Warum der KubAA in der Kritik steht

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Für den Aalener Kulturbahnhof soll ein Leitbild erstellt werden, um die Zusammenarbeit und die Aufgaben der Nutzer zu regeln.
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Im Finanzausschuss des Gemeinderats gibt es wenig Lob. Hingegen beanstanden die Mitglieder zum Teil scharf das bisherige Vermarktungskonzept der Flächen und der Gastronomie.

Aalen. Der KubAA könnte so schön sein: Tolle Premieren, schöne Veranstaltungen von Theater, Musikschule und Kino am Kocher. Dazu viele Besucher, die nach dem abendlichen Kulturgenuss noch im Foyer des Kulturbahnhofs (KubAA) verweilen, mit einem Absacker und/oder mit einem Snack in der Hand. So stellt sich der Aalener Gemeinderat, stellen sich Stadt und Mieter im KubAA einen lebendigen Kulturtempel vor. 

In der Sitzung des Finanzausschusses des Gemeinderats indes gab es wenig Lob, hingegen zum Teil scharfe Kritik am bisherigen Vermarktungskonzept der Flächen und ganz besonders an der Gastronomie. 

Allen voran Eva-Maria Markert (SPD) zog heftig vom Leder: Sie sei bislang sehr enttäuscht von dem Gebäude ohne Wohlfühlatmosphäre, mit seinem dunklen Foyer, das von den Besucherinnen und Besuchern nicht angenommen werde. Andererseits werde von den Mietern, wie Musikschule, Theater und Kino am Kocher „alles getan“, um das Gebäude mit Leben zu füllen. 

Der Gemeinderat habe zwar den Eigenbetrieb unter dem vielversprechenden Namen „Kultur & Event“ auf den Weg gebracht. Bislang aber, so Markert, habe der Eigenbetrieb so gut wie noch keine Kultur in den KubAA geholt. „Auf Anfrage hat man uns mitgeteilt, dass das Eventmanagement nur für die Vermietung der Flächen zuständig ist, aber nicht für den Kulturbetrieb“, stellte die SPD-Rätin einigermaßen fassungslos fest.

„Nach jetzigem Stand“, sagte Markert regelrecht frustriert, „müsste man den Namen des Eigenbetriebs auf Tourismus & Events ändern und die Kultur ganz rausnehmen.“ Für die SPD-Fraktion stellte Markert den Antrag, eine Schnittstelle einzurichten, in Form eines Kulturkoordinators. 

Eine erste Bilanz


Hintergrund: Anfang Mai, eineinhalb Jahre nach Eröffnung des KubAA, hatten sich Vertreter des Gemeinderats, der Stadtverwaltung und der Mieter zu einem Workshop „KubAA Vision“ getroffen, um eine erste Bilanz zu ziehen: Was ist bislang gut gelaufen, was kann noch verbessert werden. Ein Hauptaugenmerk galt dabei ganz besonders der Gastronomie im KubAA, die sich allgemein als „Sorgenkind“ darstellt.

„Sorgenkind“ Gastronomie


Seither wird sie bewirtschaftet von einem Caterer, der zugleich auch die Stadthalle betreibt. Dessen Vertrag läuft noch bis zum 31. Juli 2023. Sowohl Gemeinderat, als auch Stadtverwaltung und Mieter im KubAA wünschen sich ein Angebot, das über das jetzige hinausgeht.

Denn im Foyer mit Bar herrscht oft gähnende Leere und Dunkelheit. Zumal bei Abendveranstaltungen, nach denen man sich gerne noch plaudernd bei Sekt und Selters im Foyer aufhalten würde. Entsprechend wünscht man sich für die Zukunft eine täglich geöffnete Dauergastronomie, mit möglichst ausgedehnten Öffnungszeiten nicht nur in den Abendstunden bis nach den Veranstaltungen, sondern auch in der Mittagszeit und in den Nachmittagmittagsstunden, wenn Eltern ihre Kinder von Ballett und Musikunterricht abholen. Zudem soll eine Außengastronomie auf dem Westplatz und auf dem Georg-Elser-Platz eingerichtet werden. 

„In der Belebung des KubAA ist noch viel Luft nach oben“, merkte Dr. Thomas Battran (Grüne) in der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses an. Ideal, so meinte er, wäre ein Kulturkoordinator, der sich speziell um die Belebung „dieses Magneten“ kümmert. Und ein Gastronom, der sich in seinen Arbeitsplatz im KubAA „reinhängt“. 

Die Stadtverwaltung strebt nun eine getrennte Ausschreibung des Gastronomie-Pachtvertrags für Stadthalle und Kulturbahnhof an. Armin Abele (CDU) wünscht sich vor der Festlegung der Vergabekriterien für die Gastronomie ein konkretes Konzept, „was wir im KubAA eigentlich wollen“. 

Synergie mit Hotel?

Roland Hamm (Die Linke) stimmte der SPD-Fraktion zu. Wie sich der Eigenbetrieb „Event & Kultur“ präsentiere, liegt nach Meinung Hamms an einem Zielkonflikt. „Es hatten sich damals zwei Bewerber mit ähnlichem Profil um die Leitungsstelle des Eigenbetriebs beworben. Das Thema Kultur hat dabei eine völlig untergeordnete Rolle gespielt“, weiß Hamm. 

Als Überbrückung bis zum Pächterwechsel in der Gastronomie schlug Hamm vor, das Kino am Kocher in die abendliche Bewirtschaftung des Foyers mit einzubeziehen. „Es wäre dazu bereit.“ Längerfristig könne man auch eine Synergie mit dem benachbarten neuen Hotel andenken. 

„Keine Schuldzuweisung“


Hermann Schludi (SPD) versuchte zu beschwichtigen: Es dürfe jetzt nicht um eine Schuldzuweisung gehen. Dennoch stehe man jetzt vor der Frage, ob der KubAA ein Kultur- oder ein Eventbahnhof sein soll. „Wir müssen wissen, was wir wollen, das Leitbild muss stimmen“, wandte er sich ans Gremium. 

OB Frederick Brütting reagierte überrascht auf die massiv geäußerte Kritik. „Der Workshop wäre dazu die passende Gelegenheit gewesen“, sagte er. Zumal Florian Münzmay, Geschäftsführer des Eigenbetriebs „Kultur & Event“ in der Ausschussitzung nicht zugegen war, da er gerade Vater geworden war. 

Das Ergebnis der Vorberatung

Einstimmig votierte das Gremium für die Vorbereitung einer getrennten Ausschreibung des Gastronomie-Pachtvertrags für Stadthalle und Kulturbahnhof wird vorbereitet.
Einstimmigkeit gab es auch für die Erstellung eines Leitbildes für den Kulturbahnhof mit dem Ziel, die Zusammenarbeit und Aufgaben der Nutzer zu regeln. Das Leitbild soll in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur und Tourismus, dem Eigenbetrieb „Kultur & Event“, dem Theater und der städtischen Musikschule entstehen. In diesem Rahmen soll auch über die Einrichtung einer Stelle als Kulturkoordinator nachgedacht werden. Die Entscheidung trifft der Gemeinderat in seiner Sitzung am 30. Juni.

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