Ungewöhnlicher Einsatz der Soldaten

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Um die Altenheime im Ostalbkreis zu entlasten, stehen seit Montag 24 Soldaten aus Ulm zur Verfügung und helfen bei den Schnelltests. So läuft der Einsatz der Bundeswehr ab.

Aalen

Sie sind seit Montag vor Ort. Vor Ort in den Altenheimen der Region. Rund 24 Soldaten der Bundeswehr unterstützen das Pflegepersonal in 20 Einrichtungen bei den erforderlichen Antigen-Schnelltests von Besuchern, Mitarbeitern und Bewohnern.

Im Landratsamt ist eine Zentrale aufgebaut, in der Kai Silvano Pulga des Multinationalen Kommandos Operative Führung aus Ulm an einem großen, dunklen Holztisch sitzt. Vor ihm Laptop und Telefon, hinter ihm Pinnwände. Namen, Teams, Altenheime, eine Karte des Ostalbkreises, auf der Fähnchen die aktuellen Standorte anzeigen.

In elf Teams, die jeweils bis zu fünf Altenheime betreuen, sind die eingesetzten Soldaten eingeteilt, die innerhalb des strikt getakteten Zeitplans die Einrichtungen abklappern. "Bis zu 35 Abstriche werden pro Einsatz etwa gemacht", erklärt Major Ludwig Stegmaier.

Morgens um 6.15 Uhr geht es für die Soldaten mit dem eigenen Schnelltest los – gegenseitig im Zweierteam. "Sollte es doch einmal einen positiven Fall geben, ist es einfacher, zwei Männer in Quarantäne zu stecken als elf." Positive Fälle? Davon gab es weder einen unter den Soldaten, noch unter jenen, die in den Altenheimen getestet wurden.

Die Männer, die noch bis voraussichtlich 19. Februar in den Altenheimen präsent sind, haben sich alle freiwillig für diesen Einsatz gemeldet. Sie alle haben neben der Einweisung, wie man einen richtigen Abstrich macht, auch eine Ausbildung zum Ersthelfer. Keiner von ihnen ist Sanitäter, sie alle haben normalerweise ganz unterschiedliche Einsatzgebiete. Doch sie sind sich einig: Es tut gut, vor Ort helfen zu können. Nicht wie sonst oft im Ausland, unterstützen sie nun im eigenen Land. Christoph Mayr sogar in der Heimat. Der Bopfinger hat sich ganz bewusst dazu entschieden, bei den Testungen zu helfen. "Für mich war es schön, dass ich direkt da helfen kann, wo man gebraucht wird." Und auch die Wahrnehmung ist eine positive, findet Mayr: "Man wird an den Altenheimen wirklich herzlich empfangen, die Leute freuen sich, dass man kommt."

Bei Bedarf ist schnell Unterstützung da.

Kai Silvano Pulga Soldat

Nach sieben Tagen Einsatz werden dann die Teams gewechselt. Ein ebenso starkes Team steht nämlich noch einmal in Ulm bereit. "Bei Bedarf ließe sich also schnell Unterstützung anfordern", erklärt Pulga.

Alle Altenheime wurden im Voraus vom Landkreis angeschrieben, jeder konnte die Unterstützung anfordern – besondere Voraussetzungen mussten dafür nicht erfüllt werden. In einigen Einrichtungen funktioniert die Testung über Ehrenamtliche oder das Personal, und einige sind froh über die helfenden Hände. So wie Simon Einsele, Direktor des Kursana Domizil in Aalen.

Bevor die Unterstützung aus Ulm anrückte, musste das eigene Personal die Testungen durchführen. "Ich sage mal so", beginnt Einsele, "das ist schon eine große Erleichterung." Denn der Test von jedem, der ins Haus kommt – sei es Physiotherapeut oder Besucher eines Bewohners – musste während des laufenden Betriebs geleistet werden. Es sei wieder mehr Ruhe eingekehrt, mehr Routine in den Ablauf gekommen, berichtet Einsele. "Und das strahlt sich natürlich auch positiv auf unsere Bewohner aus."

Bis zum 19. Februar will die Bundesanstalt für Arbeit für diese Aufgabe durch einen öffentlichen Aufruf Personal gewinnen. Das soll dem Sozialministerium zufolge den Einrichtungen zur Verfügung stehen, bis sich durch die angelaufene Impfkampagne die Situation entspannt hat.

Zahlen zum Bundeswehr-Einsatz

Baden-Württemberg Insgesamt 900 Soldatinnen und Soldaten sollen bei Corona-Schnelltests in Altenheimen helfen.

Tests Für Besucherinnen und Besucher besteht eine Testpflicht. Das Personal der Pflegeeinrichtungen muss sich dreimal in der Woche auf Corona testen lassen.

Kosten Der Einsatz der Soldaten wird das Land voraussichtlich dreieinhalb Millionen Euro kosten.

Grund Die Unterstützung durch die Bundeswehr dient dem besonderen Schutz der Bewohner. sas

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