Warum Modepark Röther gegen die Stadt Aalen klagt

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Garten-Center Dehner (grünes Dach links) und Modepark Röther an der Wilhelm-Merz-Straße. Das Areal soll aufgesiedelt werden mit verdichtetem, mehrgeschossigen Wohnbau.
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Einerseits will die Stadt den Modepark in Aalen halten. Andererseits verwehrt sie Röther einen Umzug ins Gentner Westside oder aufs Triumph-Areal.

Aalen

Es ist ein gordischer Knoten, den die Aalener Stadtverwaltung und der Gemeinderat zu lösen haben: Einerseits ist man sich einig, dass man Modepark Röther in Aalen halten will. Andererseits ist die Stadt gegen den Umzug von Röther ins Gentner Westside oder aufs Triumph-Areal. Es gilt also, eine Lösung zu finden, die zum einen dem Innenstadthandel nicht schadet und andererseits für den Modepark wirtschaftlich akzeptabel ist. Damit er - seither ein Kundenmagnet für die Stadt - Aalen als Standort nicht aufgibt.

Die Situation: Das Areal des Modeparks an der Wilhelm-Merzstraße liegt in einem städtischen Sanierungsgebiet. Hier soll künftig verdichteter und mehrgeschossiger Wohnbau entstehen. Was Michael Röther, geschäftsführender Gesellschafter von Modepark Röther befürchtet: „Verdichteter Wohnbau und Einzelhandel mit hohen Besucherzahlen führt zu Konflikten.“

Die Absicht der Stadt könne er nachvollziehen. Weil die Stadt aber die Option auf eine Verlängerung des Mietvertrags von Röther in der Wilhelm-Merz-Straße nicht mehr gebilligt hat, habe Michael Röther zwei Alternativstandorte ins Gespräch gebracht: die Westside Shopping World von Johannes Gentner - vormals Gentner Westside - und das Triumph-Gelände. Beide Alternativen aber habe die Stadtverwaltung abgelehnt.

Klage gegen die Stadt

Röther: „Wir haben gegen die Ablehnung unserer Miet-Option mit einer Laufzeit von 15 Jahren Klage gegen die Aalener Stadtverwaltung eingelegt.“ Diese sei noch nicht entschieden. Man sei zwar weiterhin in Gesprächen mit der Stadt, die den Modepark in die Neubebauung des Areals integrieren wolle. Gleichzeitig stellt Röther aber auch klar: „Eine Verkleinerung unserer derzeit knapp 6000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche ist für uns aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich.“

Die Stadt will nun einer möglichen Verlagerung innenstadtrelevanter Sortimente wie Bekleidung, Schuhe, etc. ins Einkaufszentrum vor den Toren der Stadt entgegenwirken. Rechtliche Grundlage ist eine Bebauungsplanänderung. Den Aufstellungsbeschluss soll der Aalener Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag, 31. März, fassen. Die SchwäPo hat sich vorab bei den Fraktionsvorsitzenden nach deren Meinung erkundigt:

Michael Fleischer (Grüne): „Ich stimme der Stadtverwaltung völlig zu: Wenn der große Textiler umziehen würde, weg von der nahen Innenstadtlage hinaus ins Westside, dann wäre das eine unmittelbare Konkurrenz zur Innenstadt.“ Man müsse sich an den allgemeingültigen Vorgaben des Acocella-Einzelhandelsgutachtens orientieren, das eine Ansiedlung innenstadtrelevanter Sortimente auf der grünen Wiese verbiete. „Wir wollen für Röther keine Einzelfallregelung.“

Thomas Wagenblast (CDU): „Der aktuelle Standort des Modeparks Röther ist ideal, weil er den Kundenstrom auch in die Innenstadt lenkt.“ Seine Fraktion würde sich freuen, wenn der Modepark in der Neukonzeption des Quartiers Platz finden würde. „Ich wünsche mir für alle Beteiligten einen glücklichen Kompromiss.“

Hermann Schludi (SPD): „Unserer Ansicht nach ist das Ganze noch nicht entscheidungsreif. Uns Gemeinderäten fehlen dazu noch Informationen.“ Seine Fraktion stehe voll und ganz hinter der geplanten Erweiterung der Innenstadt Richtung Röther. „Wenn Röther mit der Stadt gut verhandelt und kompromissbereit ist, kann er auch mit einem neuen Konzept am seitherigen Standort wirtschaftlich erfolgreich sein.“

Thomas Rühl (FW): „Der aktuelle Sachstand hat meiner Meinung nach noch lange nicht die öffentliche Berichtsreife erreicht.“ Aber wenn der Vermieter des Modeparks Röther am seitherigen Standort einen Neubau plant und sich mit Röther über die von ihm gewünschten Flächen einig ist, werde - so Rühl - die Stadt „alles der Sache Dienliche“ tun, um dem Bauherren und seinem Mieter entgegenzukommen.

Dr. Frank Gläser (AfD): „Wir und kein Gutachter können einem Unternehmen bindend vorschreiben, wo es sich anzusiedeln hat.“ Generell aber sei ein möglicher Wegzug einer breitgefächerte Einkaufsmöglichkeit aus der Innenstadt als sehr kritisch zu sehen. „Eine lebenswerte Stadt sollte fußläufig alles Nötige gut erreichbar haben und nicht den Bürger zwingen, zu jedem Einkauf ins Auto zu steigen und die Umgebung abzufahren.“

Christa Klink (Die Linke): „Ich bin gegen jegliche Verlagerung auf die Grüne Wiese. Das ist nicht nachhaltig.“ Deswegen werde sie, zum Schutz der Innenstadt, für die Aufstellung der Bebauungsplanänderung für Gentner Westside stimmen.

Manfred Traub (Zählgemeinschaft Birkhold/Traub): „Man muss tatsächlich sehen, wie der Spagat zwischen Einzelhandelsgutachten und Niederlassungsfreiheit gelingen kann.“ Daher müsse man auch die Frage zulassen: Kann die Stadt dem Modepark innenstadtnah überhaupt eine wirtschaftlich ausreichende Fläche anbieten?

Arian Kriesch (FDP): „Westside und die Innenstadt - beides hat seine Berechtigung, solange Westside der Innenstadt nicht schadet.“ Zu hinterfragen sei nun, ob ein potenzielles Angebot von Modepark Röther bei Gentner Westside in direkter Konkurrenz zur Innenstadt stehen würde.

Norbert Rehm (Aktive Bürger): „Wir müssen den Modepark Röther auf jeden Fall in Aalen halten.“ Die Innenstadt müsse unterstützt und gefördert werden. Aber man müsse sich auch mal von Gutachten verabschieden und schauen, was realistisch ist. Fakt sei, dass die Innenstadt nicht über große Verkaufsflächen verfüge, die zudem teurer seien als auf der Grünen Wiese.

Der Aalener Standort des Modepark Röther in Aalen.

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