden sei. Und er erinnert „an die großartige Bürgerbewegung, bei der über 1500 Bürgerinnen und Bürger bereit waren, über einen KG-Anteil die Finanzierung des Bades  erst zu ermöglichen“, wodurch die damals stolze Summe von rund 7 Millionen DM aufgekommen sein. „Dadurch konnte ein tolles Bad entstehen, das bis heute die mit Abstand am besten besuchte touristische Einrichtung in der Region ist“, erinnert Pfeifle und weiter: „Und bis heute sind über 1000 Kommanditisten bei der Stange geblieben, die die angekündigten Anfangsverluste klaglos mitgetragen haben.“ Viele besorgte Badegäste und auch Kommanditisten seien nun „in Sorge um unser Bürgerbad“. Pfeifle nennt folgende Gründen: einmal den „absurden Versuch der Stadtwerke, in einer Hau-Ruck-Aktion“ das Außenbecken zu schließen. Pfeifle: „Gott sei Dank hat OB Brütting das zunächst verhindert.“

Ferner mahnt Pfeifle an, dass der Aalener Gemeinderat am 14. Dezember 2017 beschlossen habe, durch die Stadtwerke 10 Millionen Euro in die Erneuerung zu investieren. „Bis heute ist jedoch nichts geschehen“, schreibt Pfeifle und verleiht seiner Verärgerung auch dadurch Ausdruck, dass er drei Ausrufezeichen in den Text einfügt. Auch moniert er, dass das Bad „viel länger als andere Thermalbäder wegen Corona geschlossen“ gewesen sei. Und er sorgt sich, weil angekündigt wurde, „dass sich der Gemeinderat demnächst mit den Thermen“ befasse. „Mit welchem Ziel?“, fragt sich der Alt-OB. Seine Befürchtung: „Viele Leute haben so wie ich auch den dringenden Verdacht, dass die Limesthermen systematisch ausgehungert werden sollen, da die Stadtwerke  mit der Finanzierung des sicherlich wünschenswerten neuen Freizeitbades im Hirschbach an ihre absolute Leistungsgrenze gelangen, und so nach Einsparungsmöglichkeiten an anderer Stelle suchen müssen.“ Hier müssten Stadt und Stadtwerke gemeinsame Lösungen finden. Pfeifle: „Aber das geht auf keinen Fall zulasten der Therme.“ An dieser Stelle zitiert Pfeifle aus dem letzten Geschäftsbericht  der Mineralbad GmbH und Co. KG, verfasst in Verantwortung der Stadtwerke: „Die Limesthermen Aalen haben in der Region (Umkreis ca. 50 km) keine relevante Konkurrenz. Die nächsten Thermalbäder am westlichen Hang der Schwäbischen Alb (Bad Dietzenbach, Bad Boll) sind aufgrund der Größe und Gestaltung nicht vergleichbar. Erst die Thermalbäder in Bad Cannstatt (ca. 80 km) stellen eine echte Konkurrenz dar.“

Und weiter unten heiße  es: „Der Standort, die Lage über der Stadt und die hervorragende Architektur können fast schon als Alleinstellungsmerkmale bezeichnet werden. Für die Stadt Aalen stellen die Limesthermen neben Tiefer Stollen und Museen ein touristisches Aushängeschild dar.“ Pfeifle: „Liebe Stadtwerke, besser hätte ich's auch nicht sagen können! Nur muss man auch danach handeln.“ Nicht „Abbau von Leistungen, sondern Erhalt, Aufbau und Ausbau bringen den Limesthermen die für die ganze Region so wichtige Zukunft“, schließt Pfeifle und fügt noch an „Sehr geehrte Rätinnen und Räte, verzeihen Sie meine Einmischung, aber ich konnte einfach nicht anders.“

Ulrich_Pfeifle
Die Limesthermen von Aalen. In die Diskussion hat sich jetzt auch Alt-OB Pfeifle eingeschaltet.

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