Weißer Kittel, schwarzer Gürtel

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Die Chemikerin Dr. Jana Weßing ist stellvertretende Leiterin des Explorhino. Das "Kugelballett" gehört neben der Wilsonschen Nebelkammer zu ihren Lieblingsexperimenten.
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Dr. Jana Weßing ist die stellvertretende Leiterin des Explorhino. Was sie dort macht, wie sie zur Wissenschaft kam und was sie daran fasziniert.

Aalen

Geht es um die Nebelkammer, bekommt Dr. Jana Weßing glänzende Augen. Spricht sie über das, was in dieser Kammer passiert, beginnt die sonst recht ruhig wirkende 30-Jährige den Weg von Protonen, Atomen, Elektronen und sogar Teilchen aus dem Kosmos, die um uns herum durch die Luft sausen, lebhaft mit den Armen nachzuzeichnen. "Das passiert um uns herum", sagt die Wissenschaftlerin. Unsichtbar, im Normalfall. Doch die "Wilsonsche Nebelkammer", ein Kasten mit etwa 50 auf 50 Zentimeter Größe, macht das turbulente Teilchentreiben sichtbar. Denn wenn man in der Kammer Alkohol mit Luft vermischt und eine bestimmte Temperatur erzeugt wird, kann man darin winzige Kondensstreifen erkennen. "Das ist unfassbar spannend", schwärmt Weßing.

Aber nicht nur deshalb hat es ihr dieses Experiment besonders angetan. "Die Nebelkammer ist eines der wenigen Exponate im Explorhino, die etwas mit Chemie zu tun haben", sagt Weßing. Und Chemie, das ist ihr Ding.

Zu verdanken hat die stellvertretende Leiterin des Explorhino ihre Leidenschaft für die Möglichkeiten des Periodensystems der Schule. "Tatsächlich hatte ich in Chemie Lehrer, die es sehr gut verstanden haben, mein Interesse zu wecken, weil sie vieles auch praktisch möglich gemacht haben." Statt einfach nur Frontalunterricht, viele Experimente – Jana Weßing fängt dabei Feuer. Belegt, wo es geht, alle Naturwissenschaften, muss irgendwann "schweren Herzens" in der Oberstufe Physik abwählen. Sie ist wissbegierig, das Lernen fällt ihr leicht. Mathe und Chemie blieben "hoch im Kurs", wie sie sich erinnert.

Nach dem Abi in ihrer Heimatstadt Essen liebäugelt die Schwester von drei Brüdern kurz auch mit einem Mathestudium. Wie einst ihre Eltern, die dann doch was anderes machten. Auch Jana Weßing zieht's dann doch für ein Chemiestudium nach Bochum.

"Gereizt hat mich das Zusammenspiel der Arbeit im Labor, und mit den Händen selbst etwas zu schaffen", begründet die Chemikerin diese Wahl, sich mit einem überschlagenem Bein erdend. Bachelor, Master, Promotion – Letzteres zunächst in Bochum, dann in München, weil es dorthin auch den Doktorvater verschlug.

Man bekommt einen anderen Blickwinkel auf die Welt.

Dr. Jana Weßing stellvertretende Leiterin Explorhino

Weißer Kittel, Schutzbrille, es raucht und zischt? Stimmt alles so, grinst Jana Weßing. Unzählbar viele Versuche habe sie in den vier Jahren ihrer Promotion gemacht. "Da ist schon mal was zu Bruch gegangen", erzählt sie trocken aus dem Chemikeralltag. Da müsse man dann eben klug damit umgehen. "Versuch macht klug", zitiert sie ein Sprichwort.

Anpacken und reparieren

Sie sei jemand, der grundsätzlich gerne aktiv wird, erzählt Jana Weßing. "Das zieht sich durch alle Bereiche." Möbel selber aufbauen, falls sie es kann, Kaputtes reparieren. "Ich bin jemand, der gerne anpackt." Früher hat sie Leichtathletik gemacht, dann Taekwondo – Wettbewerbe, schwarzer Gürtel. Heute spielt Jana Weßing, die 1,84 Meter groß ist, Volleyball in Oberkochen, wo sie seit zwei Jahren mit ihrem Partner wohnt. Und als Ruhrpottlerin "sehr offen empfangen wurde", wie sie sagt.

Zuvor aber ist Jana Weßing nach ihrem Studium in Sachen Wissenschaft noch durch Baden-Württemberg gereist. Mit dem Discover-Industrie-Roadshow-Truck, der Schülerinnen und Schüler für Mint-Berufe (Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaft) begeistern soll. Als stellvertretende Leiterin des Explorhino Science Centers kümmert sich die 30-Jährige um die Inhalte im Allgemeinen, liefert Hintergründe zu den Exponaten und zu den Kursformaten, beispielsweise den Entdeckerkursen oder Schulkursen, und leitet selbst auch Kurse. "Das macht mir sehr viel Spaß", sagt sie. "Und da wir ja ein kleines Team sind, mache ich irgendwie auch alles", sagt sie.

Naturwissenschaft ist ohnehin überall um uns herum, so Jana Weßing. "Eigentlich fast alles im Alltagsgebrauch beruht darauf." Ob es nun der Computer ist oder der Kalk, den man am besten mit Essigreiniger wegbekommt. Eine chemische Reaktion, weil Essig den Kalk, der ein hartes Salz ist, in ein weiches umwandelt, das man dann eben besser wegputzen kann. Wissenschaft ermögliche für sie einen anderen Blick auf die Dinge, so die Chemikerin. "Ich kann verstehen, warum manches passiert. Man bekommt einen anderen Blickwinkel auf die Welt." So, wie mit der Nebelkammer.

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