Von Widerstand, Mahnen und Mut

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Am Kulturbahnhof ging es weiter mit einer Lesung von Schülerinnen und Schülern der Kocherburgschule. Sie stellten "stille Heldinnen" vor.
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Vorabend des 9. November: Wie 70 Männer und Frauen der Opfer des Nationalsozialismus gedenken und Schülerinnen und Schüler der Kocherburgschule stille Heldinnen vorstellen.

Aalen

In einer bewegenden Stunde haben etwa 70 Menschen an zwei Schauplätzen am Dienstagabend der Pogromnacht vom 9. November 1938 und der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Im Vordergrund stand jedoch die Erinnerung an Frauen und Männer, die sich dem Nationalsozialismus widersetzten und ihr Leben riskierten.

Auftakt um 18 Uhr in der Oesterleinstraße 10, am ehemaligen Wohnhaus von Fanny Kahn. Pfarrer Bernhard Richter begrüßte mit dem Satz des Nazi-Jägers Simon Wiesenthal: „Überleben ist ein Privileg, das verpflichtet.“ Für eine dieser Verpflichtungen hält Richter eine „würdigen Erinnerungskultur“, um Gedenken wachzuhalten, aber auch, um Verharmlosung oder Leugnung nationalsozialistischer Gräueltaten entgegenzuwirken und unser Leben in Frieden zu würdigen. Dazu, so Richter, brauche es in der Stadt Vereine, Gruppen, Bündnisse, Gewerkschaften, das Theater und Initiativen wie das Netzwerk für Demokratie im Ostalbkreis.

Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann erinnerte auch an den 8. November 1989 als „Vorabend der Öffnung der Mauer“. Ein Zeichen der Hoffnung für die Demokratie, sagte Ehrmann. Die Teilnehmenden dieser Mahnwache würdigte er in diesem Sinne als „eine positive Bürgerinitiative, die für die Demokratie einsteht“.

Namens der Stolperstein-Initiative erinnerte Klaus Knopp an die jüdische Klavierlehrerin Fanny Kahn, die gut 30 Jahre in Aalen lebte und 1942 im KZ Treblinka ermordet wurde. Nach einem Schweigemarsch mit Kerzen ging es zur zweiten Station, dem Kulturbahnhof (KubAA). Theaterintendant Tonio Kleinknecht stellte dort anhand eines Gedichtes des Dramatikers Rolf Hochhuth Georg Elser vor: den lange verkannten Schreiner aus Königsbronn, der vor 83 Jahren im Münchner Bürgerbräukeller ein Sprengstoffattentat auf Adolf Hitler verübte. Es scheiterte knapp, Elser wurde 1945 im KZ Dachau ermordet.

Aalen hat jetzt den Platz am Kulturbahnhof nach ihm benannt. Elser, „ein stiller Held, der bei öffentlichen Gedenkfeiern bis in die Neunzigerjahre kaum gewürdigt wurde“, kritisierte Eva-Maria Markert von der Initiative „Omas gegen Rechts“ und leitete damit über zu einer Lesung von Schülerinnen und Schülern der Kocherburgschule. Die Zehntklässler hatten mit ihrer Lehrerin Barbara Werz nach „stillen Heldinnen“ im Nationalsozialismus geforscht und sich mit deren Schicksal auseinandergesetzt: Anna Essinger, die in Herrlingen bei Ulm ein reformpädagogisches Landschulheim mit Internat gegründet hatte und die Kinder 1933 aus Deutschland herausschmuggelte, um die Schule im Exil im Süden Englands weiterzuführen. Und an Hildegard Spieth, die Pfarrersfrau aus Stetten, die ein jüdisches Ehepaar vor den Nazis versteckte und damit deren Leben rettete. Selbstbewusste und entschlossene Frauen, so bewunderten sie die Schülerinnen und Schüler. „Mutmacherinnen für Junge und Alte“, befand Dorothee Irion-Ulmer von „Omas gegen Rechts“ und mahnte, die Gefahr durch Rechtspopulistische Parteien und Gruppierungen sei keineswegs vorbei : „Bei Hitlers brennt noch Licht“, zitierte sie ein Gedicht von Simon Pearce.

Christian Bolz begleitete die Gedenkstunde musikalisch mit einfühlsamen Klängen seines Saxofons.

Mahnwache
Für den Schweigemarsch von der Oesterleinstraße zum Kulturbahnhof wurden Kerzen angezündet.
Durch die Unterführung Düsseldorfer Straße ging es zum Kulturbahnhof.

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