Was bedeutet Weihnachten?

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Wo beginnt die Geschichte von Jesu Geburt, was wird erzählt und was bedeutet Weihnachten? Das erklärt Pfarrer Wolfgang Sedlmeier.
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Wo beginnt die Geschichte von Jesu Geburt, was wird erzählt und was bedeutet Weihnachten? Das erklärt Pfarrer Wolfgang Sedlmeier.

Aalen

Leckereien, Geschenke und familiäre Treffen – Christbaum und Krippe – Gottesdienste und Lieder – all das steht für Weihnachten.

Im Mittelpunkt des Festes aber steht die Geburt Jesu Christi.

Der Aalener Pfarrer Wolfgang Sedlmeier erzählt über Weihnachten und was die Geburt des Heilands bedeutet.

Dass Weihnachten das Fest der Geburt Jesu ist, ist auch in einer Zeit, da das Christentum kulturell nicht mehr allgegenwärtig ist, noch überall bekannt. Auch heute sieht man auf öffentlichen Plätzen Krippen mit Maria, Josef, Ochs und Esel und dem Jesuskind.

Der Brief des Paulus an die Philipper

Doch wie fängt die Geschichte an. Im ältesten Text der Bibel, einem frühen christlichen Hymnus, den der Missionar Paulus so 25 Jahre nach dem Tod Jesu an eine Gemeinde in der griechischen Stadt Philippi schreibt, heißt es, dass Jesus Gott war, aber nicht Gott geblieben ist, sondern Mensch geworden ist. In diesem feierlichen Lied findet sich schon alles, was Christen später durch die Jahrhunderte verkünden: In Jesus spricht Gott zu uns.

Lukas, der Evangelist, und eine bewegende Geschichte im Stall

Doch nicht jedem ist es gegeben, sich für Texte in dieser Art zu begeistern. Als dann circa 20 Jahre später ein Mann namens Lukas, man wird ihn einen Evangelisten nennen, eine Jesus-Biographie für Leute, die den christlichen Glauben kennenlernen wollen, schreibt, erzählt er die gleiche Geschichte in bewegenden Bildern: Ein Mädchen Maria sagt ja zu Gottes Plan, Mensch zu werden. Sie gebiert ein Kind, das man später Sohn Gottes nennt. Die äußeren Umstände, wie das geschieht, sind miserabel: Die Geburt findet in einem Stall statt, doch einige Hirten verstehen trotz des Elends, dass hier Gott in die Welt kommt, um diese zu retten.

Vom Lied zum Bild

Was bei Paulus ein feierlicher Gesang ist, wird bei Lukas zu einem inneren Bild. Der Himmel öffnet sich, Gott kommt, Gott rettet, was ja der Name Jesus übersetzt heißt.

Gott und seine Zuwendung

Manchen Intellektuellen ist das zu viel an Gefühl und Rührung. Wer unbefangen ist, der versteht aber die Botschaft: Hinter den Dingen steht noch eine andere Wahrheit, steht Gott und seine Zuwendung. Mag dann der eine es so interpretieren, dass auch ein Mensch in der Armut eine unveräußerliche Würde hat, so wird ein anderer in dieser Geschichte die Aufforderung erkennen sich auf Leben, Botschaft und Person Jesu einzulassen. Dritte aber werden im Vertrauen gestärkt, dass Gott sein Versprechen hält und seine Schöpfung heilt, hält und rettet.

Eine Playmobil-Krippe in Corona-Zeiten

Dass die Lukas Geschichte weiterhin populär ist und intuitiv verstanden wird, erkennt man daran, dass sie trotz vieler Vorbehalte gegen das Christentum in den Familien tradiert wird. Die großen feierlichen Gottesdienste verlieren an Attraktivität, die Krippenfeiern aber sind dort, wo sie ohne Coronarisiko gefeiert werden können, der Gottesdienst für die ganze Großfamilie: Papa, Mama, Opa, Oma und natürlich die Kinder. Und wenn auch in den meisten Familien das Kreuz nicht mehr im Wohnzimmer hängt, weil man sich vom christlichen Glauben entfremdet hat, so stellen doch noch viele zu Weihnachten eine Krippe auf, sei es aus Holz, Ton oder in einer Playmobil-Version.

Maria, selbstlose Liebe und das Leben

Lukas hat in seiner Geschichte der Geburt Jesu einen ganz niedrigschwelligen Zugang zum Glauben geschaffen. Diese Art von Gott zu erzählen, ist ganz im Sinne Jesu, der ja auch mit Bildern und Geschichten aus dem alltäglichen Leben erklärt, wer Gott ist.

Er wird sagen, dass Gott wie ein guter Vater ist und wir seine geliebten Kinder. Er wird das Reich Gottes mit einer Frau vergleichen, die Geld verloren hat, oder mit einem Handlungsreisenden, der am Weg ein zusammengeschlagenes Opfer eines Raubüberfalls findet. Er wird viel von selbstloser Liebe sprechen, die Sinn schenkt und das Leben lebenswert macht. Später wird man in den Kirchen nicht nur Kreuze aufhängen, um an Jesu Tod und das Geheimnis der Auferstehung zu erinnern, sondern auch die Figur einer Frau, einer Mutter mit Kind, aufstellen, weil gerade eine solche Darstellung selbstlose Liebe zeigt, ohne viel erklären zu müssen.

Leuchtende Augen

Weihnachten nach Lukas ist das Gegenteil von intellektuellem Erklären. Wer die leuchtenden Augen von Eltern kennt, die ihr neugeborenes Kind betrachten, weiß, dass es von dort nicht mehr weit ist, zur Einsicht, dass hinter den Dingen Gott steht. Wer die Welt und Gott so neu entdeckt, für den gibt es eine frohe Weihnacht - mit oder ohne Geschenke.

Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas (2,1-20); Einheitsübersetzung von 2016
stern

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