Von 3 auf 10,39 Millionen Euro: die Geschichte des Stegs

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Der Startschuss für den Bau des Stegs am Stadtoval ist am Montag gefallen. Die Fußgängerbrücke soll den neuen Stadtteil mit der Innenstadt verbinden.
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Am Montag hat der Bau begonnen. Die Idee, einen Fußgängersteg zwischen Stadtoval und Innenstadt zu bauen, gibt es schon lange. Die Geschichte des Projekts und der politischen Diskussion.

Aalen

Einmal mehr hat der Aalener Gemeinderat über den Steg zu entscheiden. Einmal mehr geht es um eine Kostensteigerung. 10,39 Millionen Euro soll der Fußgängersteg über die Bahngleise nach aktueller Berechnung kosten. Der Bau hat diese Woche begonnen. Bis dahin war es ein langer Weg. Ein Blick zurück.

2009 Der Gemeinderat beauftragt das Büro Drees und Sommer mit einer Potenzialanalyse für eine Stadterweiterung östlich des Bahnhofs. Das Büro untersucht, ob das Areal sich für Wohnbebauung und Gewerbe vermarkten lässt. Die Analyse empfiehlt als Verbindung in die Innenstadt, optional einen Steg zu bauen oder die bestehende Verbindung zu verbessern. Im gleichen Jahr bewirbt sich die Stadt Aalen vergeblich um die Landesgartenschau. Teil des Konzepts vom Büro Senner ist ein Steg.

2010 Das Büro Wick und Partner gewinnt gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekturbüro Lohrberg den städtebaulichen Wettbewerb zum Stadtoval. Der Steg über die Bahngleise ist Teil des Konzepts. So hat es die Stadt in der Ausschreibung vorgeben .

2012 Dass die CDU-Fraktion im Gemeinderat skeptisch ist, was den Steg angeht, ist in der SchwäPo über eine Sitzung des technischen Ausschusses zu lesen. CDU-Fraktionssprecher ist damals Dr. Karl Franke. Grünen-Fraktionschef Michael Fleischer übt damals wie heute Kritik. Die damalige Baubürgermeisterin Jutta Heim-Wenzler sagt: „Der Überweg ist nicht zwingend.“

2013 Die Stadt Aalen kauft das Stadtoval für 2,5 Millionen Euro. Grunderwerbsteuer und Nebenkosten miteingerechnet sind es 2,7 Millionen Euro. Der Oberbürgermeister heißt damals noch Martin Gerlach. „Wir haben den richtigen Invest getätigt“, sagt er über den Kauf. Jutta Heim-Wenzler bezweifelt, dass es im Gemeinderat eine Mehrheit für den Steg gibt. Anfangs reiche es, die vorhandenen Unterführungen aufzuwerten, sagt die Baubürgermeisterin.

2015 Der Investorenwettbewerb für das Stadtoval wird ausgelobt. In der Ausschreibung steht, dass der Steg geplant ist. Im selben Jahr stellen zwei Architekten beziehungsweise Architekturbüros zwei Entwürfe für den Steg im Gemeinderat vor: Der aus Aalen stammende Architekt Werner Sobek und das Stuttgarter Büro Schaich, Bergermann und Partner. Der Gemeinderat entscheidet sich für den Sobek-Entwurf. Er soll die Basis für das weitere Vergabeverfahren sein. Die CDU-Fraktion, jetzt mit Thomas Wagenblast an der Spitze, spricht sich für den Steg aus. Ebenso die SPD. Gegenwind kommt von den Grünen. Fleischer stellt den Steg komplett infrage. Norbert Rehm sieht es damals bereits ähnlich. Kritik muss der damalige OB Thilo Rentschler von Fleischer und Claus Albrecht (Freie Wähler) wegen der Sitzungsvorlage einstecken. Dort steht, dass der Steg unter drei Millionen Euro kosten soll. Doch die Verwaltung hat hier nur die Nettokosten angegeben. Brutto, schätzt Fleischer damals, betrügen die Kosten eher vier Millionen Euro.

2016 Der technische Ausschuss beschließt, das Büro Werner Sobek mit der Vorplanung für den Steg zu beauftragen.

2017 Ein sogenanntes VgV-Verfahren zur Vergabe der Planungsleistungen wird eingeleitet. Das Büro Sobek erhält den Zuschlag. In der selben Sitzung fasst der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss zum Bau des Stegs.

2018 Der Gemeinderat fasst den Baubeschluss. Inzwischen geht man von 6,57 Millionen Euro an Kosten aus. Die Grünen zweifeln schon damals, das Fördergelder fließen, und stimmen gegen den Steg. Ebenso Norbert Rehm und die FDI-Fraktion, Franz Fetzer von den Freien Wählern und der fraktionslose Patriz Ilg.

2019 Die Stadtverwaltung schreibt die Bauarbeiten für den Steg aus und hebt die Ausschreibung später wieder auf. Als Grund führt sie an: Für die Gewerke Stahlbau, Rohbau, Elektrotechnik und Erdbau sei nur ein einziges, aber sehr überteuertes Angebot eingegangen. Wie hoch das Angebot war, macht die Verwaltung nie öffentlich. Die SchwäPo findet später heraus, dass es um 9,73 Millionen Euro gegangen ist. Die Vergabekammer kommt zum Schluss, dass die Stadt die Kosten für den Steg zu niedrig angesetzt hat und dass die Arbeiten europaweit hätten ausgeschrieben werden müssen.

2021 Der Steg wird abermals teurer. 8,71 Millionen Euro brutto sagt die aktualisierte Kostenberechnung. Damit die Kosten nicht noch weiter in die Höhe schießen, macht Architekt Sobek Abstriche. Der Aufzug ist in der aktuellen Planung nun nicht mehr komplett verglast. Die Brücke bekommt einen zusätzlichen Stützpfeiler, was die Konstruktion günstiger macht. Die Bauarbeiten werden erneut ausgeschrieben, diesmal europaweit. Am 30 September, dem letzten Tag der Amtszeit Rentschlers, vergibt der Gemeinderat Stahlbau, Rohbau, Elektrotechnik, Erdbau und weitere Arbeiten für rund 6,5 Millionen Euro. Ein weiteres Vergabepaket soll erst später ausgeschrieben werden. Kritik gibt es wieder für die Sitzungsvorlage. Ein Vergleich der Ausschreibungsergebnisse zur Kostenberechnung ist nicht möglich. 28 Rätinnen und Räte stimmen dafür, 16 dagegen, zwei enthalten sich.

2022 Beim Bürgergespräch mit dem Hischbachclub im März macht Oberbürgermeister Frederick Brütting öffentlich, dass das Land keine weiteren Zuschüsse mehr bewilligen möchte. 700 000 Euro Fördergeld für die Planungskosten sind bereits geflossen. Bei der Stadtverwaltung war man immer davon ausgegangen, dass das komplette Projekt zu 60 Prozent gefördert wird. Ein paar Tage darauf kann Brütting im Finanzausschuss verkünden, dass wieder positive Signale aus dem zuständigen Ministerium kommen. Doch eine Entscheidung - Zuschüsse von 60 Prozent ja oder nein - ist bis heute nicht gefallen. Der OB informiert gleichzeitig, dass der Steg nochmals teurer wird. 10,39 Millionen kostet das Projekt nach der aktuellsten Berechnung. In der kommenden Gemeinderatssitzung entscheidet das Gremium, ob es der Erhöhung der Finanzierung zustimmt und ob die restlichen Arbeiten vergeben werden sollen. Norbert Rehm (Aktive Bürger) und die Grünen-Fraktion haben in der Vorberatung dagegen gestimmt. Der Bau des Stegs hat am Montag begonnen.

„Mittlerweile haben wir bei den Kosten mehr Klarheit.“

Frederick Brütting, Oberbürgermeister Aalen

Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 19. Mai

Sitzung: Viele mit Spannung erwartete Punkte stehen auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 19. Mai, ab 15 Uhr in der Festhalle Unterkochen.

Kliniken: Gleich zu Beginn, nach der Bürgerfragestunde, wird Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Ulrich Solzbach einen mündlichen Bericht über die Neukonzeption der Kliniken im Ostalbkreis abgeben.

Rathaussanierung: Im Anschluss geht es um die Sanierung des Rathauses. In der Vorberatung hatten die Kosten für die Renovierung des OB-Büros Kritik ausgelöst.

Steg: Der Fußgängersteg am Stadtoval steht an Position 12 auf der Tagesordnung. Der Gemeinderat hat über die jüngste Kostenerhöhung und die Vergabe weiterer Arbeiten zu entscheiden. ks

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