Von Dauer-Krankengymnastik zum Spitzensport

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Verena Scholl zeigt stolz einige ihrer Medaillen. Foto: ls
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Wie Verena Scholl (38) mit Hilfe ihrer Eltern den Weg zu einer selbstbewussten Persönlichkeit und zur Spitzenathletin im Behindertensport gefunden hat.

Aalen

Stolz steht Verena Scholl vor ihrer Pokal-Vitrine, einem Sammelsurium von Titeln und Erfolgen. Sie ist Abonnement-Teilnehmerin bei der alljährlich stattfindenden Sportlerehrung der Stadt Aalen. Das ist die eine überaus positive Seite. Der Weg dorthin war steinig und es musste so manche Hürde aus dem Weg geräumt werden. Die Schwäpo besuchte Verena und ihre Eltern Ludwig und Brigitte Scholl in ihrer Wohnung im Stadtoval.

Verena war eine Risikogeburt, Sauerstoffmangel, ein Infekt im Mutterleib, es stand Spitz auf Knopf. Sie musste wiederbelebt werden, war vier Wochen im Inkubator. „Man hat mir im Krankenhaus gesagt, dass mein Kind nie laufen, nie selbstständig essen und trinken und kein selbstständiges Leben führen können würde“, erzählt Brigitte Scholl. „Wir nehmen das Heft selbst in die Hand und probieren alles, was es an Fördermöglichkeiten gibt“, erinnert sich Ludwig Scholl. Lange weilte man zur Krankengymnastik bei Christa Klink im Aalener Klinikum, man vernetzte sich mit der Universität in Tübingen und bekam Professor Michaelis als Ratgeber ins Boot. „Klink und Michaelis waren für uns ganz große Hilfen“, so die Eltern rückblickend. Klink stellte eine Verbindung zu einer Kindergruppe des Körperbehindertenvereins her. Privat ging es weiter, dreimal pro Woche Krankengymnastik, seit zwanzig Jahren – bis zum heutigen Tag – Hippotherapie bei Diplom-Sozialpädagoge Wolfgang Fürst in Elchingen, Förderung durch das sozialpädiatrische Zentrum in Maulbronn.

Glückliche Zufriedenheit

Es hat sich gelohnt. Schaut man in die Gesichter der Scholls, dann herrscht glückliche Zufriedenheit, dass trotz all der negativen Prognosen eine positive Entwicklung eingekehrt ist.

Mit sieben Jahren wurde Verena in der Hermann-Hesse-Schule eingeschult, absolvierte dort ihre neun Schuljahre. Es sei eine gute Zeit gewesen, die Lehrer hätten sie prima akzeptiert, erinnert sich Verena. Zwei berufsvorbereitende Jahre in Ruppertshofen folgten. Seit nunmehr zwanzig Jahren arbeitet Verena Scholl in der Werkstatt unter der Hochbrücke der Samariterstiftung im Bereich Metall. Dieses Jahr im Herbst wird sie geehrt, darauf freut sie sich schon. Ein richtiger Türöffner zur selbstbewussten Persönlichkeit sei für sie der Sport geworden.

Von Therapie zum Spitzensport

Seit zwanzig Jahren ist sie bei der Behinderten- und Versehrtensportgemeinschaft (BVSG) des SSV Aalen. Erst Schwimmen, dann Leichtathletik. In dieser Disziplin ist sie zur Spitzensportlerin gereift. Auch dank ihres Vaters, der bei der BVSG Betreuer und Trainer ist. „Von der Dauer-Krankengymnastik zur Spitzensportlerin“, freuen sich die Eltern. „Meine Eltern und der Sport haben mir viel geholfen, dafür bin ich sehr dankbar“, betont Verena. Viel Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein habe sie durch den Sport gewonnen. „Meine Arbeitskollegen freuen sich mit mir, wenn ich mal wieder mit einem Titel nach Hause komme“, fügt Verena hinzu.

Man kann die Erfolge kaum zählen, aber jedes Jahr ist ein Landestitel dabei. Der jüngste Coup war die deutsche Vizemeisterschaft in Regensburg mit der Silbermedaille im Diskuswurf und Bronze im Kugelstoßen.

Verena wird kribbelig, schaut auf die Uhr. Klar, sie muss zum Training. Altmeister Franz Hager wolle ihr einige Tipps und Kniffs fürs Diskuswerfen geben, sagt sie. Auch das ist ein Charakteristikum von „VS“: Nie stehenbleiben, Ehrgeiz zeigen, noch besser werden.

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