Viele Aalener Händler im Black Friday-Zwang

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Werbeplakaten wie diesem, das den "Black Friday" oder die "Black Week" bewirbt, begegnet man aktuell fast überall in der Aalener City. Was auffällt: In diesem Jahr beteiligen sich mehr lokale Händler als sonst an der Rabattschlacht.
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Es ist wieder Schnäppchenjagd. Der Onlinehandel setzt schon lange auf die Aktionswoche. Warum viele lokale Händler mitziehen.

Aalen

Noch vier Wochen, dann ist Weihnachten. Höchste Zeit, sich um Geschenke zu kümmern oder sich selbst eine Freude zu machen. An diesem Freitag ist der sogenannte "Black Friday". Ein Rabatt-Aktionstag, der aus den USA stammt und sich längst auch in Deutschland etabliert hat. Was als "Black Friday" begonnen hat, hat sich mittlerweile als sogenannte Black Week von Montag bis Samstag ausgeweitet. Um dem Onlinehandel die Stirn zu bieten, werben mittlerweile auch viele lokale Händler mit Rabatten zum Jahresende.

"Wir müssen mitmachen", sagt Stephan Kaliss, Geschäftsführer im gleichnamigen Reformhaus im Aalener Mercatura. Aktuell laufe sein Geschäft zwar sehr gut, weil sich viele zur Stärkung des Immunsystems eindecken. Man dürfe den Kunden aber nicht ans Internet verweisen, um Rabatte abzustauben. Es ist das erste Jahr, dass sich Kaliss auf diese Aktion einlässt. Unter dem Namen "Black Beauty Weekend" bietet er 20 Prozent auf Naturkosmetik an diesem Freitag und Samstag.

Er wolle damit aber auch den Handel vor Ort unterstützen. Durch die fehlende Gastronomie mache er sich Sorgen um das Weihnachtsgeschäft. Gerade an den fürs Geschäft wichtigen Samstagen werde wahrscheinlich deutlich weniger los sein, als gewohnt.

Citymanager Reinhard Skusa ist alles andere als begeistert von dem sogenannten Black Friday. In normalen Zeiten, ohne Corona, würde kein Händler so eine Aktion freiwillig machen, sagt er. Das koste mehr, als es einbringt. Dass so viele Händler mitmachen, wie dieses Jahr, habe er noch nie erlebt. Schuld sei wohl Corona. Im Lager braucht es Platz für die Frühjahrsware. Die Aktion sei aber mehr ein Ausdruck der Hilflosigkeit. Im nächsten Jahr werde Skusa den Händlern empfehlen, die Aktion nicht zu machen.

Wenn man nicht gegen den Onlinehandel verlieren will, muss man mitmachen.

Andreas Schoell Geschäftsführer Intersport Schoell

Dr.-Fashion-Inhaber Uli Riegel drückt es so aus: "Der Internetdruck fordert es vom Handel, dass wir mitmachen." Bei seinen, wie er es nennt "Black days" gibt's Rabatte von bis zu 50 Prozent auf Schuhe, Winterjacken und Co. Er beschränke das aber nicht auf diese eine Woche. Viel mehr sei es ein guter Start für die erste Reduzierung.

Florian Friedel, Geschäftsführer des Männermodegeschäfts Saturn weiß, dass die Kunden in dieser Woche Erwartungen haben. Zwar nennt er es nicht "Black Friday", Rabatte gibt er aber dennoch.

"Wenn man nicht gegen den Onlinehandel verlieren will, muss man halt mitmachen", findet auch Andreas Schoell, Geschäftsführer des gleichnamigen Sportgeschäfts in Aalen. Bereits seit vier bis fünf Jahren bietet er seinen Kunden in dieser besagten Novemberwoche Rabattaktionen an. In diesem Jahr sind es 20 Prozent auf ein Lieblingsteil. Noch bis Samstag gilt die Aktion.

Bequeme Kleidung ist gefragt

Aalen. Die Kundenfrequenz in der Innenstadt hat deutlich nachgelassen. Gastronomiebetriebe sind geschlossen und somit auch weniger Menschen unterwegs. Das Homeoffice hat unter anderem große Auswirkungen auf Bekleidungsgeschäfte. "Die Leute brauchen nicht viel, weil sie nicht zur Arbeit gehen", sagt Josef Funk von Mode Funk. Vor allem die Nachfrage nach Business- und Festkleidung sei aktuell gering. Dafür laufe der Bereich "Homeware", also gemütliche Kleidung für Zuhause, sehr gut, ergänzt er. Klar seien aktuell weniger Kunden in der Stadt. Weil der Restaurantbesuch in der Mittagspause aber wegfällt, schlendern viele in dieser Zeit durch die Läden, sagt Funk.

Der Bedarf hat sich geändert. Das stellt auch Florian Friedel, Geschäftsführer des gegenüberliegenden Modegeschäfts Saturn, fest. Besonders die Nachfrage nach Anzügen & Co. sei deutlich zurückgegangen. Ohne Veranstaltungen und Geschäftstermine gebe es kaum Anlässe, um schicke Kleidung zu tragen. Viel mehr steige die Nachfrage nach bequemen Klamotten für zu Hause. Da nun klar ist, dass Weihnachten stattfinden kann, sei der Bedarf nach Weihnachtsgeschenken aber da, sagt er.

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