Was die Narren in Coronazeiten planen

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Gewöhnliche Faschingsveranstaltungen sind zur Zeit undenkbar. Wie Aalener Faschingsvereine mit der Situation umgehen und was sie in der kommenden Saison vorhaben.

Aalen

Eingehakte Gardetänzerinnen, gemeinsames Schunkeln, Umzüge mit Menschenmassen, dicht an dicht – Fasching wie man ihn kennt lässt sich unter den derzeitigen Voraussetzungen kaum umsetzen. Aalener Faschingsvereine berichten, wie es ihnen mit der Situation geht und wie sie die kommende Saison planen. Aalener Fasnachtszunft: "Ich könnte mir Veranstaltungen in einem kleinen Rahmen vorstellen", so Gerhard Luley, Vizepräsident der Aalener Fasnachtszunft (AFZ). Aber man müsse abwarten. "Welcher Ort, welcher Verein, will schon in der Fasnacht als Coronaherd bezeichnet werden?"

Luley selbst ist der Meinung, dass Faschingsveranstaltungen aufgrund des Coronaausbruchs im Kreis Heinsberg schon "coronabehaftet" seien – sodass sie in der kommenden Saison ohnehin gemieden werden.

Und: "Innenveranstaltungen wie eine Prunksitzung unter Coronabedingungen sind kaum machbar", sagt Luley. "Auf eineinhalb Meter Abstand schunkeln sieht nicht nur blöd aus, sondern macht auch keinen Spaß."

Eine Tendenz, ob und wie Veranstaltungen stattfinden, könne Luley für die AFZ aber noch nicht geben. Am 8. Oktober treffen sich Vorstand und Beirat der Zunft noch einmal – dann sollen die nächsten Schritte beraten werden. Oschtalb Ruassgugga: Die Ruassgugga haben vergangene Woche mit ihren Proben losgelegt. "So wie in jeder anderen Saison auch", sagt der Vorsitzende Jochen Gerber. "Wir planen die Saison erstmal ganz normal – wenn auch unter Vorbehalt."

Denn davon, dass die kommende Saison wie gewohnt stattfinden kann, gehe bei den Oschtalb Ruassguagga niemand aus. Denn gerade die "interessanten und schönen" Sachen – wie ein Ballabend – seien unter Coronavorschriften nicht umsetzbar. Dass die Proben dennoch stattfinden, habe einen anderen Grund, wie Gerber erläutert: "Wir wollen das Vereinsleben am Leben zu halten."

Finanziell sei der Verein mit einem "blauen Auge davon gekommen" – sollte die Coronapandemie nur diesen Winter treffen. "Wir haben kommende Saison keine eigenen Veranstaltungen und kein neues Häs." Ein neues Häs gibt es bei den Ruassgugga alle zwei Jahre. "Aber wir hoffen, dass dennoch irgendwie Veranstaltungen stattfinden können", sagt Gerber. Sauerbachnarren Hofherrnweiler: Große Veranstaltungen der Sauerbachnarren Hofherrnweiler wird es in der kommenden Saison nicht geben. "Wenn man was Großes machen will, ist es nach den Sommerferien eigentlich schon zu spät, um mit der Planung anzufangen", sagt Vorsitzender Ingo Ulmer.

Wenn man das schon 20, 30 Jahre macht, ist so ein Ausfall schon schlimm.

Ingo Ulmer Vorstand Sauerbachnarren

Und Planen ohne eine eindeutige Ansage sei schwer. "Aber die Faschingsvereine sprechen sich untereinander ab", ergänzt Ulmer. Im November wollen sich die Ostalb-Präsidenten noch einmal treffen. Ulmer hofft, dann eine finale Entscheidung fällen zu können.

Auch für ihn käme im Zweifel eine kleinere Veranstaltung für Mitglieder, ohne die Öffentlichkeit, in Frage. Denn, so erläutert er: "Wenn man das schon 20, 30 Jahre macht, ist so ein Ausfall schon schlimm."

Schludda Gugga Wasseralfingen: Auch das Proben bei den Schludda Gugga Wasseralfingen gestaltet sich schwierig, wie es aus dem Vorstand heißt. Die Doppelgarage, in der die Narren normalerweise üben, sei in Hinblick auf die Einhaltung des Sicherheitsabstands zu klein.

Ohne Corona hätten die Proben eigentlich in dieser Woche begonnen. Zum jetzigen Zeitpunkt seien keine Veranstaltungen geplant und Einladungen wurden abgesagt. Nichtsdestotrotz stehe die Idee im Raum, eine Veranstaltung im kleineren Rahmen zu planen. Am Wochenende möchten sich die Beteiligten jedoch noch einmal treffen, um die Situation zu besprechen. Schlosshexen Fachsenfeld: Der Vorsitzende Bernd Märkle sieht begrenzte Möglichkeiten für faschingsveranstaltungen während Corona. "Bei den Umzügen wird's schwierig." Denn Besucherzahlen und Abstände seien dabei kaum kontrollierbar. Aber für ihn käme eine vereinsinterne Veranstaltung ohne großes Publikum in Frage. "Sofern der Fasching nicht komplett verboten wird, wäre das möglich."

Doch ohnehin erschwert auch bei den Schlosshexen Corona das Proben. Normalerweise finde im Oktober ein externes Probenwochenende statt. "Mal abwarten, ob wir das in diesem Jahr durchführen können", sagt Märkle.

Fasnacht: bundesweite Absage möglich

Eine bundesweite Absage von Faschingsveranstaltungen steht seit August im Raum. Medienberichten zufolge soll Gesundheitsminister Jens Spahn sich dafür bei einer Telefonkonferenz des Gesundheitsausschusses ausgesprochen haben. "Ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie, schlicht nicht vorstellen", so Spahn. Eine offizielle Absage von Bund oder Ländern gibt es bisher nicht. rr

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