Von 16 kamen nur zwei Seehunde zurück

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Bernd Bauditz mit dem von seinem Vater geschnitzten Modell des "Seehunds" U 328.

Bernd Bauditz hält ein geschnitztes Holzmodell eines Mini-U-Boots in Ehren.

Aalen. In Kiel 1944 geboren, wurde Bernd Bauditz über eine berufliche Station in Berlin 1964 ein Aalener: als Abteilungsleiter der damals im Proviantamt angesiedelten Firma Pelo-Pilz und später als Geschäftsführer der Heidenheimer Niederlassung von Rudolf Thanner. Immer noch hütet er stolz ein seltenes Relikt seines verstorbenen Vaters Heinz: ein in Holz geschnitztes Modell eines "Seehunds". So hießen die Zwei-Mann-U-Boote, die noch in den letzten Kriegsmonaten als letztes Aufgebot der U-Bootwaffe gegen die Alliierten eingesetzt wurden. Zu einer Zeit, als die klassischen U-Boote längst keine Chance mehr hatten.

"Mein Vater fuhr in diesem 15 Tonnen schweren, zwölf Meter langen und mit zwei Torpedos bestückten Mini-U-Boot zu zweit mehrere Einsätze. Jedesmal ein absolutes Himmelfahrtskommando", berichtet Bernd Bauditz. Geradezu erschütternd die schriftlich erhaltenen Aufzeichnungen seines Vaters. Der diente zunächst als Obermaschinenmaat auf dem Kreuzer "Admiral Scheer", bis er 1944 mit ausschließlich U-Boot-Leuten für die "Seehunde" ausgebildet wurde. Im Dezember 1944 wurden die Mini-U-Boote auf dem Landweg nach Ijuiden/Holland gebracht. Am 1. Januar liefen die ersten 16 Boote auf Feindfahrt aus - zurück kamen von den 16 lediglich zwei.

"Vor der englischen Küste rief mein Kommandant plötzlich "runter, runter!" Wir machten einen Kopfstand vorwärts und schossen in die Tiefe. Bei 65 Meter – die maximale Tauchtiefe war mit 45 Meter angegeben – lagen wir auf Grund und zitterten", heißt es in dem Erlebnisbericht über den ersten Einsatz vom 20. bis 23. Januar 1945. "Dann fielen die Wasserbomben. Nach einigen harten Stunden tauchten wir wieder auf und kehrten um. "Bei einer Feindfahrt vom 3. bis 9. Februar 1945 wurden wir die Gejagten. Am Tage waren immer nur kurze Auftauchzeiten möglich - wegen feindlicher Schiffe und Flugzeuge. Unsere letzte Feindfahrt am 13. April 1945 wäre fast die letzte geworden. Zielgebiet unseres U 2368 und weiterer "Seehunde" war der englische Kanal. Zwei Tage später machte der Kommandant einen großen Dampfer aus. Um 14.30 Uhr schossen wir unsere beiden Torpedos ab, tauchten sofort unter und drehten ab. Nach kurzer Zeit eine schwere Explosion. Dann brach die Hölle aus. Laufend Wasserbomben. Wir zogen unsere Köpfe ein und zitterten um die Wette. Während dieses Bombardements trimmte ich das Boot, sodass wir mit dem Golfstrom abgetrieben wurden." Am 7. oder 8. Seetag ging das Frischwasser aus. Kommandant Wilkens machte eine Notiz über die Lage und den Versenkungserfolg. "Diesen Zettel steckten wir in eine leere Flasche in der Hoffnung, dass diese an Land getrieben werde, was auch geschehen ist", berichtet Bauditz und weiter: "Am 9. Seetag machte der Diesel Schluss. Und am 10. Seetag war der Spuk vorbei. Wir machten uns zum Aussteigen bereit. Also ab ins eisige Wasser. Am 23. April wurden wir beide bei Katnykamsee von Landsern aus den Minensperren geholt – mit lädierten Nerven und neun Kilo Gewichtsverlust. Danach wurde uns bestätigt, dass wir am 16. April 1945 einen 10 000-Tonner versenkt hatten.

Heinz Bauditz konnte nach englischer Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückkehren - zeitlebens gezeichnet von den Todesängsten an Bord eines "Seehundes". Er starb 1997 im Alter von 79 Jahren.

Der aus Kiel stammende U-Boot-Fahrer Heinz Bauditz mit seinem Vater, der in Berlin bei Borsig Werkmeister war.

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