Was die Aalener Polizei an Brennpunkten unternehmen will

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Seit knapp vier Monaten ist James Smith der Revierleiter der Polizei in Aalen.
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Seit knapp vier Monaten leitet James Smith das Polizeirevier Aalen. Im Interview spricht er darüber, was ihm bei der neuen Aufgabe wichtig ist.

Aalen

Das Polizeirevier Aalen ist nicht nur für Aalen, sondern auch für Abtsgmünd, Essingen, Hüttlingen, Lauchheim, Neresheim, Oberkochen und Westhausen zuständig. Der frühere Leiter, Hans Buchinger, ist in den Ruhestand gegangen. Seit 1. April hat das Revier nun einen neuen Chef: James Smith. Im Interview spricht er darüber, was ihn überrascht hat, welche Aufgabe er als erstes angeht und wie er täglich zur Arbeit kommt.

Herr Smith, Feste, Kulturveranstaltungen, sportliche Wettbewerbe: Ganz schön viel zu tun für die Polizei dieser Tage.

James Smith: Ich bin ein bisschen überrascht von den vielen Veranstaltungen und von der hohen Einsatzbelastung. So schön es ist, dass die Lockerung der Corona-Maßnahmen öffentliche Veranstaltungen zulassen, heißt es doch für die Kolleginnen und Kollegen im Moment oft, zum Dienst zu kommen, obwohl sie eigentlich frei hätten.

Was leistet die Polizei bei Veranstaltungen?

Wir sind Garant für einen störungsfreien Ablauf, immer in Abstimmung mit den Veranstaltern. Wir müssen Kräfte einsetzen, wenn es zu Störungen kommt. Vergangenes Wochenende war das Kreisfeuerfest in Westhausen. Den Festzug am Sonntag haben wir begleitet und entsprechende Verkehrsmaßnahmen getroffen. Vor Kurzem war Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu Besuch im Kreis, da haben wir mit für seine Sicherheit gesorgt. Hier haben wir aber auch in Abstimmung mit der Stadt das Recht auf die Versammlungsfreiheit gewährleistet von Menschen, welche mit den Maßnahmen der Landesregierung aktuell nicht einverstanden sind. Bei allem, was in der Öffentlichkeit stattfindet, sind wir regelmäßig miteinbezogen und werden auch um Rat gefragt.

Bräuchten Sie mehr Kolleginnen und Kollegen, um das alles stemmen zu können?

Mehr Kolleginnen und Kollegen sind immer wünschenswert. Aber dadurch, dass wir Lagebild- und Brennpunkt orientiert und damit zielgerichtet vorgehen, würde ich sagen: Es passt momentan.

Was unternehmen Sie an bekannten Brennpunkten?

Der Polizei ist die Sicherheit im öffentlichen Raum sehr wichtig. Dabei geht es auch um das subjektive Sicherheitsempfinden, wenn sich Bürgerinnen und Bürger an einer Stelle nicht wohl, nicht sicher fühlen. Da haben wir eine Einsatzkonzeption entwickelt, wie andere Reviere im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen auch, um Brennpunkte gezielt angehen zu können, damit sich die Bürgerinnen und Bürger weiterhin wohl und sicher fühlen. Das ist einer meiner Schwerpunkte.

Wo sind die Brennpunkte in Aalen?

Wir wissen, wo die Brennpunkte sind, und wir wissen, zu welcher Uhrzeit es dort zu Vorfällen kommt. In der Helferstraße haben wir eine Partymeile, die mit vielen Begleitdelikten einhergeht. Dort kommt es zu Ruhestörungen, Ordnungsstörungen und Vermüllung, aber auch zu Straftaten. Und zu später Stunde hat hier Alkohol eine enthemmende Wirkung. Und von Jahr zu Jahr steigt die körperliche und verbale Gewalt gegen Kolleginnen und Kollegen.

Was ist mit dem Bahnhof?

Der Bahnhof – wie in jeder anderen Stadt dieser Größe – bringt verschiedene Ordnungsstörungen und Begleitdelikte mit sich. Man trifft sich an diesem zentralen Ort, auch Alkohol spielt eine Rolle. Das ist nicht außergewöhnlich, man muss es aber angehen.

Wie gehen Sie das an?

Allein die Anwesenheit von Kolleginnen und Kollegen wirkt schon. Auch daher wäre es wünschenswert, mehr Kolleginnen und Kollegen zu haben, um noch mehr Präsenz zeigen zu können. Es geht um die Sicherheit und Ordnung. Das wird eine Polizei nie allein leisten können. Es geht nur im Schulterschluss. Mit der Stadt Aalen sind wir bereits im Gespräch. Kooperationen sind auch denkbar mit der Bundespolizei, die für Bahnanlagen zuständig ist, Stichwort Bahnhof, aber auch runde Tische, um unter anderem die Bedürfnisse der Gewerbetreibenden im Blick zu behalten. Im Übrigen ist mir hier, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Polizeireviers, das offene und konstruktive Miteinander wichtig.

Sie haben beruflich schon viel Erfahrung gesammelt. Unter anderem waren Sie Leiter des Polizeireviers in Winnenden. Wie unterscheidet sich Ihre neue Aufgabe in Aalen davon?

Jedes Polizeirevier hat seine eigenen Belastungsfaktoren und Besonderheiten. Winnenden ist eine Gesundheitsstadt. Dort ist das Zentrum für Psychiatrie. Kolleginnen und Kollegen müssen dort mit noch mehr Einfühlungsvermögen mit Menschen umgehen, insbesondere auf Bewohnerinnen und Bewohner des Zentrums für Psychiatrie. Die Einsatzbelastung war in Winnenden nicht ganz so hoch. Aalen hat ja auch mehr Einwohner und Winnenden keinen VfR.

Was ist Ihr Ausgleich zur Arbeit?

Als Ausgleich fahre ich mit dem Rad von Gmünd, wo ich wohne, nach Aalen zur Arbeit. Auf dem Fahrrad habe ich oft die besten Ideen.

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