Wie Aalener den Lockdown bewerten

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Händler, Gastronomen und Friseure blicken mit gemischten Gefühlen auf die Verlängerung. Dass Kunden wohl ab Montag bestellte Waren abholen dürfen, ist ein Lichtblick für die Händler.

Aalen

Der Lockdown wird bis Ende Januar verlängert. Aalener Händler, Gastronomen und Friseure nehmen die Nachricht mit gemischten Gefühlen auf.

Einzelhändler: Von einer Katastrophe spricht Alfred Krauss vom Bettenhaus GD Krauss. Der Einzelhandel sei vom Weihnachtslockdown schon hart getroffen worden. Unverständlich ist ihm der Lockdown und die Verlängerung vor dem Hintergrund, dass er und viele Kollegen investiert, Hygienekonzepte erarbeitet und die Geschäfte fit gemacht hätten für das sichere Einkaufen in Corona-Zeiten.

"Ein kleiner Lichtblick" ist für Alfred Krauss, dass wohl ab kommender Woche Abholangebote – das so genannte "click and collect" – für Einzelhändler in Baden-Württemberg erlaubt werden. Vor Weihnachten noch hat das Team von GD Krauss individuell bestickte Handtücher zu den Kunden nach Hause geliefert. Nun hofft Alfred Krauss, dass Kunden übers Internet oder per Telefon Ware bestellen und dann in seinen Geschäften in Aalen und Gmünd abholen können.

Auf das Abholangebot freut sich auch Bobby Krapp von der Sportbörse. Sein Online-Geschäft mit Lieferung zu den Kunden nach Hause laufe im Moment sehr gut. "Click and collect im Weihnachtslockdown zu verbieten, war totaler Humbug", sagt er. Telefonische Beratung oder ein virtueller Gang per Video-Anruf mit dem Kunden durch den Laden: Das wird in der Sportbörse auch weiterhin angeboten werden. Nach Terminabsprache können Kunden auch weiterhin Ski ausleihen.

Das Abholangebot nennt Uli Riegel von Dr. Fashion eine Erleichterung. "Auch für die Kunden ist das besser", sagt er. Für den verlängerten Lockdown im Textilhandel hat er wenig Verständnis. Ansteckungsgefahr sieht er beim Kleider einkaufen in Aalen kaum. Die Grundflächen der Läden seien groß genug, nie würden so viele Kunden wie zum Beispiel bei Billig-Ketten in der Stuttgarter Königsstraße gleichzeitig den Laden betreten. Wegen des verlängerten Lockdowns sieht er die Existenz mancher Kollegen bedroht. "Viele im Textilhandel werden das so nicht überleben", sagt Uli Riegel. Er selbst ist froh, dass er die Weichen rechtzeitig gestellt und investiert habe. Kunden informiert er in den sozialen Netzwerken über neue Ware und bietet sie auf Online-Plattformen zum Verkauf an.

Viele im Textilhandel werden das so nicht überleben.

Uli Riegel Dr. Fashion

Gastronomie: Überrascht über die Verlängerung des Lockdowns ist Wolfgang Schieber nicht. "Wir haben uns schon drauf eingestellt", sagt der Inhaber von Café Schieber und Puccini. Auch während des Lockdowns können Kunden im Café Schieber Kuchen und Pralinen und im Cafébus vor dem Puccini einen Kaffee zum Mitnehmen kaufen. "Das läuft sehr gut", sagt Wolfgang Schieber. Diese Angebote möchte er weiterhin aufrechterhalten.

Überrascht von der Verlängerung des Lockdowns ist auch Dagobert Hämmerer, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga im Ostalbkreis, nicht. Im Grunde sei es sogar besser, die Hotels und Gaststätten geschlossen zu halten, als sie nur unter so vielen Auflagen öffnen zu dürfen, dass die Hoteliers und Wirte am Ende draufzahlen.

Was denkt er, wann Hotels und Gaststätten wieder öffnen dürfen? "Wenn wir Glück haben: Ende Februar", antwortet er. Wohlwissend, dass einige Pensionen, Gaststätten und Bars das nicht überleben werden. Er bekomme täglich zehn bis zwölf Anrufe und 20 bis 30 E-Mails von verzweifelten Kollegen, die Rat suchen, weil sie finanziell am Ende sind. Dagobert Hämmerer kann ihnen dann nur raten, gemeinsam mit ihrem Steuerberater Zuschüsse zu beantragen, mit dem Verpächter oder den Zuständigen bei der Bank zu reden. Doch "bei den Finanzhilfen blickt kaum mehr jemand durch", kritisiert Dagobert Hämmerer.

Friseure: Viel Zuspruch haben Friseurin Carmen Crespo und ihr Team vom Salon "StyleINArtists" in den vergangenen Wochen bekommen. "Haltet durch", schreiben Kunden zum Beispiel in der WhatsApp-Gruppe. Dass es für viele Menschen wichtig ist, sich regelmäßig die Haare schneiden oder färben zu lassen und dabei ein Gespräch zu führen, hat sie gemerkt, als sie den Salon zwischen den beiden Wellen wieder öffnen konnte. "Die Atmosphäre im Salon war besonders", sagt sie. Den Lockdown hat sie genutzt und für ihre Azubis einen Online-Workshop organisiert. Sie üben im Salon an der Puppe und werden von der Seminarleiterin per Video-Telefonat begleitet. Dass sich der Lockdown auf Friseursalons erstreckt, versteht sie nicht. Mit den Hygienekonzepten in den Salons sieht sie kaum eine Ansteckungsgefahr. Die gebe es eher im privaten Bereich.

Zahl der Todesfälle steigt: die jüngste Entwicklung

Aalen. AmMittwoch, 6. Januar, meldet das Landratsamt Ostalbkreis zwei weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Damit steigt die Gesamtzahl der mit oder an Corona Verstorbenen auf 141. Während die Zahlen am Anfang der Pandemie noch deutlich langsamer stiegen, nehmen die Todesfälle seit Ende 2020 deutlich zu. Die Hälfte der Verstorbenen verzeichnet der Ostalbkreis zwischen Ende März und Ende November – also innerhalb von acht Monaten. Die andere Hälfte der Todesfälle wurde demnach zwischen Ende November und Anfang Januar gemeldet.

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