Neu im Ostalb-Klinikum: Eine „Wäscheklammer“ repariert das Herz

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Prof. Dr. Peter Seizer (Mitte) stellt die neue Behandlungsmetholde gemeinsam mit Landrat Dr. Joachim Bläse (r.) und Thomas Schneider, Vorstand der Ostalb-Kliniken, vor.
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Neu im Ostalb-Klinikum: minimal-invasiver Eingriff an der Herzklappe.

Aalen. Wenn die Herzklappe nicht mehr richtig funktioniert, ist heute oft keine große Operation mehr nötig. Denn die marode Klappe kann durch einen minimal-invasiven Eingriff „repariert“ werden. Und zwar mit Hilfe eines eineinhalb Zentimeter langen Clips, der einer Wäscheklammer ähnelt. „Seit Ende Juni wird diese neue Methode auch im Aalener Ostalb-Klinikum angewendet“, gab am Dienstag Thomas Schneider, Vorstand der Kliniken Ostalb, bei einem Pressegespräch bekannt.

Landrat Dr. Joachim Bläse als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Kliniken Ostalb freute sich „wie Bolle“, dass inmitten der Pandemiezeit solche wichtigen Dinge in den Kliniken Ostalb vorangebracht werden konnten. Er sei stolz, „dass wir hier am Klinikum eine solche Koryphäe wie Professor Dr. Peter Seizer haben.“

Prof. Dr. Peter Seizer hat die Leitung der Kardiologie am Ostalb-Klinikum Aalen im Oktober 2019 von Prof. Dr. Ulrich Solzbach übernommen. Zuvor war er in leitender Funktion am Universitätsklinikum in Tübingen tätig, wo er das sogenannte Mitralclip-Verfahren mit entwickelt und weiter verbessert hat.

Die Mitralklappeninsuffizienz zählt in Europa zu den zweithäufigsten Herzklappenfehlern. Die sogenannte Mitralklappe befindet sich auf der linken Herzseite. Sie funktioniert wie ein Ventil und regelt den Blutdurchfluss zwischen Herzvorhof und Herzkammer. Seizer: „Dieses Ventil wird im Laufe des Lebens vor allem durch hohen Blutdruck belastet. Dadurch kann es kaputt gehen.“

Die Folgen: Wenn die Mitralklappe defekt ist und nicht mehr richtig schließt, sind Herzrhythmusstörungen die Folge. Das ganze Herz wird geschwächt. „Typische Symptome sind Kurzatmigkeit und plötzlich eintretende Atemnot“, sagt Seizer.

Das Standardverfahren war bisher eine Standard-Operation der Mitralklappe. Der Chirurg entfernte die erkrankte Klappe und ersetzte sie durch eine Klappenprothese. „Doch für ältere Patienten mit mehreren Begleiterkrankungen und erhöhtem Operationsrisiko kommt so ein großer Eingriff nicht infrage“, weiß Seizer. Diese Patienten konnten bislang nur mit Medikamenten therapiert werden, was aber nur die Symptome gelindert habe.

Die neue Methode: Das Mitralclip-Verfahren biete sich vor allem in oben genannten Fällen an, um die Ursache zu beheben. Der Eingriff erfolge in leichter Vollnarkose. Dabei werde ein Katheter mit einem kleinen Clip an der Spitze über die Vene in der Leiste in den rechten Vorhof des Herzens geführt. Dann durch die Vorhofscheidewand gestoßen und in den linken Vorhof vorgeschoben, wo die marode Mitralklappe sitzt. Dort wird der Chirurg den Clip exakt an der undichten Stelle platzieren. „Der Clip ist vollsteuerbar, man kann ihn in alle drei Dimensionen drehen, um ihn exakt auszurichten“, erläutert Seizer.

Das „Schluckecho“: Der Chirurg beobachtet den Eingriff über ein sogenanntes Schluckecho. Dabei wird – ähnlich wie bei der Magenspiegelung – ein Ultraschallgerät durch die Speiseröhre des Patienten bis an den Mageneingang vorgeschoben. Seizer: „Damit hat der Operateur absolute Sicht.“

Dauer des Eingriffs: Laut Seizer dauert der minimal-invasive Eingriff eineinhalb bis zwei Stunden. Je nachdem, wie viele Mitralclips platziert werden. „Ich schließe die Wunde und fünf Minuten später ist der Patient ansprechbar.“ Der Klinikaufenthalt dauere etwa fünf bis sechs Tagen. Die Gefahr wiederholt auftretender Undichtigkeiten der Herzklappe sei sehr selten. „Man kann natürlich auch nachclippen.“ Ulrike Wilpert

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