Sommerserie Zukunftsthemen (1)

Was der Aalener Gemeinderat vom neuen OB Frederick Brütting erwartet

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Frederick Brütting am Wahlabend im großen Sitzungssaal des Aalener Rathauses. Ab Oktober wird er als neuer OB der Vorsitzende des Gemeinderats.
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Klimaschutz, mehr Transparenz und kürzere Sitzungen: Diese Hoffnungen setzen die Fraktionsvorsitzenden im Aalener Gemeinderat in Frederick Brütting. 

Der noch amtierende OB Thilo Rentschler hat einen schweren Stand im Gemeinderat. Er gilt als einer, der viele Projekte vorangebracht hat. Und als einer, der dabei oft zu schnell vorangeprescht ist und manchmal vergessen hat, Bürgerinnen und Bürger oder den Gemeinderat mitzunehmen. Immer wieder haben ihn die Rätinnen und Räte dafür kritisiert. Der Spitzname Turbo-Thilo kommt nicht von ungefähr. Zur Wahl im Juni ist er nach einer Amtszeit dann nicht mehr angetreten. Die Aalerinnen und Aalener haben im ersten Wahlgang Frederick Brütting mit über 70 Prozent zu ihrem neuen Oberbürgermeister gewählt. Im Oktober wird er das Amt übernehmen. Dazu gehört auch, die Sitzungen des Gemeinderats zu leiten. Wir haben die Fraktionssprecher gefragt: Was erhoffen Sie sich vom neuen OB Frederick Brütting?

Michael Fleischer (Grüne): „Keine Politik von oben nach unten im Schnelldurchgang.“

Michael Fleischer

„Frederick Brütting hat vor der Wahl angekündigt, mit ihm werde es keine Politik von oben nach unten im Schnelldurchgang geben, sondern Projekte, die gemeinsam von Gemeinderat und Bürgerschaft getragen werden. Nach den Erfahrungen aus Heubach sehe ich dafür eine gute Chance. Ich gehe davon aus, dass Brütting einen durchaus zielorientierten, aber kooperativen Führungsstil pflegen wird. Eine offene und ehrliche Kommunikation ist dafür Voraussetzung. Im Rathaus erwarte ich einen wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der deren Kreativität fördert und ihre Stärken zum Wohle der Stadt nutzt. Inhaltlich setze ich darauf, dass der neue OB die nachfolgenden Generationen mehr im Blick hat. Ich denke, er hat verstanden, dass es beim Klimaschutz um unsere Lebensgrundlagen geht und auch Durchsetzungsfähigkeit gefordert ist, wenn das in der Tagespolitik aus dem Fokus gerät.“

Thomas Wagenblast (CDU): „Gründlichkeit vor Schnelligkeit, Verlässlichkeit vor Vorauseilen.“

Thomas Wagenblast

„Die CDU-Fraktion wird die Hand zur konstruktiven Zusammenarbeit mit dem neuen OB ausstrecken. Das erwarten die Bürgerinnen und Bürger von uns. Vom neuen OB wünschen wir uns Gründlichkeit vor Schnelligkeit, Verlässlichkeit vor Vorauseilen, Gemeinsam agieren – nicht einsam entscheiden. Zwei Beispiele: Nach der Pandemie muss der Zusammenhalt in der Gesellschaft wieder wachsen, dazu braucht es Begegnungsmöglichkeiten – vor allem bei den Vereinen und im Ehrenamt. Die von der Verwaltung ad hoc angestrebte Kürzung der Übungsleiterpauschale war genau das Gegenteil, deshalb wurde sie einhellig abgelehnt. Bei den Finanzen ist uns eine genaue Überprüfung geplanter Investitionen wichtig: In der Vergangenheit wurden ehrgeizigste Programme im Haushalt aufgestellt und am Jahresende blieben regelmäßig Millionen Euro übrig, die ins nächste Haushaltsjahr übertragen wurden. Hier fordern wir mehr Augenmaß.“

Hermann Schludi (SPD): „Einen wertschätzenden Umgang in den Gremien.“

Hermann Schludi

„Von unserem zukünftigen neuem OB erhoffen und erwarten wir uns eine gute Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und einen wertschätzenden Umgang in den Gremien. In den nächsten Jahren geht es darum, unsere Stadt mit ihren Teilorten gemeinsam zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Dabei gilt es insbesondere, den sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen. Nur gemeinsam als Gemeinderat mit unserem OB können wir die anstehenden Veränderungen in der Altersstruktur unserer Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Digitalisierung mit dem einhergehenden technologischen Wandel und vor allem auch die sozial gerechte Gestaltung des Klimawandels in Aalen angehen. Dafür erhoffen wir uns auch konstruktive, effiziente Sitzungen, die den Fokus weniger auf Berichte oder persönliche Befindlichkeiten des Gemeinderates legen und dafür unsere Stadt wieder in den Vordergrund rücken.“

Thomas Rühl (Freie Wähler): „Wir wollen kürzere Sitzungen.“

Thomas Rühl

„Eine Erwartung an den neuen Oberbürgermeister ist, dass er die beschlossenen Baumaßnahmen rasch zu Ende bringt, bevor die steigenden Baukosten diese Projekte verunmöglichen. Wir erwarten, dass der neue OB nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tut, sondern erst nach Abstimmung im Gemeinderat Lösungen zusagt. Wir erwarten von ihm, dass er der Ausschussarbeit zu mehr Verbindlichkeit verhilft, so dass nicht alles ein zweites mal im Gemeinderat diskutiert werden muss. Hier muss er zumindest zwei Fraktionen in die Dauerparade fahren. Wir wollen kürzere Sitzungen und erwarten daher vom neuen OB, dass er nicht zu jeder Wortmeldung einen langen Kommentar abgibt. Und wir erwarten eine gute Zusammenarbeit mit den beiden Bürgermeistern und dem Gemeinderat. Mit dem Neustart sollten wieder die Nachsitzungen eingeführt werden, die immer sehr zur Befriedung des Gemeinderats beigetragen haben.“

Norbert Rehm (FDI): „Transparenz, Respekt und Ehrlichkeit stehen oben an.“

Norbert Rehm

„Die Erwartungen sind nach den schlechten Erfahrungen mit dem Vorgänger groß: Transparenz, Respekt und Ehrlichkeit stehen oben an. Rentschler verlässt die Brücke in ungeordnetem Zustand. Bauvorhaben sind gigantomanisch angelegt und unterfinanziert. Brütting muss neue Prioritäten setzen. Er muss Kassensturz machen, Rentschler hat sich übernommen. Durch Corona sind die Ausgaben gestiegen und die Einnahmen eingebrochen. Für eine realistische und zukunftsorientierte Finanzpolitik hat er meine Fraktion an seiner Seite. Wenn er will. Brütting muss den Sachverstand der qualifizierten Mitarbeiter der Stadt und der städtischen Betriebe annehmen und fördern. Hoffentlich kommt es wieder zu einem respektvollen Umgang aller Beteiligten. Allen Gästen begegnen wir in Aalen mit Offenheit und Toleranz. Dies erwarten wir auch vom neuen obersten Bürger der Stadt und seinen Unterstützern. Glück auf.“

Dr. Frank Gläser (AFD): „Dass er Meinungsvielfalt mit ergebnisoffener Diskussion fördert.“

Dr. Frank Gläser

„Herr Brütting ist demokratisch gewählt und damit Oberbürgermeister aller Aalener Bürger. Die große Mehrzahl der im Gemeinderat anfallenden Entscheidungen hat mit Parteipolitik wenig bis nichts zu tun, sondern ist Gegenstand vernünftiger Abwägungen, bei denen oft Befürworter und Ablehner im Inneren gar nicht weit auseinander liegen. Vom neuen OB erwartet die AfD, dass er die Amtsgeschäfte ordnungsgemäß weiterführt, alle im Gemeinderat tätigen Parteien als demokratisch legitimiert behandelt, eine Meinungsvielfalt mit ergebnisoffener Diskussion fördert und sich mit dem nicht immer einfachen Gemeinderat arrangieren kann. Er tritt eine nicht leichte Aufgabe mit weitgehend ausgeschöpften finanziellen Reserven und dadurch erheblich eingeschränkten Handlungsspielräumen an.“

Christa Klink (Linke): „Die Einrichtung eines Jugendgemeinderats.“

Christa Klink

„Ich erhoffe mir: mehr Engagement der Stadt zur Schaffung von bezahlbaren, guten Wohnungen. Stärkere Anforderung an Kreis-, Landes-, und Bundespolitik für bessere, günstigere Angebote im Bahn-, Bus- und Ruftaxiverkehr, auch für außenliegende Wohngebiete. Schaffung sozialer Treffpunkte für Alt und Jung in allen Stadtteilen, ohne Konsumzwang. Die Einrichtung eines Jugendgemeinderats. Jugendliche haben dies schon vor Monaten beantragt und wollen demokratische Beteiligung. In Heubach scheint das zu klappen, das lässt hoffen. Straßenausbau und zunehmender KFZ-Verkehr in Wohngebieten müssen verhindert werden. Mehr Unterstützung für die Natur in unseren Schutzgebieten, bevor sie weiter unter die Räder des Freizeit- und Wachstumsdrucks kommen. Stärkere Beteiligungsrechte für Naturschutzverbände und -initiativen in der Stadtpolitik. Blühstreifen sind schön, aber für Natur- und Artenschutz erhoffe ich mehr.“

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