Vorsicht! Perfide Abzocker am Telefon

+
Im Visier von Telefonbetrügern: Allein lebende Seniorinnen und Senioren, die sich aufgrund ihrer Lebenssituation eher in ein längeres Telefongespräch verwickeln lassen. Symbolbild: Fleig / Eibner-Pressefoto
  • schließen

Falsche Polizeibeamte ergaunerten innerhalb eines einzigen Jahres im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen über eine Million Euro. Insgesamt 982 Fälle wurden angezeigt, die Dunkelziffer ist hoch.

Aalen

Sie geben sich als Polizeibeamte aus. Oder als Verwandte, die sich in einer schlimmen Notlage befinden. Oder auch als Überbringer der Nachricht eines vermeintlichen Gewinns. Der Ideenreichtum von Trickbetrügern ist ausgesprochen dreist und kreativ. Und alle verfolgen nur ein Ziel: unerkannt und möglichst schnell an große Beute zu kommen.

„Nach den vielen Berichten in den Medien, in der Presse, halten viele Menschen es nicht für möglich, dass es trotzdem immer noch Leute gibt, die auf diese bekannten Betrugsmaschen hereinfallen“, sagt Thomas Maile, Experte für Prävention im Polizeipräsidium Aalen.

Doch die Statistik belegt: Allein im Jahr 2019 wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen insgesamt 982 Fälle von falschen Polizeibeamten angezeigt, davon 309 im Ostalbkreis. Obwohl viele Fälle dabei im Versuch stecken blieben, ergaunerten die Betrüger mit dieser Masche innerhalb eines Jahres immerhin 1,013 Millionen Euro. Vergleichbar erfolgreich scheint der sogenannte Enkeltrick zu sein. Insgesamt 301 Fälle wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen im Jahr 2019 bekannt, davon 55 im Ostalbkreis. Die Beute: insgesamt 504 699 Euro. „Und die Dunkelziffer“, sagt Maile, „ist sehr hoch“.

Auch in den ersten Wochen des neuen Jahres schon haben ausgefuchste Betrüger wieder für Schlagzeilen gesorgt. So berichtet die Polizei von „einer Vielzahl von Bürgerinnen und Bürgern“, die Anrufe von vermeintlichen Polizeibeamten erhielten. Die Masche: Sie rufen an und erzählen, dass ein enger Verwandter der angerufenen Person in einen schweren Unfall verwickelt ist oder in einer schlimmen Notlage steckt. Und nur die Herausgabe von Bargeld könne den Verwandten aus der Zwickmühle befreien.

„Zum Glück durchschauen die Meisten den versuchten Betrug und legen prompt auf. Aber wenn der Betrüger nur in einem einzigen Fall mit seiner Manipulation Erfolg hat, gelingt ihm ein Betrug großen Ausmaßes“, weiß Hans-Jürgen Landgraf, Referent für Kriminalprävention im Polizeipräsidium Aalen.

Getroffen hat es Anfang Januar ein Ehepaar aus einem Aalener Teilort. Der Betrüger hatte am Telefon dermaßen mit perfider Manipulation auf sie eingewirkt, dass die beiden zur Bank gingen und 34 000 Euro abhoben. Selbst vom Bankangestellten, der Verdacht schöpfte und das Ehepaar ansprach, ließ es sich nicht vom Vorhaben abbringen. Das Ende vom Lied: Der Bankangestellte informierte zwar die Polizei. Diese konnte aber trotz „sofort eingeleiteter Suchmaßnahmen“ die Übergabe nicht mehr verhindern.

Für Landgraf wie für Maile ist klar: Es kann jeden treffen. Landgraf weiß von einer ehemaligen Bankangestellten, die sich in einem seiner vielen Präventionsvorträge als Opfer geoutet hatte. „Sie sagte, dass sie sich selbst nie vorstellen konnte, auf so einen Trick hereinzufallen. Und dann kam plötzlich der Tag, an dem alle Ersparnisse für ihren Lebensabend weggegaunert waren.“

Wer steckt hinter diesen Betrügern, die vor allem Senioren abzocken?

Die Anrufe, weiß Maile, werden meist von Call-Centern im Ausland getätigt. Die Betrüger telefonieren Listen mit Nummern von Senioren ab. Die Listen kaufen sie entweder von Adresshändlern. Oder sie durchsuchen das „Örtliche Telefonbuch“ im Internet nach alt klingenden Vornamen oder nach kurzen Telefonnummern. „Das ist dann ein Zeichen dafür, dass die Person schon sehr viele Jahre dort wohnt.“

Wie gehen die Betrüger am Telefon vor?

Aus dem Livemitschnitt eines betrügerischen Anrufes, den Landgraf vorspielt, wird deutlich: Der Betrüger meldet sich nicht mit Namen. Sondern etwa mit einem nach Vertrauen heischenden „Ich bin's“. Und legt mit einer rhetorischen Frage nach: „Jetzt sag bloß, Du weißt nicht, wer dran ist?!“ Nennt der Angerufene dann einen Namen, ist das die Basis, an die der Betrüger sofort anknüpft. Auf die häufig gestellte Frage: „Bist Du allein?“ berichtet der Betrüger dann relativ schnell von einer drängenden Notlage und bittet um einen „Gefallen“, also die Herausgabe eines höheren Geldbetrags. Der Betrüger spiegelt dem Angerufenen nur eine Lösung: Dieser muss helfen. Darauf wiederum folgen genaue Anweisungen, etwa: „Erzähl der Bank bloß nicht, für wen das Geld ist!“

Die Dunkelziffer ist sehr hoch.“

Thomas Maile, Experte für Prävention

Kann man die Betrüger an der Telefonnummer erkennen?

„Eine Nummer wird man auf dem Display immer sehen“, sagt Landgraf. Entweder handele es sich um eine ausländische Handynummer. „Oder es ist eine mit der sogenannten Spoofing-Methode vorgetäuschte Nummer“, ergänzt Maile. Um eine solche handele es sich, wenn etwa nach der Vorwahl die 110 zu lesen ist. Die Polizei, so Maile, rufe nie unter der 110 an. Bei der „richtigen“ Polizei gebe es auch gar keine Kombination aus Vorwahl und 110.

Bei Misstrauen - wie sollte der Angerufene reagieren?

„Sobald man misstrauisch geworden ist, sollte man so schnell wie möglich auflegen“, rät Landgraf. Denn die Betrüger seien rhetorisch geschult und können sich als einfühlsame Gesprächsführer tarnen. „Je länger der Anrufer Zeit hat, am Telefon auf sein Opfer einzuwirken, desto besser kann er es manipulieren, dass es auf seine Forderungen eingeht.“

Verdächtiger Anruf? Die Polizei rät: Legen Sie sofort auf und rufen Sie die Polizei unter 110 an. Mehr Infos unter www.polizei-beratung.de oder unter Tel. (07361) 580128

  • So schützen Sie sich vor Telefon-Betrügern
  • Seien Sie misstrauisch: Die Polizei ruft Sie nicht mit der Nummer 110 an. Auch nicht in Verbindung mit der Ortsvorwahl.
  • Legen Sie auf, wenn sich der Anrufer nicht selbst vorstellt und Sie seinen Namen raten sollen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Legen Sie auf, wenn Ihnen etwas merkwürdig erscheint.
  • Geben Sie keine persönlichen Details preis: Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre persönliche Situation und ihre finanziellen Verhältnisse. Geben Sie keine Telefonnummern, Adressen, Kontodaten, Bankleitzahlen, Kreditkartennummern oder Ähnliches weiter.
  • Rufen Sie Ihre Verwandten unter der Ihnen bekannten Telefonnummer zurück.
  • Geben Sie kein Geld heraus: Übergeben Sie nie Geld oder Wertgegenstände an Unbekannte.
  • Lassen Sie sich nicht zu Geschäftsabschlüssen am Telefon zwingen.
  • Löschen Sie Ihren Eintrag: Lassen Sie Ihre Adresse und Ihren Vornamen oder den kompletten Eintrag aus dem Telefonbuch löschen.
  • Wenn Sie einen verdächtigen Anruf erhalten: Legen Sie auf und rufen Sie die Polizei unter der 110 oder Ihre örtliche Polizeidienststelle an.
Thomas Maile und Hans-Jürgen Landgraf (v.l.), Experten für Prävention im Polizeipräsidium Aalen.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

Kommentare