Von der Knabenschola zum Männerchor

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Die Aalener ND-Schola sang 1997 in der Kirche Peter und Paul in Rosheim im Elsaß. (Foto: -afn-)
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80 Jahre Gregorianik-Schola in Aalen: Wie um 1940 alles begann und welcher Nebeneffekt ein Guter war.

Aalen. Mit einer Knabenschola begann vor rund 80 Jahren der neuzeitliche Gesang der Gregorianik in Aalen. Abgesehen von der vorreformatorischen Kirche, von deren Gesängen nichts Konkretes mehr bekannt ist, wurde die Pflege der auf Papst Gregor den Großen (540-604) zurückgehende Gesangskultur mitten im Zweiten Weltkrieg in Aalen neu aufgenommen.

Expositurvikar Eichhorn gründete um 1940 eine Knabenschola, von deren Sängern nur noch Erwin Hafner (90) lebt. Eingeübt wurden sogar vierstimmige Chorsätze. Hauptaufgabe der Knabenschola war das Singen in den Gottesdiensten in Aalen. Eichhorn zog mit seinen Knaben aber auch in die Gemeinden der Umgebung, so nach Dewangen, Elchingen und auf den Hohenrrechberg, wo vor allem Maiandachten mitgestaltet wurden. Gezielter Nebeneffekt: in den Kriegszeiten, in denen Hunger an der Tagesordnung war, wurden die jungen Scholaren meist zum Essen eingeladen.

Nach Kriegsende kam unter den vielen Heimatvertriebenen ein Hilfslehrer namens Piepke nach Aalen, der am Schubart-Gymnasium Latein unterrichtete. Der gründete mit ehemaligen Mitgliedern der Knabenschola eine neue Gregorianik-Schola. Dies fiel in eine Zeit des Neuaufbruchs und der Wiederbelebung der gregorianischen Gesänge. Der Benediktiner-Pater Schwake zog durch die Lande und lehrte ganze Gemeinden die neue Gesangskultur. Da kam Piepke mit seiner Schola gerade richtig, die die Vorsängerrolle übernehmen konnte.

Piepke wurde später bei der Spruchkammer zur Entnazifizerung Öffentlicher Kläger. Als diese Ära ausgelaufen war und die einstigen Nazis wieder in Amt und Würden gekommen waren, konnte er sich in Aalen nicht mehr halten, so dass er mit seriner Familie wegzog.

1971/72 übernahm Johannes Müller die Sängerschar, die hauptsächlich aus Mitgliedern der Aalener ND-Gruppe bestand. Außer den Choralmessen im Diözesangesangbuch wird bis heute bei Vespern an den Feiertagen und die Osternacht in der Salvatorkirche gestaltet. „In unser Repertoire nahmen wir auch Hymnen der Ostkirche und moderne religiöse Taizé-Lieder auf“, sagt Müller.

Über Aalen hinaus wurde die ND-Schola des öfteren in das Heilig-Kreuz-Münster Schwäbisch Gmünd eingeladen, wo die Schola Proprien der Adventssonntage sang.  "Wir gestalteten ein Konzert in einer Kirche bei Straßburg, die aus der Stauferzeit stammt", erinnert Müller.

Erwin Hafner

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