Vater: Kinder nicht schuld an Inzidenz

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Sind Neuinfektionen in Kitas und Schulen für die hohe Inzidenz verantwortlich? Laut Norbert Schinko, einem Vater aus Hofherrnweiler, ist das nicht der Fall. Archivfoto: opo
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Norbert Schinko aus Hofherrnweiler kritisiert Landrat Bläse und Aalens Oberbürgermeister Rentschler, weil eine Teststrategie an Schulen fehle.

Aalen

Es ist eine Pressemitteilung aus dem Landratsamt, die Norbert Schinko sauer aufstößt. Damit sei er nicht allein. Der Familienvater aus Hofherrnweiler und seine Frau haben sich während der Pandemie mit anderen Eltern aus dem Stadtgebiet vernetzt. Nachdem die Pressemitteilung am 1. April veröffentlicht wurde, seien zahlreiche E-Mails bei den beiden eingegangen.

Landrat Dr. Joachim Bläse wird in der Pressemitteilung zitiert: "Wir führen viele Neuinfektionen auf Ausbrüche in Schulen und Kitas zurück, die dann in die Familien und von dort weitergetragen werden." Er rief dazu auf, sich über Ostern an die Kontaktbeschränkungen zu halten und speziell bei Kindern und Jugendlichen darauf zu achten, dass sie keine Gruppen auf Spiel- und Bolzplätzen bilden.

Anteil von Kindern und Jugendlichen am Infektionsgeschehen: Norbert Schinko scheibt daraufhin einen offenen Brief an den Landrat. "Sie (machen) im Kontext Ihrer Ausführungen Kinder und Jugendliche für das erhöhte Infektionsgeschehen verantwortlich", heißt es darin. Weiter rechnet der Familienvater alle Infektionen zusammen, die im März auf Bildungseinrichtungen zurückzuführen sind und rechnet einen geschätzten Wert für Folgeinfektionen dazu. Das heißt also Infektionen, die Kinder- und Jugendliche aus den Kitas und Schulen mitgebracht und weitergegeben haben. Norbert Schinko kommt so auf einen Anteil von etwa einem Fünftel am Infektionsgeschehen. Der Vater schreibt dazu: "Lieber Landrat Dr. Bläse, das ist noch überhaupt kein Grund, Kinder und Jugendliche mit einer derart plumpen Pressemeldung für das Infektionsgeschehen im Ostalbkreis verantwortlich zu machen."

Für das Landratsamt antwortet Sozialdezernentin Julia Urtel, dass in den vergangenen Wochen leider in erheblichem Maße verstärkt Ausbrüche in Schulen und Kindertageseinrichtungen zu verzeichnen gewesen wären. "Herrn Landrat Dr. Bläse ist es ein großes Anliegen, die Schließung von Schulen und Kindertageseinrichtungen zu vermeiden", schreibt Julia Urtel weiter.

Das ist kein Grund, Kinder und Jugendliche verantwortlich zu machen.

Norbert Schinko Vater aus Hofherrnweiler

Teststrategien für Kinder und Jugendliche: Auch Testkonzepte für Kinder und Jugendliche spricht Norbert Schinko in seinem Brief an. Schon am 19. Januar habe er für ein Schnelltestkonzept an den Bildungseinrichtungen im Kreis geworben. Das sei aber abgelehnt worden. Damit seien es nicht die Kinder und Jugendlichen, die für die hohe Inzidenz verantwortlich sind, "sondern mitunter Sie selbst", schreibt Norbert Schinko an den Landrat.

Julia Urtel antwortet: "Auch im Bereich der Testung hat sich der Ostalbkreis eingebracht und Modellprojekte durchgeführt." Für die Zeit nach den Osterferien verweist die Sozialdezernentin auf das Land, das derzeit an einer Teststrategie für Schülerinnen und Schüler arbeite.

In seinem Brief spricht Norbert Schinko auch Aalens OB Thilo Rentschler an und wirft ihm in Sachen Teststrategie vor: "Sie haben dagegen trotz breiter Diskussion in den Gemeinderatssitzungen solche Konzepte immer torpediert." Für die Stadtverwaltung antwortet Pressesprecher Sascha Kurz: "In den zwei Wochen vor Ostern haben wir an den Schulen für Testkapazitäten gesorgt." Die Schulen hätten entscheiden können, ob die Schülerinnen und Schüler die Selbsttests vor Ort an der Schule oder zuhause machen.

Für die Woche nach den Ferien seien vom Land rund 8000 weitere Selbsttests versprochen worden. "Wir erwarten die Lieferung täglich", sagt Sascha Kurz. Da zunächst nur die Abschlussklassen zum Unterricht vor Ort kämen, reichten die 8000 Tests aus. Zusätzlich sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kitas mit Selbsttests versorgt werden.

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