Wenn die Brauerei neben Bier auch Heizwärme liefert

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„Brauereikühlung völlig neu gedacht“, sagt der Chef der Aalener Löwenbrauerei. Warum Albrecht Barth eine halbe Million Euro investiert.

Aalen

Wir werden bis 2028 klimaneutral produzieren.“ Brauereibesitzer Albrecht Barth hat keinen Zweifel daran, dieses Ziel zu erreichen.

Eine Brauerei klimaneutral? Ein Produkt, das zuerst gekocht und dann schnell wieder gekühlt werden muss? Barth steht in seinem Sudhaus, das Dach ist offen und an den Haken eines großen Mobilkrans hängt ein 9 Meter hoher, 14 Kubikmeter fassender Tank aus Duplex-Edelstahl: ein neu entwickelter Speicher für die Wärmeversorgung. Hergestellt von der Firma Roth aus Kitzingen.

Neun Meter hoch, 14 Kubikmeter Warmwasser fassend: der neue Wärmespeicher der Aalener Löwenbrauerei am Haken eines großen Mobilkrans, eingefangen mit der Kameradrohne vor der Kulisse der Stadt. Gleich wird der Tank durchs offene Brauereidach abgesenkt

Es ist eine Investition von etwa 500 000 Euro, zusammen mit einem neuen Sudhaus aus Edelstahl, das dem Tank durchs Dach folgen wird.

Lohnt sich denn das in einer Branche, deren Absatz ständig sinkt? „Klar“, sagt Albrecht Barth. „Als Familienbrauerei, die 16 von 17 ortsansässigen Brauereien in Aalen überlebt hat, denken wir in Dekaden und Generationen, nicht in Quartalsberichten.“ - Ein starker Satz. Es lohnt sich jedoch trotzdem, genauer hinzusehen.

Der neue Wärmespeicher der Aalener Löwenbrauerei.

Vor elf Jahren hat die Aalener Löwenbrauerei ihre Abfüllanlage erneuert, die alte war kaputt. Damals wurde günstig eine gute gebrauchte Anlage gekauft, die aber eigentlich zu groß war. Jetzt zahlt sich das aus. Denn inzwischen ist die Aalener Brauerei unter die sogenannten „Lohnabfüller“ gegangen: Brauereien von außerhalb der Region fahren ihr Bier im Tanklastzug nach Aalen und lassen es von Barth in Flaschen füllen.

Nicht nur das. Die Aalener brauen seit einiger Zeit auch „Randprodukte“ für andere Brauereien. Sprich: Biersorten, die sich nicht gerade massenhaft verkaufen. Erfahrung damit haben sie jeden falls, denn das Bier-Portfolio der Löwenbrauerei ist auch ziemlich breitgefächert.

Haarige Millimeterarbeit

Ralf Peschel hat sich in einen Fensterausschnitt gezwängt. Direkt vor ihm hängt der Tank. Er schwankt leicht, denn überm Dach bläst der Wind. „Schwenk' den Arm einen Millimeter nach rechts“, sagt er seinem Kranführer über Sprechfunk. Der Chef der Kran- und Schwergutlogistikfirma aus Westhausen läuft zu Hochform auf, wenn's knapp wird. Langsam, gaaanz langsam senkt sich der Tank hinab auf sein Fundament. Ohne Schramme oder Delle. Puuhhh, geschafft!

Der neue Wärmespeicher der Aalener Löwenbrauerei.

Fast alles in einer Brauerei hat mit Hitze oder Kälte zu tun. Und Kühlanlagen produzieren Abwärme, man kennt das vom Kühlschrank. Die Aalener Löwenbrauerei hat 2020 eine neue Kälteanlage auf Propan-Basis angeschafft. Weg von den klimaschädlichen fckw- und fkw-haltigen Kühlmitteln. Auch die Abwärme der Flaschenspülanlage wird im neuen Tank gespeichert.

Bis 2028 werden wir klimaneutral brauen.“

Albrecht Barth, Chef der Aalener Löwenbrauerei

Die Wärme wird natürlich im Produktionsprozess wieder verwendet. Aber auch der Wohn- und Geschäftskomplex direkt an der Galgenbergstraße wird damit geheizt, im Winter auch die Produktionsräume. Nicht genug: „Wir hätten sogar noch Kapazitäten frei“, sagt Albrecht Barth.

„Wir hatten in der Corona-Krise keine so großen Einbrüche wie viele andere in Baden-Württemberg“, berichtet er. Der Ausfall der Vereinsgastronomie und Feste schmerze zwar sehr. Aber dadurch, dass er weniger Fass-, sondern mehr Flaschenbier abfüllt, sei es nicht ganz so schlimm gewesen.

Das neue Sudhaus, fast CO2-frei beheizt, ist automatisiert. „So können wir unser Personal entlasten“, so Barth. „Das ist jetzt ein großer Schritt für uns in die Zukunftsfähigkeit“, sagt er.

Ein Video und weitere Fotos unter www.schwaepo.de

Der neue Wärmespeicher der Aalener Löwenbrauerei.

Schnelles Kühlen des Bieres liefert viel Wärme

Aalen. Beim Bierbrauen wird die sogenannte „Würze“ (Wasser und aus dem Malz gelöste Stoffe) mit Hopfen versetzt und gekocht. Nach dem Kochen muss die Würze möglichst schnell von 100 Grad Celsius auf etwa 10 Grad herabgekühlt werden. Somit wird der Brauprozess abrupt unterbrochen. Langsameres Abkühlen hätte zur Folge, dass sich Stoffe bilden, die den Geschmack des späteren Bieres beeinträchtigen. Damit die Wärme nicht einfach flöten geht, wird diese jetzt bei der Aalener Löwenbrauerei in einem gut isolierten, 14-Kubikmeter fassenden Warmwassertank gespeichert. Der Inhalt heizt sich auf 75 Grad Celsius auf und verliert nur ein Grad am Tag. So kann die Wärme später wieder genutzt werden. mam

Zapfhahn ohne Wirt - Biernotruf der Brauereien auf der Ostalb rettet durstige Gäste

Rubriklistenbild: © opo

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