Autotheater: Wenn Hasen übers Klima reden

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Erstmals in Aalen: das Theater der Stadt Aalen lädt vor dem Kulturbahnhof mit dem Stück „Planet der Hasen“ zum Autotheater. Zehn Autos haben Platz für den Halbkreis, es spielen Julia Sylvester und Arwid Klaws.
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Das Theater der Stadt inszeniert erstmals Autotheater vor dem Kulturbahnhof. Wie das funktioniert und um was es im „Planet der Hasen“ geht.

Premiere Autotheaterproduktion Planet der Hasen

Autotheaterproduktion Planet der Hasen
Autotheaterproduktion Planet der Hasen © Oliver Giers
Autotheaterproduktion Planet der Hasen
Autotheaterproduktion Planet der Hasen © Oliver Giers
Autotheaterproduktion Planet der Hasen
Autotheaterproduktion Planet der Hasen © Oliver Giers
Autotheaterproduktion Planet der Hasen
Autotheaterproduktion Planet der Hasen © Oliver Giers
Autotheaterproduktion Planet der Hasen
Autotheaterproduktion Planet der Hasen © Oliver Giers
Autotheaterproduktion Planet der Hasen
Autotheaterproduktion Planet der Hasen © Oliver Giers
Autotheaterproduktion Planet der Hasen
Autotheaterproduktion Planet der Hasen © Oliver Giers
Autotheaterproduktion Planet der Hasen
Autotheaterproduktion Planet der Hasen © Oliver Giers
Autotheaterproduktion Planet der Hasen
Autotheaterproduktion Planet der Hasen © Oliver Giers

Aalen

Es geht um den Durchblick auf diesem „Planet der Hasen“. Nicht nur, aber auch im wörtlichen Sinne. Jedes der zehn Autos, die am Freitagabend vor dem Kulturbahnhof auf dem Stadtoval im Halbkreis parken, bekommt von den Assistenzkaninchen mit keck wippenden Ohren erst mal die Windschutzscheibe geputzt. Für die richtige Aussicht, vielleicht auch richtige Einsicht.

Die Aussicht ist erst mal die auf Luxus pur. Die Hasen fahren mit einem auf Glanz polierten Oldtimer vor, sitzen dann im „Verliebt in Aalen“-Liegestuhl am Pool und futtern Gummibärchen aus der Kühltasche.

Es ist windig am Tag des ersten Aalener Autotheaters, inszeniert von Tonio Kleinknecht. Es funktioniert wie Autokino, nur ohne Leinwand. Und es funktioniert gut. Das Absperrband zur Straße hin flattert so lautstark im Wind, das man das zwar sogar durch die geschlossenen Autotüre hört. Das Gespräch der Hasen, das man über die Frequenz 102,8 aus dem Autoradio verfolgt, übertönt das Geräusch trotzdem nicht: Die Hasen plaudern. Es geht um Badeklamotten, Brillen, die den Blick auf unberührte Natur ermöglichen. Die Goldkette des in alarmistisches Orange gekleideten Hasen 2 baumelt hin und her, der schwarz gekleidete Hase 1 fläzt im Liegestuhl - zwei Hasen im Speck. Alles super, wären da nicht die Bedenken von Hase 1. „Das Einzige, was mich beschäftigt, ist, dass der Planet in zehn Tagen explodiert“, sagt er. Hase 2 winkt ab. „Ach Hase, das wird nichts.“

Hin und her geht es zwischen den Hasen. Der eine mahnt, der andere zuckt mit den Schultern. „Lass mal die Kaninchen die Explosion aufhalten“, sagt Hase 1. Genuss, Gefühle, die Hoffnung auf Technik, die alles in Ordnung bringt, die Gier, den unstillbaren Hunger der Hasen auf mehr. Auch wenn kein Hase im Publikum sitzt - diese Hasengespräche kennt man. Hase 1 zuckt mit den Schultern: „Es schockt nicht mehr, wenn Du hörst, was Du schon 100 Mal gehört hast“, sagt er, während die Uhr tickt. Trotz aller Freude, wieder Theater zu erleben - dieses Ticken hört man auch im eigenen Kopf.

Die Autorin des Stücks Tina Müller hat pointiert und witzig auf den Punkt gebracht, welche Bandbreite an Positionen die aktuelle Debatte um den Klimaschutz umfasst. Hat sie zwei ihrer natürlichen Welt entfremdeten Hasen auf den Leib geschrieben. Arwid Klaws als hippeliger Bedenken-Hase und Julia Sylvester als Hipster-Hase glänzen als vermeintliche Gegenpole in diesem nicht mal einstündigen, geradlinig und unterhaltsam inszenierten Stück Theater. Zwischendurch rappen sie gemeinsam oder machen mit den Zuschauerinnen und Zuschauern einen Deal. Verhandeln übers Auto abgeben, auf Fleisch verzichten, dabei sein, wenn es mit einem Autokorso ums Klima geht. Hinterfragbare Geschäfte, für die es Gummibärchen gibt.

Irgendwann knickt Hase 1 ein, bekennt seine Angst. Auch für ihn wird's eng. „Wie soll man denn ohne Pool leben?“, fragt Hase 2 da wieder. Und macht sich mit Hase 1 unter dem Applaus der Lichthupen auf den Weg nach Antworten, der Zuschauer nachdenklich auf den nach Hause. Scheibe putzen genügt halt nicht.

Mehr Fotos sehen Sie online auf www.schwaepo.de

Es schockt nicht mehr, wenn Du hörst, was Du schon 100 Mal gehört hast.“

Julia Sylvester, Hase 1

Weitere Vorstellungen, nicht nur vor dem Kubaa

„Der Planet der Hasen“ ist noch zu sehen am Freitag, 28. Mai, 18 Uhr, vor dem Kubaa. Für Samstag, 29. und Sonntag, 30. Mai, jeweils 18 Uhr geht es dann zum Freibad Spiesel. Ab Mittwoch, 2. Juni, bis Sonntag, 6. Juni (Freitag keine Vorstellung), zeigt das Theater der Stadt Aalen das Stück dann im Schlosspark Fachsenfeld, jeweils um 18.30 Uhr.
Kartenvorverkauf auf www.theateraalen.de und, falls Click and meet möglich, mit vorheriger Anmeldung unter Tel: (07361) 522 600 oder kasse@theater-aalen.de online.

Julia Sylvester und Arwid Klaws.

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