Was Johannes Gentner der Stadt Aalen vorwirft

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Das Areal Gentner Westside im Industriegebiet West.
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Der Eigentümer von Gentner Westside beschuldigt die Stadtverwaltung, den Aalener Gemeinderäten wichtige Informationen vorzuenthalten.

Aalen

Der Stachel sitzt tief: Johannes Gentner, Eigentümer und Betreiber der Westside Shopping World (früher Gentner Westside) ist maßlos enttäuscht über das Vorgehen der Aalener Stadtspitze. Dieser wirft er vor, wesentliche Informationen bewusst unter der Decke zu halten, um eine möglichst schnelle und reibungslose Zustimmung des Gemeinderats zu erwirken.

Gentner: „Der Aalener Gemeinderat will am kommenden Donnerstag, 31. März, über die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans für das Areal unseres Einkaufszentrums entscheiden, damit Sortimente, die in direkter Konkurrenz zum innerstädtischen Angebot stehen, wie Bekleidung und Schuhe, hier bei uns künftig nicht mehr angesiedelt werden dürfen. Gleichzeitig aber wurden den Räten bedeutende Informationen vorenthalten, die für die Entscheidungsfindung wichtig sind.“ Für Gentner ist der Fall daher klar: „Die Stadt Aalen muss den Punkt von der Tagesordnung des Gemeinderats nehmen und vertagen.“

Eine Auswirkungsanalyse: Wie Johannes Gentner jetzt bekannt gibt, habe er auf Empfehlung des Aalener Baubürgermeisters Wolfgang Steidle im vergangenen Jahr eine Auswirkungsanalyse für sein Einkaufszentrum im Westen der Stadt in Auftrag gegeben. Ziel und Zweck dieser Analyse sei es gewesen, herauszufinden, welche Auswirkungen der von ihm, Johannes Gentner, angestrebte Neubau mit den Sortimenten Lebensmittel, Bekleidung, Elektronik und Backwaren im Dauerwang I sowie die Umsiedelung des Modeparks Röther auf die Aalener Innenstadt haben würde. Wie Gentner weiter berichtet, habe Steidle damals gesagt, er bräuchte, ergänzend zum Acocella-Einzelhandelsgutachten der Stadt Aalen, eine wissenschaftliche Analyse über die Auswirkungen des Gentner Westside auf die Aalener Innenstadt. Die Ergebnisse wolle er dem Gemeinderat vorstellen. Das sei bis jetzt noch nicht geschehen. Gentner: „Somit wäre das Gutachten für die Tonne.“

Der Hintergrund: Die Aalener Filiale des Modeparks Röther mit ihren rund 6000 Quadratmetern Verkaufsfläche in der Wilhelm-Merz-Straße steht vor großen Veränderungen, weil die Stadt Aalen dort in Innenstadtnähe ein Sanierungsgebiet ausgewiesen hat. Der Fokus liegt auf verdichtetem Wohnbau. Die Stadt will den Modepark zwar innenstadtnah am jetzigen Standort halten. Allerdings, so ist aus dem Rathaus zu vernehmen, mit deutlich geschrumpfter Verkaufsfläche. Michael Röther, Geschäftsführer des Modeparks, sieht dadurch die Wirtschaftlichkeit seiner Aalener Filiale massiv gefährdet. Deshalb favorisiert er zwei Alternativlösungen: entweder die Umsiedelung der Aalener Filiale ins Gentner Westside, oder die Schließung des Aalener Standorts und eine gleichzeitige Stärkung seiner Schwäbisch Gmünder Filiale.

Gemeinsames Gespräch mit der Aalener Stadtverwaltung: Vor einem Jahr haben Gentner und Röther das gemeinsame Gespräch mit der Aalener Stadtverwaltung gesucht, so Johannes Gentner. Dabei habe Bürgermeister Wolfgang Steidle angeregt, dass Gentner eine Auswirkungsanalyse seines geplanten Neubaus im Dauerwang I auf die Innenstadt erstellen lassen soll. Seit 22. Oktober 2021 liege das Ergebnis dieses Gutachtens vor. Dessen Kosten, ein Betrag in fünfstelliger Höhe, habe Gentner selbst gezahlt, wie mit Steidle vereinbart. Am 21. Februar 2022, bei einem weiteren Treffen mit der Rathausspitze, habe Gentner das Ergebnis des Gutachtens dann der Stadtverwaltung übergeben. „Vorher war coronabedingt kein gemeinsamer Termin möglich“, berichtet Gentner.

Das Ergebnis des Gutachtens: Von Gentner beauftragt wurde die CIMA Beratung + Management GmbH mit Sitz in München. Die 75 Seiten umfassende Analyse belegt, dass Modepark Röther im Westside keine negativen städtebaulichen Auswirkungen für Aalen und die Innenstadt zu Folge habe, so Gentner. Wörtlich heißt es in dem CIMA-Papier: „Die Ziele und Vorgaben des kommunalen Einzelhandelskonzepts der Stadt Aalen 2019 (Acocella-Gutachten) stehen grundsätzlich im Einklang mit der Planung.“ Zumal es sich bei Mode Röther und der angedachten Umsiedlung des Media Markts und eines Lebensmitteldiscounters ausschließlich um Verlagerungsobjekte handele.

Den Standpunkt der Stadt Aalen hatte uns OB Frederick Brütting bereits vor zehn Tagen geschildert: Brütting kann in der Umsiedlung des Modeparks Röther hinaus ins Westside keinen zusätzlichen Mehrwert für die Stadt Aalen erkennen. Er bekennt sich aber klar zu Modepark Röther in Aalen. Und zwar auch künftig am Standort Wilhelm-Merz-Straße, weil dann die Innenstadt von den Kunden profitiere, die den Modepark besuchen. Aber er lässt auch durchblicken: Für den Modepark gelten dann neue Bedingungen, etwa was die Größe der Verkaufsfläche oder die seither kostenfreien Parkplätze anbelange. Die Alternative, eine Verlagerung des Modeparks Röther ins Westside steht für den OB nicht zur Disposition. „Je weiter sich Röther von der Innenstadt wegbewegt, desto mehr schwindet der Mehreffekt für den Einkaufsstandort Innenstadt.“

„Letztlich bestimmt der Kunde, wo er einkauft“

  • Bobby Krapp, der seit 38 Jahren die Sportbörse im Gewerbegebiet West erfolgreich betreibt, hat sich am Dienstag telefonisch an die SchwäPo gewandt. Ausschlaggebend war die von Michael Röther (Modepark Röther) in der SchwäPo angekündigte Option, den Standort Aalen möglicherweise aufgeben zu wollen. Krapp ist außer sich: „Wie kann man so weit gehen, ein erfolgreiches Unternehmen, das ein Magnet ist, ziehen zu lassen?“ Die aus städtischer Sicht und bestärkt vom Acocella-Einzelhandelsgutachten stets thematisierte Konkurrenz der vor den Toren der Stadt angesiedelten Unternehmen zur Innenstadt sei „verstaubtes Denken“. „Wir müssen doch an einem Strang ziehen!“ Die Innenstadt habe nur kleinere Verkaufsflächen zu bieten. Zu wenig für ein Unternehmen mit einer Verkaufsfläche von knapp 6000 Quadratmeter. „Letztlich bestimmt der Kunde, wo er einkauft. Was hält die Stadt davon ab, einen Buspendelverkehr einzurichten, zwischen Westside und Innenstadt?“ fragt Krapp.

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