Von der „Bierhalle“ ins Bett gefallen

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Die Schubart-Büste auf dem Bahnhofsvorplatz in Aalen.
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Was Christian Friedrich Daniel Schubart mit Aalen verbindet und wie die Schubart-Gesellschaft sich den Ideen des Journalisten, Dichters und Komponisten verbunden fühlt.

Aalen

Kritiker der Herrschenden, feinsinniger Dichter und Komponist. All das wird mit Christian Friedrich Daniel Schubart verbunden. Untrennbar mit seinem Leben ist auch die Stadt Aalen verknüpft, die Heimatstadt Schubarts, wenn auch nicht seine Geburtsstadt. Das war Obersontheim. Doch in Aalen lebte Schubart, hier finden sich Spuren seines Wirkens. Und hier wurde vor knapp zwei Jahren, am 22. Februar 2019, im Großen Sitzungssaal des Aalener Rathauses die Schubart-Gesellschaft gegründet. Die hat nun auch ihr neues Programm für 2022 veröffentlicht.

Wer Christian Friedrich Daniel Schubart war und was ihn mit Aalen verbindet

Geboren wurde Schubart am 24. März 1739 in Obersontheim. 1740 zog sein Vater, ein Pfarrvikar, mit seiner Familie nach Aalen in ein dreistöckiges Fachwerkhaus in der heutigen Roßstraße. Als Jugendlicher besuchte er die Lateinschule am Kirchplatz. Nebenan, im Vorgängerbau der heutigen Stadtkirche, lernte Schubart Orgel. Später besuchte er das Gymnasium in Nördlingen. 1758 verließ er seine Heimatstadt, um in Erlangen Theologie zu studieren. Doch bereits 1760 kehrte er kurzzeitig nach Aalen zurück, um hier mithilfe verschiedener Beschäftigungen in der Stadt sein Studienkredit zurückzuzahlen. Er predigte gelegentlich und leitete die Aalener Stadtmusik, bis er 1763 eine Stelle in Geislingen antrat.

„Schubart kehrte immer wieder nach Aalen zurück, wenn er kein Geld mehr hatte oder er irgendwo angeeckt war“, sagt Uta Singer vom Aalener Kulturamt. Dann besuchte er seine Eltern und seinen Bruder, Johann Konrad. Der „Grüne Baum“, die heutige „Bierhalle“, war Schubarts Lieblingslokal. Nach dem Umtrunk konnte der trinkfreudige Dichter durch den Hinterausgang über die Gasse ins heimische Bett „fallen“.

Wie Aalen diese Verbindung zu Schubart zeigt

„Aalen ist Schubartstadt“, sagt Uta Singer. Allen voran gebe es den Schubart-Literaturpreis, der sich in den letzten Jahrzehnten „phänomenal“ entwickelt habe. Es gebe einen Abitur-Preis und die Kulturreihe „Wortgewaltig“ und eben auch die Schubart-Gesellschaft, zu der die Stadt Aalen gehört. Aber auch Ulm, Ludwigsburg, Geislingen an der Steige und Königsbronn – alles Orte, in denen der Dichter Schubart Spuren hinterlassen hat.

Welche Aufgaben die Schubart-Gesellschaft erfüllt

Die Gesellschaft versammelt all diejenigen, die „sich dem vielseitigen Werk von Christian Friedrich Daniel Schubart sowie der Literatur, Musik, Rhetorik und Publizistik verbunden fühlen und ihre Bedeutung der Allgemeinheit vermitteln wollen“, heißt es in der Satzung. Dazu gehört, dass sich die Schubart-Gesellschaft ein vielseitiges Programm auflegt, um diese Aufgabe zu erfüllen.

Das Programm der Schubart-Gesellschaft 2022

Abgesagt werden musste die für den 4. Februar angekündigte Lesung mit Felix Huby und Hartwin Gromes im KUBAA aus „Die Schubartin“.

Mit den Anfängen des modernen Journalismus befasst sich eine Tagung am 31. März/1. April in Stuttgart. Denis Yücel, deutsch-türkischer Journalist und Präsident des PEN-Zentrums Deutschland hält im Rahmen der Tagung am 31. März um 19.30 Uhr im Hospitalhof Stuttgart einen Vortrag über Journalismus, Pressefreiheit und Demokratie. Yücel war 2017/18 wegen angeblicher „Terrorpropaganda“ ein Jahr in türkischer Untersuchungshaft. Auch das verbindet ihn mit Schubart, so Uta Singer. Ohne Anklage und ohne Urteil wurde Schubart 1777 nach einer Entführung auf den Hohenasperg inhaftiert. Zehn Jahre lang. Der Geschichts- und Altertumsverein Aalen plane, eine Busfahrt zum Yücel-Vortrag zu organsieren, so Uta Singer.

„Schubart and friends“, so der Titel eines Konzerts am 29. April, 19 Uhr, im KUBAA. Schubart war ebenso berühmt als virtuoser Pianist, Verfasser spannender Schauer Balladen für Gesang und Klavier und für Gesangsarien.

Der Literatur-Treff der Stadtbibliothek Aalen widmet sich Prof. Dr. Hermann Bausinger. Der 1926 in Aalen geborene Kulturwissenschaftler und Germanist hat ein umfangreiches Werk hinterlassen. Der Leiter der Bibliothek, Michael Steffel gibt am 5. April um 17 Uhr in der Stadtbibliothek einen Überblick über Bausingers Leben und Werk.

Das Geislinger Alltagsleben in den Schuldiktaten von Schubart stellt Dr. Stefan Knödler von der Universität Tübingen am 6. Oktober in Geislingen vor. Knödler arbeitet an einer kommentierten Gesamtausgabe der Schuldiktate Schubarts. Ab 19 Uhr gibt Knödler in der Galerie im Alten Bau Einblick in sein Projekt und in den Alltag des Handwerkerstädtchens aus Sicht Schubarts. Am 8. Oktober bietet die Stadt Geislingen eine Führung zu ihrem Schubart-Weg an. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Schubarthaus, Schlossgasse 3.

Schubart kehrte immer wieder nach Aalen zurück.“

Uta Singer, Kulturamt Aalen
  • Die Schubart-Gesellschaft im Netz
  • Nähere Informationen zu allen Veranstaltungen sich in einem Flyer zu finden, der in öffentlichen Einrichtungen ausliegt. Er ist auch auf der Internetseite www.schubart-Gesellschaft.de veröffentlicht. Karten gibt es in der Tourist-Information Aalen, Reichsstädter Straße 1, Tel. 07361 52-2358 und unter www.reservix.de

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