Vom Polizeikommissar zum Impfhelfer in der Pandemie

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Gerhard Rieker vor dem Kreisimpfzentrum im Aalener Greut, wo er sich zwei Mal wöchentlich als Impfhelfer engagiert.
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Was Gerhard Rieker dazu antreibt, sich auch im Ruhestand für andere Menschen zu engagieren.

Aalen

Arbeiten muss Gerhard Rieker nicht mehr. Über 43 Jahre lang hat er seinen Beruf ausgeübt, jetzt ist der Lorcher im Ruhestand. Vor Kurzem hat er sich trotzdem für einen neuen Job beworben: Nun arbeitet der 68-Jährige als Impfhelfer im Kreisimpfzentrum in Aalen.

"Es ist sehr einfach, auf die Hilfe des Staates zu warten, aber es ist sinnvoll, selbst aktiv zu werden", sagt Gerhard Rieker. Also hat er eine Mail geschrieben, nachdem er im Amtsblatt einen Aufruf des Landratsamts gelesen hatte. "14 Tage später habe ich einen Anruf vom DRK bekommen", erzählt er. Bald darauf hatte er den Job.

Kein Wunder, bei der Qualifikation: Denn neben seinem Hauptberuf als Polizist – Rieker war Polizeihauptkommissar – ist er 36 Jahre lang ehrenamtlich als Rettungsassistent aktiv gewesen, beim Deutschen Roten Kreuz natürlich.

Die Helferkarriere musste er einige Jahre vor dem Rentenalter beenden. "Wir haben einen 120-Kilo-Patienten auf der Trage aus dem Haus geholt", erinnert er sich an seinen letzten Einsatz. Dabei ist Rieker selbst zum Patient geworden: Bandscheibenvorfall. Seitdem darf er nur noch leichte Dinge hochheben.

Ein zupackender Mensch

Solange ich nichts Schweres tragen muss ...

Gerhard Rieker Impfhelfer

Seine eigene Krankengeschichte hat Rieker nicht abgehalten. "Solange ich nichts Schweres tragen muss …", hat er beim Bewerbungsgespräch gesagt.

Da muss er keine Sorge haben. Rieker ist im Zentrum des Geschehens im Einsatz, da, wo der Impfstoff verabreicht wird. "Die Impfung mache ich gemeinsam mit einer Krankenschwester oder Arzthelferin", erzählt er. Auch Rieker verabreicht das Vakzin: "Wir wechseln ab." Den Impfstoff bekommt er "als fertig aufgezogene Spritze" direkt an die Impfstation geliefert, "wichtig ist bei uns dann der Umgang mit sterilem Material".

Gerhard Rieker ist ein offener, optimistisch klingender, zupackender Mensch. Sein Interesse am Helfen, da ist er sich sicher, hat in der Kindheit seinen Ursprung, in einer großen Fehleinschätzung von Gefahr im kindlichen Übermut: "Ich habe als Sechsjähriger beim Spielen auf der Straße versucht, einen Motorradfahrer herunter zu schubsen", sagt er mit altersweiser Selbstironie. Mehrere Tage lang lag er damals im Koma.

Und Gerhard Rieker ist noch heute überzeugt davon: "Ohne das DRK und seine Helfer gäbe es mich sicher schon lange nicht mehr."

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