Verkehr im Winter: Was gilt?

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Eine Autofahrt bei Schnee kann auf winterlichen Straßen mit falscher Bereifung schnell im Graben enden. Kommt es mit ungeeigneten Reifen zu einem Unfall, könne es passieren, dass auch Geschädigte teilweise haften müssen, so der ADAC. Symbolbild: opo
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Sind Winterreifen in der dunklen Jahreszeit Pflicht? Müssen Autofahrer ihr Licht zwangsläufig aktivieren? Die Polizei, der ADAC und ein Jurist klären auf.

Aalen

Welche Regeln und Vorschriften gelten für Autofahrer im Winter? Sind Winterreifen Pflicht? Muss das Abblendlicht aktiviert sein oder genügt ein Tagfahrlicht? Die Polizei, der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) und ein Aalener Jurist klären auf.

Licht am Auto

"Für alle Verkehrsteilnehmer gilt: Ist ein Kraftfahrzeug mit einem Tagfahrlicht ausgestattet, muss dieses beim Betrieb eingeschaltet werden", erklärt Bernd Schiele, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Aalen. Das Abblendlicht als Zusatz müsse dann eingeschaltet werden, wenn Dämmerung, Dunkelheit oder die Sichtverhältnisse es erfordern. Diese Vorschrift gilt allerdings nicht nur im Winter. "Die Nutzung ist von der Witterung abhängig und steht nicht im Bezug zu einer entsprechenden Jahreszeit", sagt Jonas Ilg vom Aalener Polizeipräsidium.

Generell schade es nicht, auch am Tag mit eingeschaltetem Licht zu fahren. "Nach dem Motto ‘Licht schafft Sicherheit' empfehlen wir, auch tagsüber im Winter lieber einmal zu oft das Licht einzuschalten als zu wenig", sagt ADAC-Sprecher Julian Häußler. Auch wenn die eigenen Sichtverhältnisse ausreichend sind, könne es Verkehrsteilnehmern helfen, andere Fahrzeuge zu erkennen. Allerdings müsse der Fahrer auch bei einer Lichtautomatik in vielen Fällen selbst zum Lichtschalter greifen. "Auch die modernste Lichtautomatik kann Nebel oder diesiges Wetter nicht erkennen", sagt Häußler. Daher schalte sich das Abblendlicht in solchen Fällen nicht von alleine ein.

Was gilt für Reifen?

In Deutschland gelte keine generelle Winterreifenpflicht, sondern eine situative. Diese besagt, dass Fahrzeuge bei Schnee oder Glatteis mit Winterreifen bezogen sein müssen. "Anders ausgedrückt: Bei winterlichen Straßenverhältnissen sind Sommerreifen verboten", erklärt Häußler. Als grobe Faustregel habe sich der Zeitraum "von Oktober bis Ostern" bewährt.

Winterreifen sind laut Jurist Schiele an einem Berg-Piktogramm mit Schneeflocke zu erkennen. Bis Ende September 2024 seien auch Reifen mit M+S-Kennzeichnung als Winterreifen zulässig. Voraussetzung ist, dass die Reifen bis zum 31. Dezember 2017 hergestellt wurden. Eine falsche Bereifung könne enorme Gefahr bergen. "Sommerreifen sind nicht auf winterliche Straßenverhältnisse ausgelegt, daher kommt es zu einem erheblich längeren Bremsweg", sagt Häußler. Bei Tempo 50 sei der Bremsweg auf Schnee mit Sommerreifen doppelt so lang. "Aus Sicht des ADAC sind Winterreifen unter vier Millimeter Profiltiefe, obwohl gesetzlich bis 1,6 Millimeter zulässig, für den Wintereinsatz nicht mehr sicher", führt er aus.

"Wenn keine ausreichende Beleuchtung sichergestellt ist, kann dies als Ordnungswidrigkeit geahndet werden", erklärt Schiele. Bei Unfällen sei zudem mit einer Haftung, beziehungsweise Mithaftung zu rechnen, wenn mangelhafte Beleuchtung zum Geschehen beigetragen hat.

Autofahrern, die trotz der Bedingungen ohne Winterreifen unterwegs sind, drohe ein Bußgeld von 60 Euro. Bei einer Behinderung 80 Euro. Hinzu komme je ein Punkt in Flensburg. "Weiterhin haftet neben dem Fahrer auch der Halter des Fahrzeugs, der die Inbetriebnahme ohne Winterreifen zulässt", erklärt Schiele. Dem Halter drohe in diesem Fall ein Bußgeld von 75 Euro sowie ein Punkt in Flensburg.

"Hat man einen Unfall bei entsprechenden Wetterverhältnissen ohne Winterreifen, kann eine Mithaftung eintreten", führt der Jurist aus. In Einzelfällen könne die Vollkaskoversicherung wegen grober Fahrlässigkeit ihre Leistungen kürzen. "Zudem kann es passieren, dass man bei einem Unfall auch als Geschädigter teilweise haften muss", sagt Häußler.

Diese Strafen drohen

Nicht ausreichende Bereifung: 60 Euro Bußgeld und ein Punkt für den Fahrer, bei einer Behinderung Dritter 80 Euro. Dem Fahrzeughalter drohen 75 Euro Bußgeld und ebenso ein Punkt in Flensburg. Bei Unfällen könne die Versicherung ihre Leistungen kürzen.

Autobesitzer können ihre Reifenprofiltiefe selbst überprüfen. "Der goldene Rand der 1-Euro-Münze ist drei Millimeter breit, er sollte also nicht mehr sichtbar sein", sagt Julian Häußler.

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