Was Leoba und Diana aus Afrika auf die Ostalb lockt

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Diana Omondi (2.v.l.) macht bei der Behindertenhilfe Ostalb der Samariterstiftung eine Ausbildung zur Heilerziehungsassistentin. Ihr Arbeitsplatz ist im betreuten Wohnen in der Gartenstraße in Aalen. Beim Spiel am Tisch rechts neben ihr: Kollege Avotra Romeo Lantoarimanantsoa aus Madagaskar.
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Warum die Behindertenhilfe Ostalb der Samariterstiftung junge Menschen aus Asien, Afrika und Südamerika  ausbildet und ihnen eine Zukunft in Deutschland ermöglicht und wer profitiert.

Aalen

Es ist ein mutiger Schritt, den Diana und Leoba gewagt haben. Sie haben Afrika und ihre Familien verlassen, um in Deutschland zu arbeiten. Bei der Behindertenhilfe Ostalb bei der Samariterstiftung in Aalen machen Diana und Leoba eine Ausbildung. Eine Win-win-Situation. Die beiden erlernen einen Beruf, lernen neue Menschen kennen und machen Erfahrungen in und mit einer neuen Kultur. Die Behindertenhilfe der Samariterstiftung gewinnt qualifizierte Arbeitskräfte, die in diesen Tagen mehr als gefragt sind. Aktuell  sind bei der Samariterstiftung an ihren drei Standorten auf der Ostalb 14 junge Menschen aus Ländern in Asien, Afrika und Südamerika in Ausbildung oder machen ein Freiwilliges Soziales Jahr, um dann in die Ausbildung zu starten.

6000 Kilometer Luftlinie

Kisumu ist die Heimatstadt der 22-jährigen Diana Omondi, liegt Luftlinie 6000 Kilometer von Aalen entfernt und ist nach der Hauptstadt Nairobi und der Küstenstadt Mombasa die drittgrößte Stadt Kenias. Dort ist Diana auch zur Schule gegangen. „Schon 2013, als ich auf der Realschule war, hatte mein Opa die Idee für einen Aufenthalt in Europa“, erinnert sich Diana Omondi. Ihr Großvater sei ein belesener Mann und habe ihr empfohlen, Deutsch am Goethe-Institut zu lernen. Mit dem Realschulabschluss und einem Sprachzertifikat in der Tasche macht sich die junge Frau auf nach Österreich, ins Salzburger Land. Eine Au-pair-Stelle hat sie sich ausgesucht. Doch schnell merkt sie, der „Dialekt“ bereitet Schwierigkeiten. „Sprachlich hat mich das nicht vorangebracht“, erklärt sie. Dabei sei Deutsch das A und O. So wechselt sie nach zehn Monaten zur sozialen Einrichtung „Lautenbach“ am Bodensee und beginnt dort ein Freiwilliges Soziales Jahr. Das FSJ wird später die Basis sein für ihre Ausbildung bei der Behindertenhilfe der Samariterstiftung zur Heilerziehungsassistentin.

Die Arbeit als Azubi ist abwechslungsreich. Dabei stehen Menschen mit Behinderung im Mittelpunkt. „Ich helfe ihnen und unterstütze sie dabei, soweit es geht, selbstständig zu sein“, erzählt die 22-jährige Diana über ihren Einsatz im Wohnheim an der Gartenstraße. Der wird ergänzt durch den Besuch der Fachschule in Schwäbisch Hall. Dort geht es um theoretische Grundlagen im Bereich von Medizin und Verwaltung. „Wir lernen, zu dokumentieren“, sagt Leoba Nyamukapa. Es gehe aber auch darum, eigene kreative Fähigkeiten zu fördern, die auch im täglichen Umgang mit den Bewohnern des Wohnheims zum Einsatz kommen.

Ausbildung zur Fachkraft

Leoba Nyamukapa, die aus Harare, der Hauptstadt Simbabwes, stammt, hat auch ein FSJ absolviert, ehe sie nach Aalen kam. Die 25-jährige Auszubildende steckt bereits mitten in der Fachschulausbildung zur Heilerziehungspflegerin. „Leobas Sprachkenntnisse sind gut“, attestiert ihr Gisela Graf-Fischer. Die Sozialpädagogin ist Bereichsleiterin Wohnen in der Behindertenhilfe Ostalb und kümmert sich um die internationalen Azubis.

Ein Kulturschock?

„Für manche ist das ein Kulturschock, wenn sie in Deutschland aus dem Flugzeug aussteigen“, sagt Graf-Fischer und nennt als Herkunftsländer den Sudan, Madagaskar, Indonesien, Nepal und Peru. Sie hilft den Azubis bei der Integration. Es gelte, vieles zu organisieren: den „Holdienst“ vom Flughafen, eine möblierte Unterkunft oder Tipps für die Freizeit.

Leoba und Diana fühlen sich weitgehend integriert. Die Bewohner freuen sich über die Mitarbeitenden mit internationalem Hintergrund. „Sie suchen den Kontakt zu uns“, sagt Leoba und beschreibt ihren Arbeitsalltag mit Einkaufen, Kochen und der täglichen Hilfe beim Waschen und Anziehen. Die 25-Jährige erzählt aber auch von der eigenen Freizeit mit Reisen und bereichernden Kontakten.

Das Visum als Hürde

Damit das alles möglich ist, braucht es ein Visum. „Eine Hürde“, wie Michael Schubert das wichtige Dokument nennt.  Denn für ein deutsches Visum benötige man den Nachweis für ein FSJ oder einen Vertrag für einen Ausbildungsplatz. Für beides brauche man Sprachkenntnisse. So reicht nicht nur die innere Bereitschaft für einen langen Auslandsaufenthalt. „Es geht in den Herkunftsländern auch ganz einfach ums Geld“, ergänzt Schubert. Der Regionalleiter redet Tacheles. Die Deutsch-Zertifikate seien teuer und nur dort zu erwerben, wo es Goethe-Institute gibt. „In der Regel in den Hauptstädten.“ Und auch für die Samariterstiftung sei das Handling mit den internationalen Azubis nicht einfach. Etwa wenn zeitliche Lücken entstehen – zwischen dem Ende des FSJ und dem Ausbildungsbeginn. „Kein Arbeitsplatz, keine Aufenthaltsgenehmigung“, sagt Schubert und spricht dabei von viel Bürokratie. Dennoch beschreite die Behindertenhilfe Ostalb der Samariterstiftung bewusst diesen Weg. „Wir brauchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dringend. Dabei profitieren beide Seiten“, sagt Schubert.

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