Warum Friseurmeister Bernd Bäuerle kürzer tritt und seinen Betrieb im Pelzwasen schließt

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Bernd Bäuerle ist im Rentenalter und hat gesundheitliche Probleme. Deshalb schließt er seinen Betrieb in der Hölderlinstraße. Für seine Kundinnen und Kunden geht es im Zweithaar-Studio im Ostalb-Klinikum aber weiter. Foto: dot
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50 Jahre lang war der gebürtige Aalener erst Lehrling, dann Meister in der Hölderlinstraße. Warum er aufhört, aber eben nicht ganz und wie es für seine Kunden weitergeht.

Aalen

Ein halbes Jahrhundert. 50 Jahre. Nun ist es damit vorbei. Ganz leicht tut sich Bernd Bäuerle damit nicht. „Das ist gar nicht so einfach, hier aufzuhören. Dieser Entschluss war schon begleitet von ein paar schlaflosen Nächten“, sagt der Friseurmeister und blickt sich in seinem Laden kurz um. Die Regale sind schon leer, nur hinter der Theke stehen noch Pflegemittel. Bis zum 1. August werden auch diese verschwunden sein aus dem Friseurstudio in der Hölderlinstraße 27 im Pelzwasen. „Dann wird hier alles herausgerissen“, sagt Bernd Bäuerle. Betriebsaufgabe, der 28. Juli ist der letzte Tag. Schon im Februar informierte er seine Kunden und Kundinnen darüber, dass er aufhört. Aber dann eben noch nicht so ganz. Denn das Zweithaar-Studio, das Bäuerle vor mehr als 25 Jahren im Ostalb-Klinikum Aalener eröffnete, ist weiterhin für alle da.

Auch Bernd Bäuerle, wenn auch nicht wie bisher. Er wird sich dort um die Verwaltung und die Buchhaltung kümmern. „Ich bin 65 Jahre alt und habe so langsam Probleme mit den Kniegelenken“, sagt er. Im Friseurhandwerk stehe man immer verdreht, immer auf einer Seite. „Das ist ungesund“, sagt er. „Aber das Alter für die Rente habe ich ja letztendlich auch.“

Gerade mal 14 Jahre alt ist Bernd Bäuerle 1972, als er seine Ausbildung im Friseurhandwerk beginnt. Im Betrieb, den seine Eltern 1961 gegründet hatten. Woanders kommt er in Aalen als Lehrling trotz seiner Bemühungen nicht unter. „Du bist der Sohn vom Paul“, so die Antwort. In seiner Branche bilde man heute noch nicht die Kinder von Mitbewerbern aus, erklärt Bäuerle dazu. Man habe Angst, dass Betriebsinterna weitergegeben werden.

Als 21-jähriger Meister

Bernd Bäuerle schadet die Ausbildung im elterlichen Betrieb jedenfalls nicht. Gerade mal erst 21 Jahre alt, hat er den Meisterbrief in der Tasche. „Dann war ich der jüngste Friseurmeister in ganz Baden-Württemberg“, erinnert er sich. Der Betrieb expandiert, beispielsweise mit einer Filiale in Ebnat, die allerdings vor bereits 15 Jahre geschlossen wurde. Zwei Kinder hat Bernd Bäuerle mit seiner Frau, ebenfalls Friseurmeisterin. Dass keines davon erneut in die elterlichen Fußstapfen haben treten wollen, sieht er gelassen. „Man muss im Leben das machen, was Spaß macht“, sagt er. Ihm jedenfalls habe sein Beruf immer gefallen: der Kontakt mit den Menschen, die persönliche Bindung, die er aufbaute. Der stete Wandel in seiner Branche. Dazu der Zweithaar-Schwerpunkt, bei dem man sogar mit Kunden aus Norddeutschland zu tun habe. Er habe viel Freude an der Arbeit gehabt, trotz seiner Probleme mit den Bronchien. „Deshalb gibt es bei mir schon lagen kein Haarspray mehr mit Treibgas“, erklärt Bernd Bäuerle.

Krisen treffen auch Friseure

Leicht machen es die Krisen auch den Friseuren nicht, wie Bernd Bäuerle sagt. Einige Kunden hätten sich während der Corona-Pandemie umorientiert, würde sich nun lieber die Haare in den eigenen vier Wänden schneiden lassen. Aktuell gebe es zudem Lieferschwierigkeiten im Zweithaar-Bereich. Warum, das wisse er auch nicht mit Sicherheit.

„Wir sind, bis auf die kleine Poststelle, die letzten Gewerbetreibenden im Pelzwasen, die nun zumachen“, sagt Bäuerle, ganz ohne Wehmut. Metzger, Bäcker, sogar eine kleine Drogerie - das gebe es dort alles schon lange nicht mehr. Für seine Mitarbeiterinnen aber sei gesorgt, eine habe ihren Beruf allerdings ganz aufgegeben.

Auch Bäuerle wird kürzertreten. Nach und nach. Obermeister der Friseur-Innung Aalen wird er bis Februar auch noch bleiben. „Andere Ehrenämter habe ich aber schon aufgegeben“, sagt er. Handwerkskammer, Kreishandwerkerschaft, „es ist wichtig, dass junge Leute übernehmen. „Es macht ja keinen Sinn, wenn man mit 80 noch an seinem Stuhl klebt“, sagt er. „Aber ich habe das sehr gerne gemacht.“ Auf ihn und seine Frau warten nun andere kleine „Aktivitäten“, sagt Bernd Bäuerle. Reisen zum Beispiel.

Friseur Bäuerle im Pelzwasen macht zu.

Info: Der Betrieb im Ostalb-Klinikum bleibt weiterhin für alle Kundinnen und Kunden auch aus der Hölderlinstraße bestehen. Erreichbar ist das Team dort unter Tel. (07361) 558818. Die ersten drei Wochen im August hat das Studio Betriebsferien. Infos auch unter www.zweithaarstudio-aalen.de online. 

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