Uschi Barth tritt aus der CDU aus

+
Da war noch alles in Ordnung: Uschi Barth (Mitte) verfolgt 2014 die Ergebnisse mit Senta D'Onofrio und Thomas Wagenblast. Archivfoto: opo
  • schließen

Weil sie nach dem Tod ihres Mannes zwar von der Gemeinderatsfraktion, nicht aber vom Orts-, Stadt,- oder Kreisverband eine Kondolenzkarte bekommt, zieht sie Konsequenzen.

Aalen

Uschi Barth wirkt tief getroffen. Ihr Mann Hansjörg ist am 12. Juli gestorben. Viele haben ihr ihr Beileid ausgesprochen, Anteilnahme gezeigt. Nur die Aalener CDU nicht. Die Fraktion hat zwar eine Karte in den Briefkasten geworfen, erzählt sie. Der Ortsverband und Stadtverband seien aber stumm geblieben. Ebenso der Kreisverband. Der Kreisgeschäftsführer habe erst kondoliert, nachdem sie ihren verstorbenen Mann abgemeldet hat und gleichzeitig ihren eigenen Parteiaustritt zum 31. Juli bekanntgegeben hat.

Uschi und Hansjörg Barth waren beide 40 Jahre lang Mitglieder der CDU. Hansjörg war Vorsitzender des Ortsverbands. Er nahm sich selbst aber zurück, als seine Frau 1980 in den Gemeinderat gewählt wurde. „Einer in der Familie reicht“, hat er gesagt. So erzählt es seine Frau am Montagvormittag ganz in Schwarz gekleidet in ihrem Haus in Aalen. Sie selbst war seit 1980 durchgängig Gemeinderätin, bis sie bei der Kommunalwahl 2019 beschloss, nicht mehr anzutreten. Viele Jahre lang war sie außerdem Mitglied des Kreistags. Von 1995 bis 2005 war sie außerdem Vorsitzende des Stadtverbands.

„Ich dachte, ich gehöre dazu“, sagt die 76-Jährige, auch wenn sie nun seit zwei Jahren nicht mehr aktiv ist. „Das Schweigen hat mich ziemlich getroffen“, sagt sie dazu, dass die Aalener CDU ihr nicht kondoliert hat. „Ich bin menschlich enttäuscht.“ Landtagsabgeordneter Winfried Mack habe ihr einen „sehr lieben Brief“ geschrieben. Irgendetwas in der Art, irgendeine Reaktion, hätte sie auch vom Orts-, oder Stadtverband erwartet.

„Leicht gefallen ist es mir nicht“, sagt Uschi Barth zu ihrem Schritt, nun aus der CDU auszutreten. „40 Jahre wischt man nicht einfach so weg.“ Sie habe den Schritt mit ihrer Familie so besprochen und Unterstützung erfahren, so wie sie die Familie auch immer bei ihrem politischen Engagement unterstützt habe. Es fühle sich für sie richtig an, nun den Schlussstrich gezogen zu haben. Ihre Entscheidung, so betont sie, habe nichts mit der Politik in Berlin zu tun, auch nichts mit dem aktuellen „Durcheinander“ in der Aalener CDU. Eine Anspielung auf den Austritt von Manfred Traub und Inge Birkhold aus der Fraktion. „Es war eine rein persönliche Entscheidung“, sagt Uschi Barth.

Der CDU Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzende Thomas Wagenblast bedauert ihren Austritt. „Es macht uns traurig, wenn verdiente Parteimitglieder die CDU verlassen“, sagt er. In der ersten Fraktionssitzung, nachdem die Traueranzeige erschienen war, haben die Stadträtinnen und Stadträte eine Kondolenzkarte unterschrieben. Wagenblast hat sie bei Uschi Barth in den Briefkasten geworfen. „Aufgrund der hohen personellen Übereinstimmung der Fraktion und des Stadtverbandes haben wir keine separate Kondolenz geschrieben“, sagt Wagenblast und fügt an: „Dies würden wir rückblickend anders beurteilen.“ Er habe mit Uschi Barth telefoniert und wolle nochmals das Gespräch mit ihr suchen.

Kreisvorsitzender und Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter erläutert, warum der Kreisverband keine Kondolenzkarte geschickt hat. Dazu verweist er auf die sogenannte Ehrenordnung. Der zufolge schreibt er als Kreisvorsitzender für Abgeordnete und deren Ehepartner Kondolenzkarten oder für Menschen, die im Kreisverband eine Rolle gespielt haben. Beides treffe weder auf Uschi Barth noch auf ihren Mann zu.

Für Freunde oder gute Bekannte schreibt Kiesewetter persönliche Beleidsbekundungen. „Frau Barth bin ich zwei- oder dreimal begegnet. Man kann also nicht behaupten, dass ich sie gut kennen würde“, sagt er.

Wenn Uschi Barth nun deswegen ausgetreten ist, „dann ist das eben so“, sagt Kiesewetter. Er sagt über ihren Schritt: „Man könnte würdiger mit dem Tod seines Mannes umgehen. Ich bedauere, dass ich das nicht anders ausdrücken kann.“

Wagenblast erwähnt zum Umgang mit Trauerfällen in der Partei, dass auf dem Kreisparteitag als neue Koordinatorin für Mitgliederbetreuung Heike Brucker zur stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt worden sei. Wagenblast schließt: „Ziel ist für die Zukunft, dass sich die CDU auch für Trauerfälle unter den Mitgliedern klare Regelungen und Zuständigkeiten gibt, um dem Ehrenamt unterstützend zur Seite zu stehen und um so Irritationen zu vermeiden.“

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare