Urteil: Polizist nicht gewalttätig

  • Weitere
    schließen

Polizeihauptmeister wegen Körperverletzung im Amt angeklagt. Freispruch nach langer Verhandlung mit sieben Zeugen.

Aalen. Immer wieder schüttelt der Angeklagte den Kopf. Er steht als Polizeihauptmeister wegen Körperverletzung im Amt vor Gericht. Der Grund: Er soll einem festgesetzten Mann auf den Kopf geschlagen haben.

Am Montag wurde der der Fall vor dem Amtsgericht in Aalen unter der Richterin Isolde Ziegler-Bastillo verhandelt. Nach stundenlangen Anhörungen und sieben Zeugen: Freispruch. Doch es war ein langer Weg dahin.

In dem Fall geht's um die Nacht vom 27. auf den 28. Mai 2018, als sich die Polizei Aalen auf Streife in Essingen begab, nachdem dort verdächtige Personen gesichtet wurden. Auch der angeklagte Polizeihauptmeister J. ist mit dem damaligen Praktikanten H. unterwegs und stößt auf eine Person, die der Beschreibung entspricht. Der Mann sitzt im Kapuzenpullover auf einer Bank beim Essinger Industriegebiet, oberhalb der B 29. Die Polizisten wollen ihn kontrollieren, doch der Angesprochene K., der im Prozess als Nebenkläger auftritt, hat keinen Ausweis dabei.

Es ist nach 0 Uhr, als die Lage zwischen ihm und der Polizei eskaliert. Laut Polizei habe K. sie bereits nach der Ankunft lautstark beschimpft, unter anderem mit "verpiss dich, du Wichser". Es kommt zu einem Gerangel. Dann erscheint K.'s damalige Freundin B. auf der Bildfläche, möchte ihn einsammeln und habe versucht, zu schlichten. Doch der war laut ihr und den Beamten weiterhin sehr aggressiv aufgetreten und habe sich der Personenkontrolle entzogen. Der angeklagte Polizist versucht, sein Gegenüber mit Pfefferspray zu überwältigen, K. läuft allerdings in ein nahegelegenes Weizenfeld.

Inzwischen ist eine weitere Streife gekommen und zu viert schaffen es die Gesetzeshüter, K. zu bändigen. Dabei sollen laut K. und seiner Ex-Freundin nicht nur die Worte "dem knips ich die Lichter aus" gefallen sein. Auch soll J. den am Boden liegenden fixierten Mann mit Schlägen auf den Kopf traktiert haben.

Drohungen und Schläge?

Davon möchte J. allerdings nichts wissen: Die Kopfverletzungen seien bei einem Gerangel bereits zuvor entstanden, als der alkoholisierte Angreifer, der 0,78 Promille hatte, ihn bedroht habe. Ja, J. habe den im Weizenfeld liegenden Mann geschlagen, aber nur auf die Schulter, damit er dessen Hand zu fassen bekäme, um ihn mit Handschellen zu fixieren.

Seine Kollegen untermauern J.'s Aussage. Einzig Praktikant H. kann sich nicht mehr an den genauen Ablauf erinnern, was in einem Kreuzverhör mit Richterin Ziegler-Bastillo und Staatsanwalt Martin Hengstler mündet.

Mit dem Angeklagten waren schlussendlich sechs Polizisten vor Ort. Und während K.'s Ex-Freundin B. behauptet, sie habe Drohung und Schläge aus nächster Nähe beobachtet, kann sich keiner der Polizisten erinnern, dass B. unmittelbar im Weizenfeld beim Geschehen gewesen sei.

Staatsanwalt Hengstler sieht B. als seriöse Zeugin und vermutet, dass die Polizisten ihren Kollegen schützen wollen. Er fordert elf Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung: "Ich bin der festen Überzeugung, dass der Angeklagte überreagiert hat", hebt er hervor. Dem schließt sich Nebenklägervertreter Paul Frank an.

J.'s Verteidiger Christoph Reichart sieht es anders: Da kein Polizist Zeugin B. am Weizenfeld ausgemacht habe, zweifelt er ihre Aussage an. Auch habe sie bei der Aufnahme der Personalien nach dem Vorfall nichts von Drohungen und Schlägen gesagt. Sein Mandant sei also freizusprechen.

"Das ist ein ernst zu nehmender Fall, Gewaltexzesse gegen Mitbürger sind zu verteilen", sagt Ziegler-Bastillo in ihrer Urteilsverkündung. Sie spricht J. frei. "Ich gehe davon aus, dass kein Exzessfall vorliegt", betont sie und fügt hinzu: "Es gibt keine Anhaltspunkte, dass die Kollegen den Angeklagten reinwaschen wollten."

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL