Wenn der Kollege nicht so gerne Maske trägt

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Maskenpflicht im Betrieb: Auch wenn der eine oder andere sich damit schwertut - Gesundheitsschutz geht vor in der Pandemie.
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Die Coronaregeln müssen auch in den Betrieben umgesetzt werden. Welche Erfahrungen es dabei in Aalener Unternehmen gibt.

Aalen

Die einen legen viel Wert darauf, die anderen wenig und manche sind fast panisch“, sagt Dr. Rolf Siedler. Maske tragen, Abstand halten, nicht jeder Arbeitnehmer hat die Überzeugung, dass diese Maßnahmen sinnvoll und notwendig sind. Siedler ist Betriebsseelsorger und Wirtschaftsmediator. Nah am Geschehen in vielen Unternehmen. Die Coronaregeln seien durchaus manchmal ein Dilemma. „Im produzierenden Gewerbe kann man ja die Maschinen nicht einfach rücken“, sagt Siedler. „Ein divergentes und vielschichtiges Thema“ nennt er die Einhaltung der Corona-Regeln in Betrieben.

Die einen müssten weiter im Labor arbeiten, die anderen ins Home-Office rücken. Manche würden „wie in der digitalen Steinzeit“, so Siedler, in einem Büro aufeinandersitzen. Während einige das Arbeiten alleine zuhause als Rettung vor dem Burnout empfänden, andere seien davon genervt. Die vielen Facetten der Coronapandemie – Siedler hat jeden Tag damit zu tun. Auch wenn er noch nicht direkt in einem Konflikt schlichten musste, in dem es um das Einhalten der Coronaregeln am Arbeitsplatz geht. Es gibt sie.

Die Erfahrungen der Betriebsräte

„Am Anfang war das bei uns schon ab und an ein Thema“, berichtet Frank Khöber. Er ist Betriebsratsvorsitzender bei Mapal. Der eine oder andere habe sich mit der Maskenpflicht zunächst schwergetan. Die gelte für den ganzen Betrieb – auch außerhalb der Gebäude, auf dem Werksgelände. „Der Arbeitgeber hat ja auch eine Fürsorgepflicht“, sagt Khöber. Dazu gehöre auch, dass der Betrieb nun regelmäßig seine rund 1600 Mitarbeiter mit einem Lollipop-Test aus Österreich teste. Die im Betrieb zweimal, aber auch die, die teilweise im Home-Office arbeiten und nur zeitweise vor Ort seien. Wer dazu nicht bereit sei, müsse eben, bis ein Testergebnis einer anderen Teststelle vorliege, eine FFP-2-Maske im Betrieb tragen. „Die anderen fragen sich ja auch, warum derjenige keinen Test machen will“, erklärt Khöber dazu. Doch nicht nur um die Fürsorgepflicht gehe es. Bei einem Coronafall drohe die Schließung ganzer Bereiche. Anders als zu Pandemiebeginn würden die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber die Notwendigkeit des Maskentragens sehen. Generell seien die Bestimmungen für die Betriebe aber etwas „Wischiwaschi“, so Khöber. Es sei diesen zwar vorgeschrieben, Corona-Tests anzubieten – das Absolvieren sei aber freiwillig. Der Betrieb aber müsse geradestehen für die Infektionsmeldungen.

Mittlerweile würden die Beschäftigten die Regelungen so akzeptieren, wie sie sind. Ob diese sie nun für sinnvoll halten, oder nicht, sagt auch Harald Schönherr, Betriebsratsvorsitzender bei Seydelmann in Aalen. Maskenpflicht herrsche im ganzen Betrieb: „Da gibt es keine Probleme“, so Schönherr. Jeder der 320 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wisse, wie er sich verhalten müsse. Er wisse von keinem Fall, wo es untereinander Konflikte gegeben habe.

Klare Position der Gewerkschaft

Natürlich gebe es immer wieder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Coronamaßnahmen nicht unterstützen, so Josef Mischko, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Aalen. So, wie es eben auch Gegendemonstranten gebe. Die Gewerkschaft habe sich aber klar positioniert. Der Gesundheitsschutz in den Betrieben gehe vor, jeder müsse die Gesundheitsvorgaben einhalten, so Mischko weiter.

„Die Leute sind müde und mürbe, es gib ja fast kein Gespräch mehr, das nicht bei Corona anfängt oder da endet“, sagt Rolf Siedler. Die Situation sei ermüdend. Trotzdem. „Die meisten sind noch bei der Stange“, so der Betriebsseelsorger.

Die Mehrheit ist noch bei der Stange.“

Rolf Siedler, Betriebsseelsorger

Die Notbremse: Was für die Unternehmen gilt

Pflicht des Arbeitgebers zum Homeoffice-Angebot, sofern es die Tätigkeit erlaubt.
Pflicht zur Annahme dieses Angebots durch die Beschäftigten, es sei denn, ihrerseits stehen Gründe entgegen (z.B. Ruhestörung zu Hause oder keine angemessenen Arbeitsbedingungen)

Gleichwertiger Schutz der im Betrieb tätigen Mitarbeiter (Lüften, Abtrennungen etc.),

Reduzierung betriebsbedingter Zusammenkünfte auf ein Minimum,

> 10 Beschäftigte: möglichst kleine, immer gleiche Arbeitsgruppen, nach Möglichkeit zeitversetztes Arbeiten,

> 2 Beschäftigte im Raum: mindestens 10 m2 pro Person, wenn die Tätigkeit dies zulässt, sonst gleichwertiger Schutz, z.B. Abtrennungen

Bereitstellung und Pflicht zur Nutzung medizinischer Masken, wenn 1,5 m-Abstand oder andere o.g. Vorgaben nicht eingehalten werden können,

Pflicht zum Angebot mindestens eines („normaler“ Mitarbeiter) bzw. zweier Corona-Tests pro Woche (Mitarbeiter aus Risikogruppen).Betriebliches Testangebot ist seit dem 20. April Pflicht.

Unternehmen sind stets aufgefordert, die betriebliche Pandemieplanung und die Hygienekonzepte an die jeweilige Gefährdungslage anzupassen.dot

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