Was „Leib & Seele“ zusammenhält

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Inhaber Vincze Juhas und Meike Koch hinter der Bartheke, die "Leib und seele" vom früheren Warsteiner Treff übernommen hat.
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Vor acht Jahren hat Vincze Juhas in der Beinstraße 34 eine Mischung aus Restaurant und Bar eröffnet. Was daraus geworden ist und welche Auszeichnung es erhalten hat.

Aalen

Es ist selten ein Zufall, der die Gäste in dieses etwas abseits des Kundenstroms gelegene Lokal in der Aalener Innenstadt führt. Nein, hierher kommt man nicht einfach so beim Schaufensterbummel vorbei. Wer „Leib & Seele“ in der Aalener Beinstraße 34 ansteuert, hat konkrete Vorstellungen von dem, was ihn hier erwartet: Eine stimmige Kombination von Speis und Trank, die – frei nach Sokrates – Leib und Seele zusammenhält.

Vor acht Jahren hat Vincze Juhas hier im früheren Hommelbäck und späteren Warsteiner Treff das Speiselokal eröffnet, das 2021 vom Bewertungsportal Tripadvisor mit dem Travellers' Choice Award ausgezeichnet wurde. „Damit zählen wir zu den beliebtesten zehn Prozent der Restaurants weltweit“, freut sich der 42-jährige Gastronom mit ungarischen Wurzeln.

Mit zwölf Jahren kam Juhas mit seinen Eltern nach Deutschland. Er wuchs in Aalen auf und jobbte schon als Jugendlicher neben der Schule in der Gastronomie. Später im Aalener Café Podium und in der Havanna Bar, wo er anfangs als Barkeeper Cocktails mixte, bis ihm der damalige Inhaber Ernst Lorenz die Betriebsleitung der kleinen Bar übertrug.

Karriere in Wiesbaden

Als Student zog es Juhas nach Frankfurt am Main, wo er einige Semester lang BWL-Finanzdienstleistungen studierte. Parallel schlug sein Herz weiter für die Gastronomie. Er brach sein Studium ab, wurde Personal- und Barchef in einer der führenden Diskotheken Deutschlands in Frankfurt. Später Betriebsleiter eines elitären Tanzclubs in Wiesbaden, in dem die Wirtschaftsprominenz ein- und ausging.

„Daraus ist ein guter Bekanntenkreis gewachsen, man hat sich auch privat getroffen. Gemeinsam ein gutes Fläschchen Wein getrunken. Man hat gelebt“, erinnert sich Vincze Juhas, der, wie er erzählt, darüber hinaus auf selbstständiger Basis Gastronomie-Objekte beratend betreut hat, die rote Zahlen schrieben .

Doch irgendwann verlor für ihn die Großstadt ihren Reiz. „Bevor ich anderen helfe, etwas aufzubauen, baue ich mir selbst etwas auf“, schildert Juhas den Perspektivwechsel. Er kehrte nach Aalen zurück, in die Stadt, in der er viel Potenzial sah.

„Leib & Seele“ schuf Juhas als gesunde Mischung aus Restaurant und Barfeeling. Die dunkle opulente Theke des früheren Warsteiner Treffs dominiert auch heute noch das Lokal. Allerdings sind die Barhocker inzwischen verschwunden. „Die Gäste genießen gerne am Tisch zum Essen einen guten Wein und danach einen Cognac oder einen exquisiten Whisky“, erzählt der Gastronom, der auf seiner saisonalen Speisekarte auch immer drei Weinempfehlungen abgibt. „Speise und Getränk müssen harmonieren. Das ist für mich selbstverständlich.“

Whiskyliebhaber haben bei Vincze Juhas die Qual der Wahl zwischen über 50 Sorten. Ähnlich groß ist die Auswahl bei Rum und Cognac. Juhas greift nach einer eher unauffälligen Flasche im Regal. „Hibiki“ steht auf dem Etikett. „Ein zwölf Jahre alter japanischer Whisky, der inzwischen mit 500 bis 600 Euro pro Flasche gehandelt wird“, weiß Juhas. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich hab' sie gekauft, als die Flasche noch halbwegs bezahlbar war.“

Kreative Küche

Die Speisekarte – besser: die Speisekarten – tragen die Handschrift einer kreativen Küche, abseits des Schnitzel-Kasspätzle-Mainstreams. „Bei uns kommt nichts aus der Tüte. Alles wird frisch zubereitet und auf ursprüngliche Weise hergestellt“, verspricht der Wirt. Sein Koch Arpad Tegze ist vor acht Jahren von Ungarn nach Deutschland gekommen. Seit dem ersten Tag an steht er in der Küche von „Leib & Seele“. Täglich schnippelt der 57-Jährige unter anderem 20 Kilo Kartoffeln, verarbeitet sie zu Pommes, Rösti und Wedges. Und zaubert handgemacht auf den Tisch, was Frühstückskarte, Mittagstischkarte, saisonale Empfehlungskarte und die festgelegte Speisekarte versprechen.

Wenn es so etwas geben sollte, wie einen Speisekarten-Effekt, dann funktioniert er hier: Schon beim Lesen der zu Papier gebrachten kulinarischen Phantasie geht das Kopfkino los. Etwa beim „Argentinischen Rinderfilet mit Pfefferkruste und Kräuterbutter an Pfifferling, an Tomaten gebratenes Kartoffelwürfel-Ragout mit Thymian verfeinert, dazu Rucola, Tomaten- Frühlingszwiebel-Nektarinen-Salat mit Parmesan“. Auch Vegetarier und Veganer werden fündig, etwa beim vegetarischen Burger mit Austernpilz und, und ...

Alle Zutaten stehen auf der Speisekarte. Sogar Gewürze. Das ist Vincze Juhas wichtig, „weil immer mehr Menschen unter Lebensmittelallergiene leiden“. Doch ein komplettes Rezept zum Nachkochen will er am Ende dann doch nicht preisgeben. „Wir arbeiten mit einem anderen Herd und einer anderen Hitze in der Pfanne. Das würde man zu Hause ohnehin nicht so hinbekommen“, sagt er und setzt sein verschmitztes Lächeln auf.

Was die Gäste wissen müssen

Besonders beliebt: die saisonale Empfehlungskarte mit Kürbisgerichten im Herbst, mit Barbarie-Entenbrustfilet im Winter, mit allerlei Spargel im Frühjahr.

Das Schmankerl: die hausgemachte Erdbeerbowle, serviert in einem Whisky-Glas.

Das günstigste Gericht: Feta im Bacon-Mantel mit Honig kandiert, dazu Tomaten-Olivenwürfel zu 6,90 Euro.

Das teuerste Gericht: Argentinisches Rinderfilet mit Pfefferkruste zu 24,90 Euro.

Sitzplätze: 45 innen (vor Corona), aktuell 30; außen 35 bis 40 unter weißen Schirmen.

Öffnungszeiten: Di bis Sa, 9 - 14 Uhr und ab 17 Uhr.

Extravagante Gemälde eines Düsseldorfer Künstlers geben dem Lokal eine besondere Note.
Kreatives mit Pfifferlingen steht derzeit auf der saisonalen Empfehlungskarte.
Koch Arpad Tegze schnippelt täglich unter anderem 20 Kilo Kartoffeln und verarbeitet sie zu Pommes, Rösti und Wedges.
Die opulente Theke hat "Leib & Seele" vom früheren Warsteiner-Treff übernommen.
Jenny und Steffen Bort genießen in ihrem Urlaub ein gemütliches Sektfrühstück bei "Leib & Seele".
Auch an den Außenwänden des Lokals hat der Düsseldorfer Künstler für "Hingucker" gesorgt.
35 bis 40 Außensitzplätze finden sich unter weißen Schirmen in der Fußgängerzone.

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