Wenn sich Menschen selbst erkennen

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Fotografinnen und Fotografen gehören zu den Berufsgruppen, die ihr Handwerk auch im Lockdown weiter ausüben dürfen. Fotografenmeisterin Sandra Ehinger aus Aalen hat sich im Lockdown mit einem neuen Geschäftsmodell neu erfunden.
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Die Aalener Fotografin Sandra Ehinger hat sich im Lockdown neu erfunden – Ihr ganzes Augenmerk gilt den Persönlichkeiten.

Aalen

Man muss sich neu erfinden" – das war für die selbstständige Fotografenmeisterin Sandra Ehinger aus Aalen klar. Die Coronakrise hat Selbstständige im künstlerischen Bereich besonders hart getroffen. Für die Aalenerin, die in diesem Jahr den Silbernen Meisterbrief der Handwerkskammer erhalten hat, bedeutete das Neuerfinden einen Ansporn, sich noch mehr auf ihre Spezialität zu konzentrieren: das Einfangen von Persönlichkeiten in ganz besonderen, individuellen Fotografien.

Hochzeiten und Veranstaltungen wurden abgesagt, die üblichen Gruppenbilder sind so gut wie unmöglich. Dazu fiel die Laufkundschaft in der Alfred-Delp-Straße genauso wie in ganz Aalen größtenteils weg. Den Verkauf von Fotobedarf in ihrem Laden hat Sandra Ehinger bereits vor zwei Jahren eingestellt. Zum Lockdown light im November musste sie auch die Öffnungszeiten reduzieren. Für spontane Termine, etwa um biometrische Passbilder anfertigen zu lassen, hatte das Fotostudio zunächst nun nur noch donnerstags geöffnet. Dann wurde auch diese Öffnung untersagt. "Aber, wer ein Anliegen hat, ruft ohnehin vorher an", sagt Sandra Ehinger, "und ich kann Termine an sieben Tagen die Woche wahrnehmen." Fotografinnen und Fotografen gehören zu den Berufsgruppen, die ihr Handwerk auch im Lockdown weiter ausüben dürfen: "Viele wissen das aber nicht."

Wenn sie nicht auf den raren Terminen ist, ist Sandra Ehinger eigentlich immer in ihrem Fotostudio anzutreffen. Sie kann sich dann individuell mehr Zeit für die Kunden nehmen. Sie telefoniert viel und spricht auch über Videokonferenzen mit den Menschen. Kommunikation und persönliche Beratung sind wichtig. "Das Wichtigste geschieht vor dem Fototermin", sagt die Fotografin. Gemeinsam arbeitet sie mit den Kunden einen Fragenkatalog durch. Warum soll ein Porträt gemacht werden? Wofür soll es verwendet werden? Was möchte die Person von sich zeigen und transportieren? Welcher Hintergrund und welches Umfeld könnten passen? Können vielleicht die Auswahl der Kleidung oder das Make-up unterstützen?

Die Technik ist Nebensache. Dass sie als Profi ihr Handwerk versteht, ist selbstverständlich. "Weg vom Kopf, auf den Bauch hören", so sollen nach ihrer Ansicht die Fototermine ablaufen. Kein Herumgezupfe – das führt nur zu Verkrampfen. Und gewünscht ist ja genau das Gegenteil – den Menschen so einfangen, wie er ist. "Das ist meine Herausforderung", sagt Sandra Ehinger. Sie nennt es Personality-Fotografie, die jeweilige Persönlichkeit ins rechte Licht rücken, das transportieren, was den Menschen ausmacht. Kann sein, dass sich ein junger Mensch direkt nach dem Studium in einem Wirtschaftsunternehmen bewerben möchte: "Die Persönlichkeit hat sich entwickelt und nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt." Genau das gilt es im Bild zu transportieren. Solche persönlichen Fotos sind nicht nur für eine geschäftliche Homepage, sondern auch als Geschenk für geliebte Menschen geeignet.

Man muss sich neu erfinden.

Sandra Ehinger Fotografenmeisterin

Besonders freut sich Sandra Ehinger, wenn jemand sagt: "Endlich erkenne ich mich selbst auf dem Bild".

Als besonderen Bonus erstellt sie beispielsweise kleine Schatztruhen mit hochwertig gestalteten Fotografien. Die Porträtierten können sie immer wieder mit Freude selbst in die Hand nehmen, sich an schöne Gefühle erinnern: "Das ist eine richtige Energiequelle."

Einige Familien begleitet Sandra Ehinger bereits über Jahre hinweg. Es sind kleine Sternstunden für sie, wenn sie das Besondere der jeweiligen Lebenssituation einfangen kann.

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