Warum Annero jetzt Kaffee röstet

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Die leidenschaftliche Friseurmeisterin Annero alias Annerose Engelmann hat jetzt im Ruhestand eine neue persönliche Leidenschaft entdeckt: Im Keller der Villa Stützel röstet sie Kaffeebohnen für die Privatedition Saneera.
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Die 66-jährige Friseurmeisterin Annerose Engelmann hat sich gemeinsam mit ihrem Mann Toni aus ihrem innig geliebten Salon verabschiedet. Nun brennt sie für eine neue Leidenschaft.

Aalen

Ohne großes Tamtam, beinahe unbemerkt, haben sie sich Anfang Juni endgültig von der Bühne der Friseurkunst verabschiedet: Annerose (66) und Toni Engelmann (70), Meister ihres Handwerks, waren mehr als 33 Jahre mitten in der Aalener City selbstständig mit ihrem Salon „Annero“. Den Namen, der für Geradlinigkeit und das Besondere steht, hatte einst der heute über 90-jährige Oskar Stark entworfen, der jahrelang als Grafikdesigner das äußere Erscheinungsbild der Firma Carl Zeiss verantwortete.

Verkauft haben sie den Salon samt Namen bereits vor drei Jahren. Doch bis vor Kurzem stand Annerose Engelmann - kurz Annero - immer noch tageweise im Salon, um als Multitalent für Haare das zu tun, was bereits im Alter von 17 Jahren ihr Lebenstraum war: Eine selbstständige Karriere zwischen Farbe, Schnitt und Locken sowie aufwendigen Frisuren mitsamt einfühlsamer Typberatung. „In meinem Beruf hat mich immer das Kreative, das Geradlinige, das Besondere fasziniert. Und die Überzeugung, dass man aus jedem Menschen, egal welchen Alters, etwas Besonderes machen kann.“

An diesem Sommertag sitzt das Ehepaar Engelmann auf der ausladenden Terrasse seines gerade umfassend sanierten Hauses in Affalterried. Toni Engelmann serviert frisch aufgebrühten Kaffee, während Annero, die in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Ort aufgewachsen ist, in Euphorie schwelgt über Vergangenes und Aktuelles.

Ihre Augen schauen auf die grüne Weite, die sich unmittelbar hinter dem Grundstück auftut. Sie erzählt von ihrer Ausbildung anfang der 1970er Jahre in dem einst renommierten Salon Boger. Und vom Friseursalon „Hairport“, dessen Filialleitung sie 1982 im gerade eröffneten Kaufring übernehmen durfte.

Ebendort lernt sie ihren spätere Ehemann Toni kennen, der damals das Personal des Salons im Auftrag einer großen Haarkosmetikmarke geschult hat. Gemeinsam mit ihm wagt die damals 29-Jährige 1985 den Schritt in die Selbstständigkeit An der Stadtkirche 19 (heute Style In Artists). „Wir hatten nur die Hälfte der heutigen Ladenfläche, links war ein kleines Schreibwarengeschäft“, erinnert sich Annero. Zwei Jahre später dann Umzug und Eröffnung eines 100 Quadratmeter großen Salons am Spritzenhausplatz.

„Unser Salon war immer wie ein Kind für mich. Ich habe ihn gepflegt und getätschelt“, verrät Annero und lacht so, wie man sie kennt: herzerfrischend. „Ich hab den Laden gebraucht. Das war meine Urlaubsstätte.“ Ihre ganz persönliche Glücksformel: Ein paar Tage Skifahren im Winter und „am liebsten 365 Tage einen vollen Salon“.

Eine Sonnenanbeterin, sagt sie, sei sie noch nie gewesen. Nein, dafür ist sie viel zu umtriebig und tatendurstig. Anstatt ihren Ruhestand mit einer Weltreise einzuläuten, hat sie einen neuen Job an Land gezogen. Seit September 2021 arbeitet sie sozusagen undercover, im Keller der Villa Stützel. Dort steht Annero derzeit 13 Stunden wöchentlich an Dr. Ralf Kureks Kaffeeröstmaschine und röstet Bohnen für die Marke „Saneera“, die Privatedition der Villa Stützel. Ihr Sohn Axel (31), neben Dr. Sandra Röddiger und Dr. Ralf Kurek Mitgeschäftsführer der Saneera GmbH, hat ihr den Job vermittelt.

Doch Annero wäre nicht Annero, wenn sie sich allein mit dem Handwerk zufrieden geben würde. „Das ist mir zu wenig. Ich möchte mit Saneera intensiv ins Marketing einsteigen“, sagt sie mit einer neuen Leidenschaft in den Augen. Sie schwärmt von speziellen To Go Bechern und Tassen, die sie für die Privatedition entwerfen möchte, und davon, die Kaffeemarke Saneera überall zu bewerben: bei Bäckereien, Cafés und Dienstleistungsbetrieben.

Es gleicht einem Marathon, den Annero vor sich hat. Aber sie kennt sich aus. Mit 51 Jahren hat sie ihre erste 42-Kilometer-Strecke in Berlin gemeistert. Auch heute läuft sie noch drei Mal die Woche jeweils zwischen 10 und 15 Kilometer. Annero hat sie, die nötige Ausdauer und den Biss: „Der Weg ist das Ziel. Ich habe schon immer gesagt: Den Marathon gewinnen wir.“

Die leidenschaftliche Friseurmeisterin Annero alias Annerose Engelmann hat jetzt im Ruhestand eine neue persönliche Leidenschaft entdeckt: Im Keller der Villa Stützel röstet sie Kaffeebohnen für die Privatedition Saneera.
Die leidenschaftliche Friseurmeisterin Annero alias Annerose Engelmann hat jetzt im Ruhestand eine neue persönliche Leidenschaft entdeckt: Im Keller der Villa Stützel röstet sie Kaffeebohnen für die Privatedition Saneera.

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