Was die Räte zum Albaufstieg sagen

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Die Ebnater Steige (oben) soll im bebauten Bereich einen "grünen Deckel" bekommen. Die Pulverturmtrasse (unten) könnte die Trassen zu den Windanlagen nutzen. Gestrichelt eingezeichnet sind die fehlenden Verbindungen, so wie sie sich die Bürgerinitiative Unterkochen vorstellen kann. Grafik: ca/
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Die Fraktionen im Aalener Gemeinderat legen ihre Positionen rund um die Ebnater Steige und Pulverturmtrasse dar. Auch Alternativen werden ins Spiel gebracht.

Aalen. Kontrovers diskutieren die Aalener seit Jahren das Thema Albaufstieg. Nun, da die Ebnater ihre Nordumfahrung bekommen, bleibt die Frage, wie die Unterkochener entlastet werden können von Autos und Lastwagen, die durch den Ort rollen. Bewegung kam zuletzt in die Debatte, als die Stadtverwaltung einen "grünen Deckel" für die Ebnater Steige in Unterkochen vorschlug und zugleich die Pulverturmtrasse als alternativen Albaufstieg ins Spiel brachte. Eine Machbarkeitsstudie für eine urbane Seilbahnverbindung von Ober- und Unterkochen auf die Alb – einen Vorschlag der Grünen – hat der Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt.

Die SchwäPo hat alle Fraktionen und Gruppen im Gemeinderat gefragt:

Thomas Wagenblast (CDU):

Wir freuen uns für Ebnat, dass nach Jahrzehnten des Wartens die Nordumfahrung definitiv kommt und damit ein wichtiger Baustein für einen Ausbau der Strecke von der Autobahn A7 nach Unterkochen. Bei allen Diskussionen um den Albaufstieg in Unterkochen darf eines nicht vergessen werden: Im aktuellen Bundesverkehrswegeplan – dem wichtigsten Rahmenplan des Bundes für die integrierte Verkehrspolitik – wird mit dem bestehenden Albaufstieg geplant. Wir stehen zum Positionspapier für einen Mobilitätspakt zwischen Aalen und Heidenheim und damit zur Forderung der vorgesehenen Troglösung in der Tallage von Unterkochen. Das geplante grüne Dach berücksichtigt Lärm-, Natur- und Landschaftsschutz. Die sogenannte Pulverturmtrasse soll ergebnisoffen geprüft werden. Andere Infrastruktur-Lösungen, wie eine Seilbahn aufs Härtsfeld, sieht die CDU nicht.

Michael Fleischer (Grüne):

Die Tieferlegung des Albaufstiegs durch Unterkochen mit einem Deckel bringt teilweise eine Lärmentlastung. Bezahlen muss Trog und Deckel aber die Stadt. Wir würden das dennoch unterstützen, aber nur zweispurig. Entscheidend aber ist eine Reduzierung des Kfz-Verkehrs. Auf unseren Antrag wird die Regiobuslinie von Neresheim nach Aalen kommen. Mit der Pulverturmtrasse wird Bauernfängerei betrieben. Sie führt von SMT in Oberkochen zu den Windrädern, löst sich danach aber in Luft auf. Verschwiegen wird, dass diese Straße durch ein FFH-Gebiet geschlagen und durch Ebnat zur Autobahn geführt werden müsste. Folge: Enorme Eingriffe in die Natur und sehr hohe Kosten. Deshalb fordern wir: Denken wir Mobilität neu! Wir hätten gerne die Pulverturmtrasse und eine moderne Seilbahn hinsichtlich Entlastungswirkung, Wirtschaftlichkeit und Ökobilanz untersuchen lassen. Schade, dass dieser Faktencheck nicht kommt.

Hermann Schludi (SPD):

Um eine Verkehrsreduzierung herbeiführen zu können, sind Maßnahmen in der Verbesserung des ÖPNV, Werksbusse und Fahrgemeinschaften notwendig. Dadurch kann die Anzahl der tatsächlichen Fahrzeugmenge reduziert werden. Die Variante Pulverturmtrasse würde die Möglichkeit eröffnen, Verkehrsströme aufzuteilen und somit eine Entlastung der Zufahrten über Unterkochen und Königsbronn zum Gewerbegebiet Oberkochen ermöglichen. Durch die Erstellung des Mobilitätspakts der Landkreise Ostalbkreis und Heidenheim haben zum ersten Mal Gespräche aller beteiligten Städte und Gemeinden auf der B19-Achse stattgefunden. Das ist aus unserer Sicht der richtige Weg. Denn nur durch eine überregionale Betrachtung und Analyse der Verkehrsströme kann in der schrittweisen Umsetzung eine tatsächliche Entlastung für alle Bürgerinnen und Bürger erreicht werden.

Thomas Rühl (Freie Wähler):

Wir möchten eine schnellstmögliche Verbesserung für die Unterkochener. Aufgrund der am weitesten fortgeschrittenen Planung ist dies die Tieferlegung und Überdachung der Ebnater Steige entlang der Wohnbebauung. Dies bedeutet für die Bürger eine deutliche Verbesserung beim Lärmschutz. Die Zuwegungen, die über das begrünte Tunneldach führen werden, bringen auch eine bessere Anbindung des Wohngebietes an den Ortskern. Die Überlegungen wieder auf null zurücksetzen zu wollen, wird bei Land und Bund nur dazu führen, dass auf weitere Jahrzehnte hinaus nichts geschieht. Die Initiativen in Unterkochen haben insofern recht, als der Verkehr auf Dauer aus der Ortschaft herausgehalten werden muss. Daher muss zusätzlich nach weiteren Möglichkeiten des Albaufstiegs gesucht werden. Der Ausbau der Pulverturmtrasse scheint dabei die beste Option – auch wegen des Landschaftsverbrauchs.

Ilse Schmelzle (FDI):  

Die derzeitige Situation in Unterkochen ist sehr unbefriedigend. Auch wenn die Ebnater Steige untertunnelt wird, muss doch der ganze Verkehr durch Unterkochen fahren. Also: Ausbau der Ebnater Steige nützt nichts! Die Pulverturmtrasse wäre für den Berufspendlerverkehr absolut ideal – wenn wir dafür das Placet erhalten. Das dauert aber wahrscheinlich zu lange. Eine Möglichkeit für Unterkochen weniger Verkehr zu haben, wäre, die Ortsdurchfahrt nur für Anlieger zu öffnen. Die Verkehrsteilnehmer, die nach Ebnat wollen, müssen dann von der B19 nach Unterkochen zur Anschluss-Kreuzung nach Ebnat fahren. Das wäre die schnellste Entlastung. Für die Zukunft muss dringend der ÖPNV und der Werksverkehr verbessert werden. Außerdem muss die Brenzbahn zweigleisig und elektrifiziert ausgebaut werden plus einer zusätzlichen Haltestelle zwischen Oberkochen und Königsbronn.

Dr. Frank Gläser (AfD):

Dieses Thema beschäftigt die Stadt und die Bürger bereits seit Jahren. Ein erster möglicher Schritt könnte sein, all die Sondergenehmigungen zurückzunehmen, die es so manchem Schwerlaster erlauben, die Ebnater Steige zu befahren. Zur Diskussion stehen mehrere Lösungsansätze. Neben der Ertüchtigung der Ebnater Steige samt teilweiser Tunnelung steht die Frage eines weiteren Autobahnzubringers im Raum. Die Pulverturmtrasse ist eine der beiden schon früher diskutierten Möglichkeiten. Das schiene uns die beste Lösung, würde die Verkehrssituation in Unterkochen, aber auch in Ebnat deutlich entlasten, ist aber verwaltungstechnisch sehr problematisch. Stichwort: Eigentumsverhältnisse.

Christa Klink (Linke):   Der Pkw-Verkehr muss mit attraktiven ÖPNV-Angeboten reduziert werden: preiswerter, flächendeckend, Anruf-Sammeltaxi, barrierefrei, Bus-Spur, gute Taktung und Anschlüsse. Mehr Engagement für betrieblichen Werksverkehr, Gütertransporte verstärkt auf die Schiene – gefordert sind Bundes- und Landespolitik. Kein Ausbau der Ebnater Steige, denn die zusätzliche Fahrbahn zieht noch mehr Kfz-Verkehr nach Unterkochen. Die Menschen haben Anspruch auf eine Ortsumfahrung und Gesundheitsschutz. Die Pulverturmtrasse ist ökologisch fragwürdig, da die Querung des FFH-Gebiets fünf bis zehn mal länger ist als bei folgenden Alternativen: die 6f-Trasse vom Römerkeller nach Nietheim oder Ebnat, Tunnelvarianten von der Ebnater Steige im Wald ab Wanderparkplatz beziehungsweise oberhalb der starken Steigung, Tunnel maximal 1000 Meter lang unter dem FFH-Gebiet. 

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