Warum Aalen eine weitere Kirche erhält

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Freuen sich auf die Altarweihe am kommenden Samstag (v.l.): Ante Vrhovac, Pfarrer Vilim Koretic, Pfarrer Wolfgang Sedlmeier und Paula Matic mit einer Platte, die künftig in St. Michael an den Schutzpatron der kroatischen Gemeinde erinnert. Im Vordergrund die Statue mit Alojzije Kardinal Stepinac.
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Mit einem Festgottesdienst wird am Samstag, 9. Juli, um 11 Uhr aus dem Gemeindezentrum St. Michael im Aalener Pelzwasen die Kirche mit gleichem Namen. Was an diesem Tag alles geschieht und was bisher geschah.

Aalen

Wo an anderen Orten in Zeiten von steigenden Kirchenaustritten Gotteshäuser geschlossen und verkauft werden, macht es die Kroatische Gemeinde in Aalen vor, wie mit viel Engagement und Ehrenamt aus einem Gemeindesaal eine Kirche entsteht. Am kommenden Samstag, 9. Juli, wird in einem Festgottesdienst um 11 Uhr in St. Michael im Pelzwasen der Altar geweiht und drei Reliquien beigesetzt. Eine davon stammt vom , dem Schutzpatron der muttersprachlichen kroatischen katholischen Gemeinde: Alojzije Kardinal Stepinac. Die feierliche Messe gestaltet der Erzbischof von Sarajevo-Vrhbosna, Monsignore Dr. Tomo Vuksic.

Archaische Altarweihe

Damit eine Kirche zur Kirche wird, wird der Altar nicht nur mit Weihrauch geweiht, sondern auch gesegnet. „Mit Chrisam-Öl“, sagt Pfarrer Wolfagang Sedlmeier und bezeichnet die Altarweihe als einen archaischen Brauch. Zudem setzt man Reliquien bei. Damit dies beim Altar von St. Michael möglich ist, wird derzeit eine Marmorfassung dafür zugeschnitten und auf der hölzernen Tischplatte fixiert. „In dem Reliquar werden sich drei Reliquien befinden“, kündigt der kroatische Pfarrer Vilim Koretic an. Am kommenden Samstag werde eine Reliquie von Alojzije Kardinal Stepinac beigesetzt aber auch eine der heiligen Desideria und dem heiligen Gaudiosus. Des Weiteren werden man auf dem Altar Weihrauch verbrennen. „An fünf Stellen, die an die Wundmale Jesus Christus erinnern“, erklärt Sedlmeier.

„Und dann ist unser Gemeindesaal eine Kirche“, freuen sich der kroatische Pfarrer und Pastoralratsvorsitzende Paula Matic. Beide verweisen dabei auch auf die Statue von Alojzije Stepinac, die bereits im Februar mit einem Gottesdienst in die künftige Kirche eingezogen ist. Sie stehe für Glaube, Hoffnung, Liebe, dem Lebensmotiv  Stepinacs. Den Glauben symbolisiere, so Koretic über die Statue, der Mönch, die Hoffnung der Seemann mit seinem Anker und die Liebe die Familie.

Die Vorgeschichte

Die Geschichte der künftigen Kirche beginnt bereits mit dem Bau des Gemeindezentrums in den 1960er Jahren. Es war eine Zeit, in der in den Aalener Stadtteilen Filialkirchen gebaut wurden. Auch im Pelzwasen. Dort entstand die evangelische Martinskirche mit ihrem Gemeindezentrum. Die Katholiken planten ebenfalls den Bau eines Gemeindezentrums und einer Kirche St. Michael. „Doch der Kirchenbau wurde niemals realisiert“, erzählt Pfarrer Wolfgang Sedlmeier. Stattdessen seien im benachbarten Grauleshof St. Elisabeth entstanden und die Marienkirche mit ihrem Zentrum realisiert worden. Im Pelzwasen wurden indessen die Gottesdienste im Gemeindesaal gefeiert.

Die Heimat der Kroaten

Seit 15 Jahren ist St. Michael die Heimat für die kroatische Gemeinde. „Seither feiern wir dort nicht nur unsere Gottesdienste, sondern nutzen wir die gesamten Räume auf für Feste und für unsere Kinder- und Jugendarbeit“, sagt Patoralratsvorsitzende Paula Matic.

Ein Schlachtplan zum Erhalt

Auslöser dafür, dass aus dem Gemeindesaal nun eine „richtige“ Kirche wird, ist allerdings Pfarrer Wolfgang Sedlmeier. Der leitende Pfarrer der Aalener Katholiken hatte der Diözese signalisiert, dass er bereit sei, sich vom Gemeindezentrum St. Michael zu trennen, das baulich in schlechtem Zustand war. „Bekanntlich gebe ich keine Kirche auf“, sagt er, der auch für die muttersprachliche kroatische Gemeinde zuständig ist. Das Signal habe dann den Pfarrer der Kroaten Vilim Koretic und Gemeinde-Laienvorsitzende Paula Matic auf den Plan gerufen. Koretic entwirft einen „Schlachtplan“: Das Gemeindezentrum soll umfassend saniert werden. Alles im Ehrenamt. Lediglich die Materialkosten muss die Gesamtkirchengemeinde tragen. „Wir reden dabei von 80.000 Euro“, sagt Pfarrer Wolfgang Sedlmeier und verweist darauf, dass dies 1,4 Prozent der Kosten von St. Maria seien. Und noch eins „organisiert“ Koretic: die Reliquie des Märtyrers Stepinac. Die Basis dafür, dass der Altar geweiht und St. Michael zur Kirche werden kann.

So viel Eigenleistung

Am 27. Oktober vergangenen Jahres rücken dann die Gerüstbauer an. Die Fassade wird erneuert. Im Innern werden unter anderem Böden, Wände und Decken gestrichen und erneuert; ebenso die sanitären Anlagen. Alles in Eigenleistung. „Das hat unsere Gemeinde , die heute 1200 Mitglieder zählt, zusammengeschweißt“, sagt Paula Matic.

Info: Alojzije Viktor Kardinal Stepinac war katholischer Theologe und Kardinal sowie von 1937 bis 1960 der Erzbischof von Zagreb. Stepinac wurde 1998 von Papst Johannes Paul II. als Märtyrer seliggesprochen. Er gilt bei den Kroaten als populäre Integrationsfigur des 20. Jahrhunderts.

In diesem Gefäß befindet sich die Reliquie des Märtyrers Stepinac.
In diesem Gefäß befindet sich die Reliquie des Märtyrers Stepinac.
In diesem Gefäß befindet sich die Reliquie des Märtyrers Stepinac.

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