Verletzte Tiere: Wie helfen?

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Tierarzt Dr. Stefan Dauser mit einem seiner vierbeinigen Patienten. In Notfällen stehen er und seine Kolleginnen und Kollegen rund um die Uhr bereit, um zu helfen.
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Was tun, wenn man als Autofahrer auf der Straße ein Tier anfährt oder ein verletztes Tier auf der Straße bemerkt? Ein Tierarzt und die Polizei klären auf.

Aalen

Dass der Straßenverkehr gefährlich ist, ist nichts Neues. Doch nicht nur für Menschen lauern Gefahren auf der Straße. Auch Tiere sind vor Verkehrsunfällen nicht gefeit. Wie handelt man eigentlich richtig, wenn man als Autofahrer ein Haustier anfährt – oder ein verletztes Tier auf der Straße entdeckt? Mit dieser Frage wendet sich SchwäPo-Leserin Sibylle Winter an die Redaktion.

"Es ist eine schwierige Sache", betont Tierarzt Dr. Stefan Dauser von der gleichnamigen Aalener Tierarztpraxis auf Nachfrage. "Einerseits sollte man als Autofahrer schon anhalten", erklärt der Veterinär. "Andererseits sollte niemand anhalten, um eine offensichtlich tote Katze aufzusammeln". Das sei Aufgabe des entsprechenden Straßenbaulastträgers, also der Stadt oder des Landkreises.

Ist das Tier allerdings noch am Leben, ist die Tierarztpraxis Dauser eine derer in der Region, die einen 24-Stunden-Notdienst anbieten. Allerdings müsse man als Autofahrer stets das eigene Risiko beachten. Dauser: "Man darf sich nicht selbst in Gefahr bringen."

Ein Problem bei der Versorgung von im Verkehr verletzten Haustieren, wie Katzen, ist der Transport. Denn im Regelfall haben Autofahrer keinen Katzenkorb oder ähnliches zur Hand. In diesen Fällen müsse man improvisieren. "Und wenn es nur eine Pappschachtel ist", sagt Dauser. Auch die Polizei helfe in solchen Situationen. "Soweit es uns organisatorisch möglich ist, holen wir die Tiere auch", erklärt der Tierarzt. Wer die Kosten dieser medizinischen Notfallbehandlungen übernimmt: "Die Finanzierung ist leider auch ein großes Problem", sagt Dauser. "Der Finder muss es natürlich nicht zahlen", versichert er. Bei Fundtieren komme die jeweilige Kommune für die Behandlungskosten auf. "Spätestens am nächsten Tag bekommt die Gemeinde die Rechnung."

Man darf sich nicht selbst in Gefahr bringen.

Dr. Stefan Dauser Tierarzt

Das weitere Verfahren: Sind die Tiere wieder entsprechend auf den Beinen, werden sie in Zusammenarbeit mit dem Tierschutzverein ins Tierheim Dreherhof gebracht. Ist der Zustand des verletzten Tieres noch zu schlecht, bleibt es weiter in der Obhut der Tierärzte. "Leider ist es aber so, dass wir nicht alle retten können", gibt Dauser zu.

Die Notfälle reichen von Schürfwunden bis hin zu Fällen, in denen das Tier eingeschläfert werden muss. "Aus Tierschutzgründen", stellt der Veterinär klar.

Bei der anschließenden Ermittlung der Besitzer seien Chips und Tätowierungen der Tiere sehr hilfreich. Sind solche Kennzeichnungen nicht gegeben, beginnt die Suche. "Das funktioniert im Zeitalter von Facebook recht gut", sagt Dauser. So lasse sich manchmal der Besitzer des vierbeinigen Patienten ausfindig machen.

Ist nach einigen Tagen kein Besitzer gefunden, sei davon auszugehen, dass es keinen gibt.

"Wenn ich ein Tier verletze, darf mir das nicht egal sein"

Aalen. "Es kann nie falsch sein, wenn man uns verständigt", sagt Holger Bienert, Leiter der Stabstelle für Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Aalen. Kommt es zu einem Unfall mit einem Tier, "dann muss man das melden", erklärt er. Denn bei solchen Fällen gebe es mehrere Kriterien, die Unfallbeteiligte nicht selbst einschätzen können. Dazu zähle etwa die Frage nach der Beteiligung und die Feststellung und Regulierung von Schäden. Vor allem bei Wildunfällen, die während der Dämmerung in der dunklen Jahreszeit vermehrt aufträten, müssen Verkehrsteilnehmer Polizeibeamte hinzuziehen. "Wenn ich ein Reh verletze, darf mir das nicht egal sein", sagt Bienert. Es sei auch im Interesse des Fahrers, den Unfall zu melden. Denn Schadensregulierungen sind nur mit einer entsprechenden Wildunfallbescheinigung möglich. Bei Unfällen mit Tieren seien die allgemeinen Regeln für Unfälle gültig: die Unfallstelle absichern, den Warnblinker betätigen, sich aus unmittelbarer Gefahr fernhalten und die Polizei verständigen. Ist ein Tier auf der Straße, rät Bienert: "Geschwindigkeit reduzieren, Fernlicht aus und hupen." err

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Tierarzt Dr. Stefan Dauser mit einem seiner vierbeinigen Patienten. In Notfällen stehen er und seine Kolleginnen und Kollegen rund um die Uhr bereit, um zu helfen.

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