Vater bedroht Rettungskräfte, Freunde filmen - Prozess beginnt

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Das Amtsgericht Aalen beschäftigt sich am 28. März mit den Vorfällen rund um den Unfall.
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Familienvater soll Polizei, Sanitäter und Klinikpersonal bedroht haben. Was dem Vater droht und warum seine filmenden Freunde auch vor Gericht stehen.

Aalen.

Die Polizeimeldung sorgte im Mai vergangenen Jahres für Aufsehen. Rund um den Rettungseinsatz für ein zwölfjähriges Mädchen kam es zu Auseinandersetzungen mit den Rettungskräften, in deren Zentrum der Vater des Mädchens stand. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Im schlimmsten Fall muss der Vater (38) ins Gefängnis. 

Die Emotionen schlugen hoch, als das Mädchen Anfang Mai auf der Bahnhofstraße schwer verletzt wurde. Zufällig fuhr ein Rettungswagen am Unfallort vorbei. Der Notfallsanitäter kümmerte sich umgehend um die Verletzte, die schwere Kopfverletzungen hatte. Was dann geschah, liest sich im Polizeibericht so: „Während die Rettungskräfte das Kind erstversorgten, stürmte ein Mann auf die Rettungskräfte zu, stieß sie zur Seite und schrie diese an, was sie denn mit dem Mädchen machen würden.“ Der Mann habe „unter erheblichem Kraftaufwand von den Rettungskräften entfernt und letztendlich zu Boden gebracht werden“ müssen.

Polizei setzte Pfefferspray ein

Nachdem sich der Mann zwischendurch beruhigt hatte, ließen die Beamten wieder von ihm ab. Daraufhin habe er ein weiteres Mal die Rettungskräfte angegriffen „und versucht, ihre wichtige Arbeit zu behindern“. Nachdem er daraufhin den Polizeibeamten „körperlich“ bedroht habe, „musste Pfefferspray eingesetzt werden“, so der Bericht. Bei dem Mann handelte sich um den Vater des Mädchens.

Der Vorfall während der Erstversorgung war aber nicht der einzige an diesem Tag. Weiter ging der Polizeieinsatz dann in der Notaufnahme des Ostalb-Klinikums in Aalen, wohin das Mädchen zunächst gebracht worden war. Mehrere Personen würden dort randalieren und Mitarbeiter bedrohen, wurde der Polizei gemeldet. Wieder war es der 37-Jährige, der Mitarbeiter mit dem Tode bedroht haben soll, wenn sie ihn nicht zu seinem Kind vorlassen würden. Die mittlerweile eingetroffenen Polizeibeamten seien ebenfalls bedroht und beleidigt worden.

Mehr als ein halbes Jahr ermittelte die Staatsanwaltschaft Ellwangen, wie deren Sprecher Armin Burger erläutert. Es habe sich um „komplexe Ermittlungen“ gehandelt, so Burger. Mehrere Zeugen mussten befragt werden. Erst im Dezember, also sieben Monate nach dem Unfall, habe man Anklage erheben können.

Seine Freunde sollen gefilmt haben

Verantworten müssen sich der Vater und zwei weitere Männer (30 und 33), Bekannte des Vaters. Dem Vater werden tätliche Angriffe auf die Sanitäter und Polizisten, versuchte Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung und versuchte Nötigung vorgeworfen.

Die zwei Bekannten des Vaters sollen nach Angaben der Polizei den Rettungseinsatz und die Arbeit der Polizei gefilmt haben. Weil dabei auch die Arbeit der Retter und das verletzte Mädchen gefilmt wurden, hatte die Polizei das Smartphone eines Mannes beschlagnahmt, wie Polizeisprecher Bernd Märkle im Mai vergangenen Jahres gegenüber der SchwäPo bestätigte. Es gehe dabei um die Verletzung „des höchstpersönlichen Lebensbereichs“ und von Persönlichkeitsrechten gemäß Paragraf 201a des Strafgesetzbuches. In dem Paragrafen ist geregelt, was nicht gefilmt werden darf und welche Strafen auf Gaffen stehen. Die Staatsanwaltschaft hat die Videoaufnahmen ausgewertet und sieht auch hier ausreichend Anhaltspunkte für eine Anklage. Bei einem der Männer kommt noch der Anklagepunkt „tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamten“ hinzu.

Am 28. März müssen sich die drei Männer vor dem Richter in Aalen verantworten. Bis zu fünf Jahren Haft könnten im schlimmsten Fall dem Vater drohen. Der ist übrigens bei der Staatsanwaltschaft kein unbeschriebenes Blatt, genauso wie einer der Mitangeklagten.

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