Vom Foto zur Zeichnung und dann zum Tattoo

+
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch.
  • schließen

Wie die 21-jährige Charlien Vivian Zeh sich schon vor Jahren das Zeichnen und nun das Tätowieren beibrachte und welche Träume sie hat.

Aalen

„Ich bin keine Kennerin, keine Liebhaberin“, sagt Charlien Vivian Zeh und meint damit die Kunst an sich. Vielmehr interessiert die 21-Jährige das „Fotorealistische“. Das aber ist eine Fertigkeit, die sie selbst sehr gut beherrscht.

Charlien Vivian Zeh, oder auch „charlien.vivian“, wie sie sich auf Instagram nennt, sitzt in der Friedrichstraße in Aalen in einem Backsteinhaus an einem schwarzen Tisch. Alles ist in Schwarz-weiß gehalten im „Hasta La Muerte“, einem Tattoo-Studio, in dem außer Vivian nur Männer arbeiten. Wo Schwarz das Weiß dominiert. Vor ihr liegen ein paar gerahmte Bilder und eine Kunstmappe. Zeugnisse dafür, dass das Wort Interesse doch ziemlich kurz gegriffen ist. Längst ist das „Fotorealistische“ zu Vivian Zehs Beruf und Berufung geworden. Der sie mit Leidenschaft und Können nachgeht. Ohne Kunststudium. Das hat sie für sich abgehakt. Dafür ist die junge Frau mit den langen Locken und sanften, braunen Augen nun auch Tätowiererin. Vermutlich eine der jüngsten weit und breit.

Jung war Charlien Vivian Zeh auch, als sie entdeckte, dass sie Spaß am Zeichnen hat. „Mit 12 habe ich das erste Mal ein Bild von mir und meinen Eltern gemalt“, erinnert sie sich. „Ich fand es scheußlich, aber die meisten Leute fanden es ganz gut“, sagt sie. Sie übt und zeichnet weiter, lernt als 15-, 16-Jährige über YouTube-Tutorials und andere Plattformen, wie man fotorealistisch zeichnet. Als sie zufrieden mit ihrer Arbeit ist, fängt sie an, diese auf Instagram zu posten. Der erste Eintrag ist von 2015, bunt, eine junge Frau. Ein Jahr später Rihanna, der Fortschritt ist deutlich zu sehen. Konturen, Schatten, alles passt. Sie ist noch nicht 18 Jahre alt, da kommen die ersten Aufträge. „Da kamen dann die ersten Leute und haben gefragt, ob ich sie zeichnen kann“, sagt sie. „Ich war selber überrascht, dass es mir doch so leicht von den Fingern ging.“ Dass es aber so ein Ausmaß nehmen würde, daran habe sie anfangs nie gedacht. „Ich hatte immer eine Drei in BK in der Schule“, lacht sie und winkt ab.

Erst mal eine Lehre als Großhandelskauffrau

Charlien Vivian Zeh ist in Westhausen-Lippach aufgewachsen, hat ihren Abschluss an der Deutschordenschule gemacht und lebt mittlerweile mit ihrem Freund in Oberkochen. Sie hat Großhandelskauffrau gelernt und diese Lehre auch abgeschlossen. Sie hat eine Australian Shepherd und engagiert sich beim Kollektiv K. Mit etwas „Normalen“ wie ihrem erlernten Beruf komme sie aber nicht klar. Mal hat sie nach ihrer Lehre im Fitnessstudio an der Rezeption gejobbt, dann dachte sie darüber nach, dass Abi nachzuholen. Um vielleicht Kunst zu studieren. Gezeichnet hat sie nebenher weiter. Und damit Geld verdient.

Zwischen 40 und 70 Stunden arbeitet Charlien Vivian Zeh an einer großen fotorealistischen Zeichnung. Der Anspruch der Kunden sei groß, aber auch, weil ihr Auftraggeber dafür viel Geld bezahlen würden. Sie lässt sich nach Stunden bezahlen. Das schwierigste sei die Skizze. Hier habe sie anfangs noch mit Karos und Maßlängen gearbeitet. Mittlerweile mache sie das frei. Trotzdem: „Da gehen oft sehr viele Stunden drauf“, erzählt sie. Danach gehe es ganz gut. Schwierig daran bleibe, „sich sehr lange zu konzentrieren“. Klar, unzählige Bleistifte hat sie. „Jede Dicke. Aber ich benutze immer B6, HB und einen ganz hellen. Und natürlich auch den Radierer“, sagt sie und lächelt. Das Foto habe sie immer als Vorlage, erst vom Handy abgezeichnet, mittlerweile aber vom Tablet.

Tätowiererin Charlien Vivian Zeh

Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch.
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch. © Benedikt Walther
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch.
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch. © Benedikt Walther
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch.
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch. © Benedikt Walther
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch.
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch. © Benedikt Walther
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch.
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch. © Benedikt Walther
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch.
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch. © Benedikt Walther
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch.
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch. © Benedikt Walther
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch.
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch. © Benedikt Walther
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch.
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch. © Benedikt Walther
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch.
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch. © Benedikt Walther
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch.
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch. © Benedikt Walther
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch.
Charlien Vivian Zeh: Die 21-Jährige ist Tätowiererin und zeichnet seit vielen Jahren fotorealistisch. © Benedikt Walther

Üben auf Kunst- statt auf Schweinehaut

Mittlerweile aber hat sie ihren Werkzeugkasten aber nicht nur um ein Tablet erweitert. Menschliche Haut statt Papier gehört nun dazu, zum Bleistift gesellt sich die Tätowiernadel. Seit ein paar Monaten arbeitet Vivian Zeh im „Hasta La Muerte“. Sie habe schon als Kind zu ihren Eltern immer im Spaß gesagt, sie werde mal in einem Tattoo-Studio arbeiten, erzählt sie. „Um sie zu ärgern. Sie mögen Tattoos nicht so“, sagt die 21-Jährige. Deshalb habe sie selbst auch nur wenige. Eine kleine Sonne über dem Fußgelenk - ihre erste Arbeit auf menschlicher Haut - die Hände aus Michelangelos „Erschaffung des Adam“ in der Armbeuge. Geübt hat sie mit einer Tätowiermaschine, die sie sich bereits im Januar 2020 gekauft hat. Auf der Haut ihrer Freundinnen und Freunde. Aber auch auf Kunsthaut, „Schweinehaut stinkt so. Außerdem bin ich Vegetarierin“ sagt sie. Als sie ihre Arbeiten und Zeichnungen beim Chef des Studios eingeschickt habe, habe sie sofort anfangen dürfen. „Hier arbeiten sonst nur Männer“, sagt sie. „Wenn ein junges Mädchen kommt, hat sie bei mir sicher nicht solche Hemmungen“, fährt sie fort. Auch fotorealistische Tattoos hat Charlien Vivian Zeh schon gestochen. Das seien aber sehr private Aufträge.

Später selbst mal ein Tattoo-Studio haben, nur mit Frauen, das wäre ihr Traum, sagt Charlien Vivian Zeh. „Ein helles Loft, wo jeder seinen Raum hat und sich frei entfalten kann, das wäre toll.“ Noch sei Tätowierer kein anerkannter Beruf, es gebe keine Ausbildung. Auch wenn der Trend ungebrochen sei. „In meinem Alter sind fast alle irgendwo tätowiert“, sagt sie. Charlien Vivian Zeh selbst will sich weiter perfektionieren, weiter ihr „Herz und ihre Mühe“ in ihre Arbeit legen, bekannter werden. „Wer zufrieden ist, kommt immer wieder und man bekommt viel Anerkennung für das, was man macht“, sagt sie. Das Klischee, nur „Knastis“ würden tätowieren und tätowiert sein, das stimme nicht.

Nebenbei gesagt: Auch, dass nur Männer Downhill fahren, bleibt ein Klischee. Charlien Vivian Zeh gehört zu einer Gruppe von rund zehn „Mädels“ die sich einmal in der Woche treffen, um den eigenen Drahtesel eher rustikal zu benutzen. Einmal hat sie sich das Handgelenk dabei gebrochen. Nun passt sie besser auf, sagt sie. „Meine Hände sind mir heilig. Ich verdiene ja meinen Lebensunterhalt damit“, erklärt sie und schaut auf ihre Handflächen. Ganz wie eine Künstlerin.

  • Keine Erfindung von "Knastis"
  • Tattoos sind keine Erfindungen der Neuzeit oder von verurteilten Straftätern, sondern seit Jahrtausenden Bestandteil vieler Kulturen. Selbst Ötzi trug Tattoos. Die 5300 Jahre alte Gletschermumie hat 61, überwiegend geometrische Figuren, Linien und Punkte in seinen Körper geritzt bekommen. Forscher vermuten, sie waren Teil einer Schmerztherapie. Im Januar 2021 widmete die ARD-Sendung „Titel, Thesen, Temperamente“ dem niederländischen Meistertätowierer Hank Schiffmacher einen Beitrag. Auch Tattoos unterliegen Trends. Charlien Vivian Zeh nennt aktuell den Dolch mit Schmetterling, feine Schriftzüge, Pflanzen und Schlangen. Nach dem der „Underboob“, also dem Tattoo unterhalb der Brust von Frauen, gebe es nun zunehmend den Wunsch nach Tattoos zwischen den Brüsten. Schätzungen gehen davon aus, dass jeder sechste Deutsche ein Tattoo hat. Mindestens die Hälfte davon sogar mehrere.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare