Warum es nicht ausreichend Biontech-Impfstoff für Unter-30-Jährige gibt

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Der Biontech Impfstoff wird zum Jahresende wahrscheinlich knapp.Foto: OLIVER GIERS
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Biontech ist knapp. Trotzdem wird es auch an Ältere verimpft. Warum das so ist und warum sich Ärzte nicht Impfstoff vom Kollegen holen können.

Aalen

Die Jüngeren gehen würdig wieder“, sagt Matthias Wagner, Geschäftsführer des DRK Kreisverbandes Aalen. Gehen, weil es keinen Impfstoff für die Unter-30-Jährigen bei der Impfaktion in der Stadthalle Aalen am vergangenen Wochenende mehr gab. Das Alter war bei der Anmeldung im Vorfeld nicht abgefragt worden. Aus Datenschutzgründen, wie Wagner erklärt. 72 Dosen Biontech gab es, 50 Menschen unter 30 mussten ohne Piks weggeschickt werden.

Biontech ist ein rares Gut. Bis zu 35 Dosen bekommen die Praxisärzte, die impfen möchten, wöchentlich aktuell. Gleichzeitig können sich in Baden-Württemberg nun auch Jugendliche unter 18 Jahren mit entsprechendem Impfabstand zur Zweitimpfung von fünf bis sechs Monaten ebenfalls boostern lassen, wie das Sozialministerium am Dienstag bekannt gab. Theoretisch: Denn es wird damit noch mehr Biontech benötigt.

Den Impfstoff gibt es aber auch bei den Impfstützpunkten nicht in Massen. „Unser Partner für die Impfkampagne ist eine normale Apotheke, wir werden wie die niedergelassenen Ärzte auf dem gleichen Weg beliefert“, so Peter Schmidt, ärztlicher Koordinator der Impfstützpunkte des Ostalkreises. „Aktuell hoffen wir jede Woche auf rund 50 Vials BioNTech pro Woche und Impfteam beziehungsweise Stützpunkt.“ Bislang habe man diese auch erhalten und wöchentlich komplett verbraucht. Moderna sei frei bestellbar, so Schmidt. In einem Vial stecken sechs Impfdosen.

Warum können sich Praxen nicht einfach die Dosen vom Kollegen holen, der nicht impft? Das funktioniere nicht, sagt Dr. med. Sebastian Hock, Vorsitzender der Kreisärzteschaft Aalen - weil es in der Summe nicht mehr Impfdosen gibt. Ein Arzt bekomme maximal die Dosen, die er bestellen darf. Wer nicht impft, kann auch nicht bestellen, so Hock, der konkretisiert: „Umso mehr Ärzte impfen, umso weniger bleibt für den einzelnen Hausarzt übrig. Irgendwann sind es vielleicht nur noch fünf Biontech-Dosen, die er wöchentlich verimpfen kann.“ Man freue sich, unabhängig davon, aber über jede verabreichte Impfung.

Warum manche Ärzte trotz Pandemie nicht impfen: „Es gibt neben dem Impfen andere medizinische Tätigkeiten, wie etwa Früherkennungsmaßnahmen für Krebserkrankungen “, sagt Hock. Schon jetzt schiebe das Gesundheitssystem einen Berg von Diagnosen und Therapien vor sich her.

Darum wird immer noch auch an über 30-Jährige Biontech verimpft: „Oberstes Gebot bleibt nach wie vor, keine Impfdosis wegzuwerfen“, sagt der Unterkochener Hausarzt Michael Maas. Wenn jemand seinen Termin absage, komme es schon mal vor, dass man dann auch Biontech an einen über 30-Jährigen verimpfe. Bisher habe die Verteilung aber gut geklappt. Hinzu kommen medizinische Gründe, wie etwa Impfreaktionen, wie Dr. Sebastian Hock erklärt. „Wer das braucht, das muss der behandelnde Arzt individuell entscheiden. Da sollte man das Vertrauen in die Ärzte haben“, so Hock. Auch deshalb sei es sinnvoll, dass nach wie vor allem die Ärzte impfen. Schwangere etwa würden Biontech bekommen. „Hat man jemals zuvor bei einer Impfung gefragt, von welcher Firma der Impfstoff ist“, merkt der Mediziner dazu an. „Wir sind hier nicht bei wünsch Dir was“, macht Hock klar. Nun zähle auch ein wenig Geduld und Zufriedenheit und Respekt den medizinischen Kräften gegenüber, die zwischen Weihnachten und Silvester auch das Recht hätten, einmal „durchzuschnaufen“. Auch Hock kritisiert fehlende Absagen von Patienten, die sich ihre Impfung vor dem Termin dann doch noch woanders holen: „Die machen teilweise drei, vier Termine und sagen nicht ab.“ Die medizinischen Fachkräfte müssten sich dann schnell aktiv um einen anderen Impfling kümmern.

Und wenn ein Unter-30-Jähriger keine Biontech-Impfung bekommt? Sebastian Hock findet klare Worte: „Dem würde ich sagen: Warum hast Du Dich nicht schon früher impfen lassen?“ Die Möglichkeit habe es gegeben, ganz ohne Aufwand. Nun müsse derjenige sich eben kümmern, suchen und im schlimmsten Fall warten.

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