Urlaub und Corona: Die Lage auf dem Dreherhof

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Katze Elvira (etwa 22) ist die Stubenälteste im Dreherhof.
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In das Tierheim des Ostalbkreises kommen derzeit vor allem neue Katzen. Warum dort ein Hund in Quarantäne lebt.

Aalen.Nachmittags am Tierheim Dreherhof: Punkt 16 Uhr öffnet Tierheimleiter Hans Wagner das große Eingangstor. Einige Männer und Frauen haben schon auf den Einlass gewartet. Fünf Mal pro Woche für jeweils zwei bis drei Stunden sind Besucherinnen und Besucher in der Einrichtung des Tierschutzvereins Ostalb willkommen. Die vierbeinigen Bewohner des Tierheims sind angesichts der Menschen, die gerade auf das Gelände kommen, ganz aufgeregt. Lautes Gebell und Miauen ist aus vielen Käfigen zu hören. Das Erfreuliche für die Tiere: Zu den Öffnungszeiten des Dreherhofs dürfen die Hunde mit den zweibeinigen Besucherinnen und Besuchern Gassi gehen und dabei sogar in einem Pool baden. Und manche Katzen bekommen dann Extra-Streicheleinheiten. Etwa von Katzenkennerin Elke Hochsteiner, die dafür seit einigen Jahren ein Mal pro Woche aus Mögglingen auf den Dreherhof kommt.


Was Besuche betrifft, bildet der kleine Golden-Retriever-Mischling, der in einem großen Käfig gleich am Eingang hin und her läuft, allerdings eine Ausnahme. "Er muss drei bis vier Wochen bei uns in Quarantäne bleiben", erklärt Tierheim-Mitarbeiterin Petra Albrecht. Später wird sie mehr über das Hundebaby und dessen Herkunft erzählen.

"Von den typischen Begleiterscheinungen durch den Corona-Lockdown und jetzt zur Urlaubszeit sind wir im Dreherhof relativ verschont worden", sagt Petra Albrecht. "Zwar ist unser Heim momentan gut voll. Aber eher geben die Leute jetzt Hasen und Katzen bei uns ab, neue Hunde kommen kaum mal. Und wir mutmaßen dann auch nur, dass die Leute sich die Tiere zu Beginn von Corona angeschafft haben und nun wieder los werden wollen, um in Urlaub zu fahren." Offiziell sei in solchen Fällen oft von einer Tierhaarallergie die Rede.


Warum Hunde derzeit in dem Tierheim des Ostalbkreises keine besondere Rolle spielen? Petra Albrecht erklärt: Mit Beginn des Corona-Lockdowns sei bei vielen Menschen die Sorge aufgekommen, dass sie Zuhause "eingesperrt" werden. Es sei denn, sie haben einen Hund, der Gassi gehen muss. "Diese Menschen haben sich dann allerdings eher um einen Welpen bemüht, tendenziell um einen kleinen Hund." Der Dreherhof habe viele entsprechende Anfragen bekommen. Petra Albrecht: "Wir können mit kleinen Hunden und Welpen aber nicht dienen. Bei uns leben eher ältere größere Hunde, oft mit Vorfällen wie Beißen."

Ein traurig stimmendes Phänomen: Immer mehr Menschen, die sich einen Hund anschaffen wollen, würden auf Händler "reinfallen", die Welpen aus Osteuropa übers Internet anbieten. Leider seien diese jungen Hunde nicht geimpft. "Wenn die neuen Hundebesitzer mit ihrem Tierchen zu einem Tierarzt kommen und keinen Impfpass vorweisen können, muss der Arzt den Vorschriften des Veterinäramts folgen und den Welpen in Quarantäne schicken", erläutert Petra Albrecht. Ein Hund ohne Tollwutimpfung dürfe sich beispielsweise nicht in der Öffentlichkeit aufhalten. Das sei nun auch dem kleinen Golden-Retriever-Mischling widerfahren, der seit dieser Woche im Quarantäne-Käfig auf dem Dreherhof lebt. "Er stammt aus Bulgarien, er kam ohne Tollwutimpfung hierher." Obendrein sei bei ihm ein Wurmbefall diagnostiziert worden. "Bitte kommen Sie ihm deshalb nicht zu nahe", warnt die Tierheim-Mitarbeiterin alle Besucher an diesem Nachmittag. Und sie rät: Wer über das Internet einen Hund kaufen will, solle sich genau informieren, woher das Tier stammt und wer dessen Eltern sind. "Wenn Sie den Verdacht haben, dass es sich um einen illegalen Tierhandel dreht, schalten Sie die Polizei, das Veterinäramt oder uns ein."


Das traurig stimmende Phänomen Numer zwei: Manche frischgebackenen Tierhalter würden nicht bedenken, dass ein Hund etwa 15, 16 oder 17 Jahre alt wird. "Solange haben sie eine Fürsorgepflicht für das Tier, es ist kein Spielzeug", betont Petra Albrecht. Manch einer, der dies zu spät bedenke, versuche, den Hund über Ebay wieder los zu kriegen. "Das bringt dann noch Geld. Wer den Hund stattdessen zu uns bringt, bekommt nichts dafür", sagt die Tierheim-Mitarbeiterin. "Deshalb haben wir wenige neue Hunde." Erfreuliches kann Petra Albrecht in dem Zusammenhang aber auch berichten: "Erst kürzlich haben wir zwei Fundhunde weitervermittelt, nachdem wir sie zwei bis drei Mal ausgeschrieben hatten."

Elke Hochsteiner kommt extra ein Mal pro Woche aus Mögglingen auf den Dreherhof, um dort die Katzen zu streicheln und mit ihnen zu schmusen.

Hunde, Katzen und Hasen sind hoch im Kurs

Das Tierheim: Der Dreherhof ist zwischen Rauental, Reichenbach und Dewangen gelegen. Auf dem Gelände befinden sich mehrere kleine Häuser für die Tiere und einige großräumige Freilandkäfige. Derzeit leben dort 17 Hunde sowie sieben oder acht Hasen. Zusätzlich zu den 50 bis 60 Katzen des Tierheims sind etliche in Pflegeställen untergebracht, im ganzen Ostalbkreis verteilt. Allein 15 neue Katzen sind vergangene Woche hinzugekommen, für diese Woche sind sieben neue Katzenkinder angemeldet. Sieben Beschäftigte, teils in Vollzeit, versorgen die Tiere des Dreherhofs. Die aktuellen Öffnungszeiten für Besucher: Mo, Di, Do, Fr: 16 bis 18 Uhr; Sa: 9 bis 12 Uhr. Telefon: (07366) 5886.

Hundesteuer: Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg beliefen sich im Jahr 2020 die Einnahmen der Städte und Gemeinden aus der Hundesteuer in Baden-Württemberg auf 47,9 Millionen Euro. Das waren 1,7 Millionen Euro (+3,8  Prozent) mehr als 2019. Auf jede Einwohnerin bzw. auf jeden Einwohner von Baden-Württemberg entfielen im vergangenen Jahr somit rein rechnerisch 4,32 Euro an Hundesteuer.

Der etwa 16-jährige Kater Sachsemann im Tierheim Dreherhof.

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