Von Aalen nach Heidenheim per Seilbahn?

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Ein Blick in die von Porsche Design gestaltete Ropetaxi-Gondel.

Regionalverband präsentiert Vertretern des Mobilitätspaktes Aalen-Heidenheim eine "abgehobene" Idee.

Aalen/Heidenheim. Mit der Seilbahn von Aalen nach Heidenheim gondeln? Diese Idee untersucht der Regionalverband für den Mobilitätspakt Aalen-Heidenheim. Eine "Annäherung" an diese Utopie gab es jetzt im Konzerthaus in Heidenheim. Dort stellte Verkaufsleiter Daniel Fässer von der Schweizer Bartholet Maschinenbau AG das Unternehmen, das Produkt und dessen Vorteile in Wort und Videos vor: jederzeit freie Fahrbahn in einem sehr sicheren Verkehrsmittel, witterungsunabhängig, ohne Staus oder Kollisionen, lockeres Überwinden topografischer Hindernisse, ein steter Betrieb ohne Fahrpläne und Personal in der Gondel, ein Sitzplatz für jeden, ein attraktives Fahrerlebnis und die Chance, sich ein Wahrzeichen und Tourismusmagnet zu schaffen – lang ist die Liste der Vorteile, die Fässer auflistet.

Hinzu kämen ökologische Aspekte. Seilbahnen benötigten wenig Platz, könnten über bestehender Verkehrsinfrastruktur entstehen. Alle 200 Meter ein Mast reiche, sagte Fässer. Eine Seilbahn sei leise und günstig bei Betriebskosten und im Unterhalt. Die Nutzungsdauer liege bei rund 40 Jahren. Seilbahnen ließen sich gut an bestehende Verkehrsnetze anbinden und seien sehr energieeffizient. "Fünf Minuten Haareföhnen, mit genau so viel Energie transportieren wir einen Fahrgast einen Kilometer weit", sagte Fässer.

Denkbar seien verschiedenste Strecken, sagte Fässer, eine Anbindung von Zeiss und SMT in Oberkochen kein Problem, ebenso wenig wie ein Anschluss vom Härtsfeld nach Oberkochen. In einer Stunde könnten 2000 Passagiere je Richtung transportiert werden. Für die Strecke Aalen-Heidenheim seien 45 Minuten nötig, "aber entspannte, stressfreie Zeit", warb Fässer.

Rund zwei Jahre, ab Produktion der Gondeln, dauere es, bis eine Strecke in Betrieb gehen könne, sagte Fässer. Die reine Hardware für einen Strecke Aalen-Heidenheim sei für rund zwölf Millionen Euro zu haben.

Später sprach Regionalverbandsvorsitzender Gerhard Kieninger hier davon, dass geschätzt rund 120 Millionen Euro nötig seien, um einen Seilbahnbetrieb zwischen Aalen und Heidenheim zu realisieren. Besondere Vorzüge bringe laut Fässer die neueste Bartholet-Innovation: das Ropetaxi. Hier fährt die Gondel autonom, angetrieben von zwei Elektromotoren. Der Fahrgast gibt sein Ziel ein und wird ohne Zwischenstopp dorthin gegondelt. In einer VIP-Gondel auch mit Tannenduft in der Nase und überdies mit individuell gestaltbaren Musik- oder Multimediaprogramm.

Luftnummer oder Chance?

Das Gremium war beeindruckt von den Möglichkeiten dieser Technik, mit der sich aktuell auch Stuttgart und München befassen. Landrat Dr. Joachim Bläse dankte für "den Mut, ein solches Projekt vorzustellen". Gedanken zu spinnen, sei erwünscht, Denkverbote nicht. Knackpunkt ist für Bläse die relativ lange Fahrzeit.

Auf Anfrage dieser Zeitung meint Aalens OB Thilo Rentschler: "Das Thema Seilbahn unterstreicht, dass wir eine völlig ergebnisoffene Diskussion über Mobilität führen wollen. Es ist aber noch viel zu früh, um jetzt schon in Jubel auszubrechen oder Abgesänge anzustimmen."

Grünen-Vertreter Bennet Müller freute sich, dass "Mobilität in der Region ganz neu gedacht wird". Seine Partei sei offen für solche Ideen. Eine Machbarkeitsstudie sei sinnvoll, ebenso, wie weitere potenzielle Strecken zu untersuchen. Offen gegenüber neuer Technologie, das sei auch die SPD, betonte Frederick Brütting. Er stellte aber infrage, dass Seilbahnen moderne Lösungen sind. Zeiss und SMT besser an den ÖPNV anzuschließen, das könne auch via Bahn gelingen. Für die AfD bekundete Jan-Hendrik Czada allgemeine Skepsis am Projekt Seilbahn.

"Wir sind aufgefordert, Ideen für Mobilität zu präsentieren", erinnerte Regionalverbandsdirektor Thomas Eble. Seilbahn sei eine Idee von vielen. Diese könnte Verkehrsnetze ergänzen und entlasten, sicher nicht ersetzen.

Im nächsten Schritt gehe es darum, die Verkehrsmengen zwischen Aalen und Heidenheim zu erheben und Fragen zu formulieren. Beleuchtet werden müsse auch der Aspekt Güterverkehr. Daraus soll ein Pflichtenheft werden, auf dessen Grundlage dann entschieden werden könne, ob eine Machbarkeitsstudie zum Thema Seilbahnen in Auftrag gegeben wird.

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