Urbaner Lebensraum am blauen Band

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Fast schon Idylle, wo früher Industrie war: Der Kocher darf hier wieder frei fließen. Fotos: Oliver Giers
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Hochwasserschutz und Renaturierung am Kocher macht starke Fortschritte – Aalen City bleibt auch bei einem Jahrhunderthochwasser sicher.

Aalen

Es geht voran mit dem „grünblauen Band“, konkret mit der Renaturierung des Kochers und mit dem Hochwasserschutz für die Aalener City. Von der Kauflandbrücke an der Wilhelm-Merz-Straße aus ist das Gelände mit dem Dampfkesselhaus bis zum Bahnwärterhaus an der Burgstallstraße einzusehen, die Hauptsache ist der Fluss, der sich in natürlichen Bögen durch das Gelände schwingt, „wie ein Gebirgsbach im Allgäu“, ist Bürgermeister Steidle im Pressegespräch begeistert.

Die Arbeiten an Fluss und Ufer sind bautechnisch weitgehend fertig, die Bepflanzung u. a. mit Großbäumen folgt bald, am Ufer zur Merz-Straße hin wird es einen Fußweg geben, der die neuen Erholungszonen am Kocher erschließt.

Zwischen der Grünoase am Kocher und der Merz-Straße wartet der Baugrund auf das Landratsamt Zwei. Und mittendrin das Kesselhaus – „Proportionen wie ein griechischer Tempel“ kommentiert der Bürgermeister, der sich offenbar nachhaltig erfolgreich für den Erhalt des „Architektur-Dokuments der Industrie- und Bautradition“ eingesetzt hat. Formal ist das Gebäude kein Baudenkmal. Steidle hält eine Nutzung für Kulturveranstaltungen und vielleicht auch für dezente Gastronomie für möglich.

Hochwasserschutz inklusive

Die Renaturierung ist das eine, der Hochwasserschutz das andere Thema der Maßnahme. Die Stadt wird rund vier Millionen Euro dafür ausgeben, 54 Prozent davon werden voraussichtlich vom Land Baden-Württemberg kommen.

Josef Blank (Tiefbauamt der Stadt) erläutert die technischen Maßnahmen en Detail und mit dem Fazit, die Innenstadt werde durch das abgeschlossene Projekt für das nächste Jahrhundertwasser gewappnet sein. Die City sei halt wassertechnisch an einem ungünstigen Standort entstanden, seit einer Warmzeit im 16. Jahrhundert sei die Stadt regelmäßig überschwemmt gewesen, was nicht zuletzt die wirtschaftliche und die Stadtentwicklung über Jahrhunderte gestört habe. Jetzt habe man das Problem gelöst, freut sich der Bürgermeister.

Die positiven Folgen der Renaturierung, die zugleich aktiver Hochwasserschutz ist, erläutert der städtische Landschaftsplaner Robert Jennewein: für die Fische im Kocher habe man sehr gute Lebensverhältnisse geschaffen. Bei einer kürzlichen Bestandsaufnahme seien Forellen, Aale und einige andere attraktive Fischarten gefunden worden.

Der renaturierte Flusslauf und die von wuchernden Spontanbiotopen befreiten Ufer ermöglichen auch einen für das Mikroklima günstigen Kaltluftkanal in Richtung der City. Die alten Bäume am Ufer wurden mit teils aufwändigen Anstrengungen erhalten. Fuß- und Radwege, Bänke, betretbare Rasenflächen und die möblierte Erholungsplattform am Kaufland verstärken die Qualität des neu gestalteten Naturbereiches auf dem Gelände einer ehemaligen chemischen Industrie – ein starkes Beispiel für die Konversion der Industriebrache zum attraktiven urbanen Lebensraum. 

Mehr Bilder gibt es auf schwaepo.de.

Ein Blick auf die Kocherrenaturierung entlang des Union-Areals im September 2022.

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