Wenn Schnitzel und Cocktail auf Knopfdruck kommen

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In Aalen wird das Essen kostenfrei geliefert. Verpackt ist es übrigens in biologisch abbaubaren Behältnissen. Vorbereitet wird das Essen in der Mensa des Schubart-Gymnasiums – gekocht wird es natürlich von Köchen der Bierhalle.
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Christian Hellriegel bietet schwäbische Köstlichkeiten in seinem Online-Shop "Kocherbote" an. Und: Er betreibt die Mensa im SG.

Aalen

Leere Straßen. Leere Restaurants. Gastronominnen und Gastronomen haben es während der Coronakrise nicht einfach. Die Optionen: Restaurant schließen. Oder kreativ werden. Christian Hellriegel, Bierhallen-Wirt und Besitzer der Bar Noir, hat sich für Letzteres entschieden. Seit 2020 bringt der Online-Lieferservice "Kocherbote" schwäbische Leckereien auf Knopfdruck in die eigenen vier Wände.

Der 30-Jährige erinnert sich noch gut an den Anfang des ersten Lockdowns. "Es tat mir weh, dass ich das, was ich mir aufgebaut habe, ruhen lassen musste." Hellriegel wollte arbeiten, sein Personal beschäftigen. Ein Freund habe zu ihm gesagt: "Christian, mach dir Gedanken über die Zukunft der Bierhalle." Ideen über Ideen später startete der Aalener eine erste Aktion, eine Liveübertragung aus der Bar Noir. Die Atmosphäre in der Bar konnte samt Musik online erlebt werden. Dazu wurden Cocktails im Netz verkauft und ausgeliefert. Das Angebot kam an. "Das muss ja auch mit einem Schnitzel gehen", dachte sich der Gastronom – der "Kocherbote" war geboren.

"Los ging's mit fünf Gerichten. Die Leute haben bestellt, wir haben Paypal (Anm.d. Red.: ein Online-Bezahldienst) eingerichtet – zack, es hat funktioniert." In den darauffolgenden Wochen testete Hellriegel gemeinsam mit seinem Team, welche Pommes während des Transports knusprig bleiben, welche Warmhalteboxen sich eignen und, und, und.

Inzwischen gibt's im Onlineshop warmes Essen, vakuumierte Spätzle oder Maultaschen, Cocktails und mehr zum Kaufen. Auch fast ein Jahr nach dem Start des Angebots könnten Fehler passieren, sagt er. Auf jeder Bestellung stehe Hellriegels Handynummer. Wer unzufrieden ist, soll sich melden, so sein Credo. "Die Kundenzufriedenheit muss ganz oben stehen", betont der 30-Jährige.

Ein Zukunftsmarkt

Die Bierhalle und die Bar Noir werde ich weiter betreiben.

Christian Hellriegel Gastronom

Essen ausliefern sei ein Zukunftsmarkt. "Ich kann das jedem Gastronomen raten." Die Menschen fasziniere es, wenn Essen auf Knopfdruck kommt. Der Vorteil für den Gastronomen: "Ich kann besser planen." In der Bierhalle kann am Freitagabend viel los sein. Kann. Wenn's regnet oder schneit, besuchen weniger Menschen das Restaurant. Bestellt werde Essen online unabhängig vom Wetter.

Die Nachfrage wächst und wächst. Wie viele Bestellungen am Tag mit dem Auto oder (im Sommer) mit dem Rad ausgefahren werden, verrät Hellriegel nicht. "Wir haben während der Krise keine Kurzarbeit, das freut mein Unternehmerherz."

Doch die Köche kommen in der drei Quadratmeter großen Küche im historischen Wirtshaus an ihre Grenzen. Für die Vorproduktion von Maultaschen und Spätzle hat Hellriegel die Mensa im Schubart-Gymnasium (SG) angemietet. Und: Seit diesem Schuljahr bekocht Hellriegels Team Schülerinnen, Schüler und das Lehrpersonal in der SG-Mensa. Auf die Dauer wolle er die Vorproduktion in eine andere, größere Küche verlegen. "Die Mensa werde ich trotzdem weiter betreiben."

Was bedeutet es für den 30-Jährigen, ein Gastronom zu sein? "Ich begegne gerne Leuten und mache ihnen einen schönen Abend", sagt er. Er wolle seinen Fokus in Zukunft mehr auf den Bereich der Lebensmittelmanufaktur legen. Nach dem Lockdown sollen Bierhalle und Bar Noir wieder öffnen. Auch der "Kocherbote" soll weiter leben – egal ob leere oder volle Straßen, Lockdown oder kein Lockdown.

"Ein Schnäpsle gibt's zu jeder Bestellung dazu", sagt Gastronom Christian Hellriegel.

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