Wie Aalen Ärzte herholen will

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Laut einer Studie der Robert-Bosch-Stiftung werden bis zum Jahr 2035 mehr als die Hälfte der Hausärzte aus Altersgründen ausscheiden. Was dann?
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Weil die Förderprogramme von Bund und Land nicht greifen, springt die Stadt Aalen nun in die Bresche. Welche Anreize sie schaffen will.

Aalen

Es ist Fakt - auch in Aalen: Seit Jahren gibt es immer weniger niedergelassene Ärzte - und der Nachwuchs fehlt - vor allem auf dem Land. Auch der Blick in die Zukunft verheißt nichts Gutes: Laut einer Studie der Robert-Bosch-Stiftung werden bis zum Jahr 2035 mehr als die Hälfte der Hausärzte aus Altersgründen ausscheiden. Was dann?

Mit einer Antwort für Aalen auf diese Frage beschäftigt sich der Aalener Gemeinderat schon länger. Wie man trotz aller Widrigkeiten auch in Zukunft Anreize für Ärzte in Aalen schaffen kann, zeigt jetzt ein von der städtischen Wirtschaftsförderung ausgearbeitetes und vom Gemeinderat verabschiedetes Aktionsprogramm zur Ärztlichen Versorgung in Aalen auf.

Zusätzlich zu Hilfsangeboten für niederlassungswillige Ärzte etwa bei der Suche nach einem Praxisstandort, nach einem Bauplatz und Kitaplätzen, hat die Aalener Stadtverwaltung ein Förderprogramm aufgestellt, das ab 1. Januar 2023 in Kraft treten soll.

Damit springt die Stadt in die Bresche für eine Aufgabe, die eigentlich auf Bundes- und Landesebene gelöst werden müsste. Denn leider, so heißt es seitens der Stadtverwaltung, greifen die aktuellen Förderprogramme auf Landes- und Bundesebene nicht.

Aalen richtet Fördertopf ein

Bei der städtischen Förderung geht es vor allem um die hausärztliche Versorgung. Drastisch ist die Entwicklung in den Welllandgemeinden Dewangen und Fachsenfeld. Rund 7000 Einwohnerinnen und Einwohner haben keinen Arzt mehr am Ort. Auch in Wasseralfingen/Hofen sieht es bei einem aktuellen Versorgungsgrad von 46 Prozent nicht gerade rosig aus. Hier kommen vier Ärzte auf knapp 14 000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Die Stadt Aalen will nun einen jährlichen Fördertopf in Höhe von 60 000 Euro bereit stellen, um zusätzliche Anreize für eine Niederlassung zu schaffen. Die maximale Förderung pro Vorhaben, so OB Frederick Brütting, beträgt 30 000 Euro. Damit könnten pro Jahr mindestens zwei Vorhaben gefördert werden.

Zudem hat die Stadtverwaltung auf Antrag der Grünen-Fraktion im Gemeinderat niedergelassene Ärzte gefragt, ob sie die Gründung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) als Lösungsansatz sehen. Zum Verständnis: In einem MVZ arbeiten mehrere ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte unter einem Dach zusammen. Diese Konstellation ermöglicht vielen Medizinern die Teilzeitarbeit. In einem MVZ sind Inhaberschaft und ärztliche Behandlung organisatorisch getrennt. Heißt: Ein MVZ kann kommunal oder privatwirtschaftlich betrieben werden und entlastet die Ärzte von bürokratischen Aufgaben.

Bei nur einer Gegenstimme (Marcus Waidmann, AfD), befürworteten die Gemeinderäte die Sitzungsvorlage. Dr. Thomas Battran (Grüne) vertrat die Meinung vieler seiner Berufskollegen, als er sich gegen ein privatwirtschaftliches MVZ aussprach. „Das ist eher auf wirtschaftliche Gewinnmaximierung ausgerichtet, was der ärztlichen Motivation widerspricht.“ Wie Nadine Patzelt (CDU) und Franz Fetzer (FW) sieht Helmut Gentner (SPD) ein MVZ als gute Lösung. Er hat aber Bedenken, dass bei einer kommunalen Trägerschaft nicht ausreichend Kenntnisse vorhanden sind, um es erfolgreich zu betreiben. Roland Hamm (Die Linke) mahnt, dass die Stadt Aalen ihrer politischen Verantwortung gerecht werden müsse, um die ärztliche Versorgung sicher zu stellen. Ob als Genossenschaft oder MVZ und unter welcher Trägerschaft müsse man separat diskutieren.

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